Street Art Guide & Map Berlin Friedrichshain-Kreuzberg

Street Art Map – Berlin Friedrichshain-Kreuzberg. Astronaut/Cosmonaut von Victor Ash
Street Art Map – Berlin Friedrichshain-Kreuzberg. Astronaut/Cosmonaut von Victor Ash.

Berlin. Ihr wollt die Street Art von Berlin auf eigene Faust entdecken? In eurem eigenen Tempo durch die Stadt spazieren? Dann seid ihr hier richtig. Denn ich habe für euch eine Street Art Map für Berlin Friedrichshain-Kreuzberg zusammengestellt. Ihr seht auf einer Strecke von etwa 14 Kilometern insgesamt 32 Murals. Einige davon gehöhren zu den bekanntesten von ganz Berlin, wie beispielsweise der Astronaut/Cosmonaut von Victor Ash oder The Pink Man des Künstlers BLU.

Unbeauftragte, unbezahlte Werbung aus Leidenschaft für Street Art. Der Artikel enthält Affiliate-Links.


Street Art Map für Berlin Friedrichshain-Kreuzberg mit 32 Murals

Länge der Tour: etwa 14 Kilometer
Dauer: zu Fuß etwa 4-5 Stunden
Start: S-Bahnhof Ostkreuz
Ende: U-Bahnhof Gleisdreieck

Praktisch: In der Street Art Map seht ihr nicht nur, wo sich das Mural in Berlin befindet. Ihr seht beim Anklicken mit der Maus außerdem noch ein kleines Vorschaubild und die genaue Adresse. Gestartet wird ganz rechts. Die Tour endet links unten.

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Tipp: Die Street Art Tour mit der Map durch Berlin Friedrichshain-Kreuzberg lässt sich übrigens perfekt mit einem Besuch des RAW-Geländes und / oder der East Side Gallery kombinieren. Und wenn ihr dann noch mehr Street Art sehen wollt, dann könnt ihr vom Endpunkt am U-Bahnhof Gleisdreieck noch weitergehen bis zum URBAN NATION Museum in Schöneberg.

Schaut doch öfters mal vorbei. Denn es kommen in Berlin immer wieder neue Murals hinzu, die ich dann in meiner Street Art Map und hier im Blog ergänzen werde. Viel Spaß bei eurer Tour, beim Stöbern und Entdecken.


Michelle Tombolini: Butterfly

Mural von Michelle Tombolini: Butterfly - Street Art Map Berlin
Michelle Tombolini: Butterfly

Das erste Mural in meiner Street Art Map Berlin ist von Michelle Tombolini. Der Venezianer hat ein Schmetterlingskind mit großen hellblauen Flügeln als Paste-Up an die Wand geklebt. Der Mund des Mädchens ist mit einem schwarzen Kreuz verschlossen. In einem Zustand ohne Selbstausdruck löst es beim Betrachter starke Emotionen aus. Das Mural soll als Mahnmal gegen Kinderpornographie und Menschenhandel gesehen werden.

Butterfly ist Teil von Tombolinis Projekt „Indelible Marks“ (Unauslöschbare Zeichen), welches sich mißbrauchten Kindern widmet. In seinem Projekt verbindet er Kunst und Technologie und schafft ein zugleich physisches sowie virtuelles Kunstwerk. Auf dem Schild rechts unten gibt es zudem einen Hinweis auf die kostenlose App „EXPERENTI“. Damit kann man direkt mit dem Kunstwerk und dem Künstler interagieren, das Kunstwerk verwandelt sich und es gibt außerdem Videobotschaften zum Thema. Ich habe die App selbst nicht ausprobiert, daher kann ich euch an dieser Stelle nicht mehr berichten.

Der stumme Schrei des Schmetterlingsmädchen soll die Gleichgültigkeit der Erwachsenen herausfordern. Kindermißbrauch fordert eine starke Prävention und jeder sollte sich deshalb verantwortlich fühlen. Der italienische Zweig des internationalen Netzwerks ECPACT International arbeitet seit 2014 mit Tombini zusammen. ECPACT setzt sich für den Schutz von Kindern vor Ausbeutung ein.

Adresse: Krossener Strasse 36


Community Project – unknown Artist

Street Art Map Berlin
Community Project – unknown Artist

Das Gebäude in der Kreutzigerstraße ist eines der buntesten, das ich während meiner Street Art Tour gesehen habe. Es entstand als Community Projekt von den Menschen, die hier leben. Das heisst, die Bilder sind gar nicht von einem berühmten Künstler gemalt, sondern von den Bewohnern selbst.

Adresse: Kreutzigerstraße 19


Hall of Fame beim Kino Intimes

Klein aber fein. Das gilt sowohl für das Kiezkino „Intimes“ als auch für die Hall of Fame an der Fassade in der Niederbarnimstraße. Mit Paste-ups, Stickern sowie Stencils verbreiten die Künstler hier ihre politischen und gesellschaftskritischen Botschaften. Manche darunter sind topaktuell, wie beispielsweise ein rotes Herz mit einem goldfarbenen Mundschutz oder ein Corona Virus zum Kuscheln.

Adresse: Boxhagener Str. 107 / Ecke Niederbarnimstraße

Street Art Hall of Fame beim Kino Intimes -Street Art Map Berlin
Diverse Künstler – Hall of Fame beim Kino Intimes
Street Art Map Berlin - Coronavirus
Künstler unbekannt aber immer top aktuell

Übrigens: Das kleine, 1909 gegründete Kino ist das älteste durchgehend bespielte Kino in Berlin. Präsentiert werden Arthouse-Filme sowie Dokus. Das Kino wurde 2019/20 umgebaut und nach dem Lockdown im Frühjahr 2021 unter neuem Betreiber wieder eröffnet.


Arsek Erase, HRVB the Weird: The Berlin Bomber

Mural von Arsek Erase, HRVB the Weird: The Berlin Bomber - Street Art Map Berlin
Arsek Erase, HRVB the Weird: The Berlin Bomber (2018)

Seit Anfang 2000 sind Arsek und Erase als Graffitikünstler-Duo unterwegs. Ihre Werke sind meist illustrativer und surrealer Natur. Typisch für ihre Murals sind leuchtende Farben, Spaß sowie comicartige Szenen, die von der Natur und ihrer Umgebung beeinflusst werden. Die bulgarischen Künstler haben “The Berlin Bomber” während des Berlin Mural Fest 2018 realisiert. Der auf einer gelben Berliner U-Bahn reitende Bär wurde zudem am Ende noch von dem Künstler HRVB the Weird am Arm tätowiert.

Adresse: Warschauer Straße 9


MTO: There’s No Such Thing As Bad Publicity

Mural MTO: There’s No Such Thing As Bad Publicity - Street Art Map Berlin
MTO: There’s No Such Thing As Bad Publicity (2018)

Der französische Künstler Mateo Lepeintre aka MTO thematisiert mit seinem Mural die Nutzung von Street-Art zu kommerziellen Zwecken. Dazu erstmal eine Geschichte: es gab bis 2015 ein ganz berühmtes Wandbild an der Cuvry-Brache in Kreuzberg. Es waren drei riesige weiße Figuren mit Masken und goldenen Uhren-Handschellen. Vielleicht kennt ihr es ja noch. Gemalt hatte es der bekannte italienische Künstler BLU im Jahr 2007. Das Mural war ein äußerst beliebtes Fotomotiv sowie Wahrzeichen der umkämpften Cuvry-Brache. Denn ab 2015 sollten hier Wohnungen entstehen. Es heißt, dass BLU sein Werk mit schwarzer Farbe hat übermalen lassen. Er wollte sicherstellen, dass das System sein Mural nicht für den Verkauf von Eigentumswohnungen verwenden kann.

Als MTO während des Mural-Festes 2018 seine Wand bekam, war hier bereits eine große Anzeigentafel angebracht. Es ist fast kaum zu erkennen, aber die unterste der gelb umrahmten Tafeln ist „echt“ und sogar mit zwei Lampen beleuchtet. Er nutzte schließlich diese Gelegenheit, um die Verwendung von Straßenkunst-Wandbildern zu kommerziellen Zwecken anzuprangern. Es ist bekannt, dass großformatige Murals bei Stadtverwaltungen und Investoren auf zunehmendes Interesse stoßen. Denn die von der Stadt oder einer Marke gesponserten Fassadenmalereien machen kostengünstigere Wohngebiete attraktiver. Die Mieten steigen, es kommen Street Art Touristen, es öffnen Galerien und so weiter. MTO verweigert sich diesem Prozess und will dagegen ankämpfen. Dafür zeigt er offen politische und kontextbezogene Inhalte in seinen Wandbildern.

Adresse: Warschauer Str. 58


One Truth: Swiss Knife

Mural von One Truth: Swiss Knife - Street Art Map Berlin
One Truth: Swiss Knife

Die One Truth Brüder Pase und Dr. Drax haben eine riesige 25 Meter hohe Wand in der Nähe der East Side Gallery bemalt. Das Mural zeigt ein großes Schweizer Taschenmesser, das mit seinen Füßen in Graffiti von lokalen Künstlern steht. One Truth spielt in seinem Bild mit dem Klischee der Schweiz.

Adresse: Revaler Straße 1


Alice Pasquini: Suspended

Mural von Alice Pasquini: Suspended - Street Art Map Berlin
Alice Pasquini: Suspended

Das Mural „Suspended“ befindet sich in einem Hinterhof gegenüber der East Side Gallery. Die italienische Künstlerin Alice Pasquini hat hier in sechs Tagen sechs Porträts einer jungen Frau gemalt. Ihr Stil – die Aquarelltechnik – ist dabei unverkennbar. Ebenfalls typisch für Pasqiuni ist, dass sich ihre Kunst auf die Darstellung von Menschen und Beziehungen konzentriert. Ihre sechs Porträts zeigen dieselbe junge Frau in sechs verschiedenen Posen und mit jeweils unterschiedlichen Gesichtsausdrücken. Ihr Mural soll die die Stärke und Unabhängigkeit der Frauen zeigen.

Adresse: Warschauer Straße 47


BLU: The Pink Man

Mural von BLU: The Pink Man - Street Art Map Berlin
BLU: The Pink Man

Das Kunstwerk von BLU könnt ihr bereits von der Oberbaumbrücke aus sehen. Es zeigt eine rosafarbene Menschenfigur mit großen weißen Augen. Beim genaueren Hinsehen erkennt ihr, dass diese Figur aus hunderten kleinen Menschen besteht. Diese klammern sich verängstigt aneinander und bilden schließlich eine undefinierbare Masse. Nur ein Mensch ist als Individuum hervorgehoben. Er klemmt zwischen den Fingern des Monsters und wird vermutlich gleich von diesem verspeist. Der Artist BLU thematisiert mit seinem Mural den Faschismus.

Adresse: Falckensteinstraße 49


Fin Dac: Engeika

Mural von Fin Dac: Engeika - Street Art Map Berlin
Fin Dac: Engeika

„Engeika“ ist das erste Mural von Street Art-Ikone Fin Dac in Berlin. Es ist ein schönes Beispiel, wie sich Kunst in ein Gebäude integriert – und umgekehrt. Denn auf den ersten Blick sieht man gar nicht, was gemalt ist und was Teil des Gebäudes ist. Fin Dac hat die beiden Balkone perfekt in sein Bild integriert. Die im roten Kimono gekleidete Geisha lehnt sich an den unteren Balkon, als wäre es ein kleines Tischchen. Das Mural in dem Berliner Hinterhof ist Teil von Fin Dac’s Reihe „Hidden Beauty“.

Adresse: Köpenicker Straße 9


BLU: tear down this wall

BLU: tear down this wall
BLU: tear down this wall

Die Mauer aus Geldscheinen ist eines von wenigen Murals des Künstlers BLU, die noch bis heute erhalten geblieben sind. Wie jedes seiner Werke trägt auch dieses eine tiefgründige Botschaft zu den Augen des Betrachters. Das Kunstwerk zeigt auf der linken Seite eine graue Mauer, die Stück für Stück zu Boden fällt. Doch nachdem sie schon am Boden lag, entsteht eine neue Mauer – nur dieses mal aus grünen 100 Euro Scheinen. Das Mural steht für Berlin. Und es wirft die Frage auf, was nach dem Fall der Berliner Mauer tatsächlich geschehen ist.

Adresse: Köpenicker Straße 10 A


Os Gêmeos: Yellow Man

Mural von Os Gêmeos: Yellow Man
Os Gêmeos: Yellow Man (2007)

Das Mural „Yellow Man“ von dem brasilianischen Künstlerduo Os Gêmeos entstand 2007 im Rahmen des Graffiti-Festivals Backjumps. Das Motto war „Turn the city into a magazin“. Die Zwillinge gehören zu den international bekanntesten Vertretern in der Street Art Szene. Doch trotz ihres Bekanntheitsgrades und hochdotierten Aufträgen sind ihre Arbeiten Beispiele sozialkritischer Street Art, oft mit Bezug zur indigenen Bevölkerung. Links neben dem Yellow Man haben die Berlin Kidz zudem ihre Spuren hinterlassen. Die filigran, arabesk wirkenden Tags sind im Berliner Stadtbild häufig zu sehen. Sie sind immer in Rot, Blau und Schwarz und ziehen sich wie eine Himmelsleiter die Hauswände empor.

Adresse: Oppelner Straße 3


Roa: Nature Morte

Mural von Roa: Nature Morte - Street Art Map Berlin
Roa: Nature Morte

Zugegeben, das Mural wirkt schon ein bisschen morbide: Hier hängen ein Hase, ein Storch sowie ein Reh kopfüber an Stricken vom Dach herab. Unter den hängenden Tieren liegen außerdem ein toter Stier und ein Wildschwein mit abgetrenntem Kopf. Die toten, verletzten oder zerstückelten Tiere sind ein Markenzeichen des belgischen Künstlers Roa. Sie sind immer in schwarz-weiß gesprüht und haben daher einen hohen Wiedererkennungswert. Ein weiteres seiner Bilder könnt ihr in der Schönhauser Allee 116 im Prenzlauer-Berg sehen.

Adresse: Oranienstraße 2


Victor Ash: Astronaut/Cosmonaut

Mural von Victor Ash: Astronaut/Cosmonaut  - Street Art Map Berlin
Victor Ash: Astronaut/Cosmonaut (2007)

Das Mural im schwarz-weißen Schablonenstil zeigt einen Raumfahrer, der über der Stadt bzw. anderen Graffitis schwebt. Der portugiesische Künstler Victor Ash wurde bei seinerm Werk vom Ost-West-Konflikt zwischen der USA und Sowjetunion inspiriert. Denn beide Staaten versuchten, bei der Aufrüstung und in der Raumfahrt die Nase vorne zu haben. Ashs Raumfahrer ist jedoch gesichtslos und hat keine offensichtliche Nationalität. Daher trägt das Mural auch die amerikanische und die russische Bezeichnung für einen Raumfahrer in seinem Titel: „Astronaut/Cosmonaut“. Als Victor Ash das Mural in 2007 im Rahmen des Backjump Festivals erschuf, war es mit den Maßen 22 Meter mal 14 Meter das größte Stencil weltweit. Und noch heute gehöhrt es zu den größten seiner Art.

Adresse: Oranienstraße 195


Millo: My Head is a Jungle

Millo: My Head is a Jungle
Millo: My Head is a Jungle

Der italienische Künstler Millo hat im Rahmen des Urban Nation Festes 2018 eine Brandwand in der Luckauer Straße gestaltet. Zu sehen ist eine monotone Stadtlandschaft mit Hochhäusern und Flugzeugen. Doch in der Mitte sitzt eine Frau auf einem Friseurstuhl und lässt sich die Haare waschen. Dabei fallen exotische Tiere aus ihrem Haar und das Waschwasser überflutet langsam die Stadt. Millo ist bekannt für seine schwarz-weißen Linienzeichnungen, in denen kindliche Figuren allerdings einen bunten Kontrast bilden. Seine Bilder stehen für kindliche Freude und Verspieltheit.

Adresse: Luckauer Straße 12


Herakut: My home might be no palace, but we can share it if you like

Herakut: My home might be no palace, but we can share it if y
Herakut: My home might be no palace, but we can share it if you like

Das Künsterduo Hera und Akut hat zum Berlin Mural Fest 2018 ein sehr berührendes Statement an die Wand gebracht: „Mein Zuhause ist vielleicht kein Palast, aber wir können ihn teilen wenn ihr wollt.“ Ich finde, es ist das bewegendste Mural in meiner Street Art Map Berlin. Ein spielendes Mädchen mit einem gelben Bärchen-Hoodie läd hier zum Teilen ein. Es spielt mit Bauklötzen. Wenn ihr genau hinseht, dann erkennt ihr, dass drei Fenster in die Bauklötze integriert sind. Und die Spitze des Turms bildet der Berliner Fernsehturm. Verspielte, fotorealistische Motive sowie Textelemente sind typisch für Herakut. Ein weiteres sehr schönes Mural von den beiden könnt ihr übrigens in der Greifswalder Straße 87 sehen. In diesem wird Martin Luther zitiert „Wenn ich wüsste, dass die Welt morgen untergeht, würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen.“

Adresse: Luckauer Straße 14


Cryptik: Graphics

Cryptik: Graphics
Cryptik: Graphics

Gleich um die Ecke, in der Bergfriedstraße, schuf der südkalifornische Künstler Cryptik ein grafisches Mural mit der Schablonentechnik. Seine Werke sind ein Ausdruck von Spiritualität und Bewusstsein. So zeigt auch dieses Mural mandalaartige Muster als Darstellung von Gottheiten und spirituellen Führern. Für Cryptik ist seine Kunst spiritueller Natur. Seine „Mantradalas“ sollen soll zur Meditation, Einkehr und zudem für Trance genützt werden. Es geht also um neue Perspektiven, ums Innehalten in alltäglichen Leben sowie um positives Karma.

Adresse: Bergfriedstraße 20


Emily Eldridge: The Thread that tied us together

Emily Eldridge: The Thread that tied us together
Emily Eldridge: The Thread that tied us together

Das bunte Mural wurde am 8. April 2020 gemalt – als grade der Lockdown wegen des Corona-Virus Berlin lahm gelegt hat. Es ist wohl das neueste Kunstwerk in meiner Street Art Map und trägt den Titel „Der rote Faden, der uns zusammenhält“. Aber was hält uns denn eigentlich genau zusammen? Die Künsterin ist dieser Frage nachgegangen: Für Emily ist es Stadt, die Nachbarschaft sowie das Zuhause, die uns zusammen. Alle die hier leben, machen Berlin schließlich zu dem, was es ist. Egal, wo der einzelne herkommt.

Adresse: Wassertorstraße 64


Bosoletti, Young Jarus: Daphne and Apollo

Bosoletti, Young Jarus: Daphne and Apollo
Bosoletti, Young Jarus: Daphne and Apollo

Der argentinische Künstler Francisco Bosoletti und der kanadische Artist Young Jarus haben hier für Urban Nation 2018 unter dem Motto „United“ ein gemeinsames Mural gemalt. Und das setzt Maßstäbe! Denn es erstreckt sich über eine Fläche von 45 x 15 Metern und zeigt die tragische Liebesgeschichte von Daphne und Apollo. Und die geht so: Apollo hat Eros verärgert. Daraufhin schießt er zwei Pfeile ab, einen goldenen auf Apollo sowie einen aus Blei auf Daphne. Mit dem Effekt, dass sich Apollo unsterblich in Daphnie verliebt, diese aber eher das Gegenteil empfindet. Um Apollo zu entkommen, lässt sich Daphne schließlich in einen Lorbeerstrauch verwandeln. Als Ausdruck seines Kummers über die nicht erwiderte Liebe trug Apollo seitdem einen Lorbeerkranz auf dem Kopf.

Adresse: Gitschiner Str. 65


Berlin Kidz – diverse Graffiti

Berlin Kidz, Gitschiner Straße 65

Sie sind verrückt, furchtlos und dreist. Niemand weiß wer sie sind, aber ihre Graffitis sind unverwechselbar: filigrane, arabesk wirkende Zeichen in den Farben Rot, Blau und Schwarz. Zwischen den Tags sind außerdem immer kleine Botschaften versteckt. Ihre Graffiti spannen sich an den höchsten Häusern und den unzugänglichsten Stellen über die Fassaden. Von ganz oben bis nach ganz unten. Dafür seilen sich die Berlin Kidz in spektakulären Aktionen von Hausdächern ab und filmen sich dabei. Tipp: Viele ihrer Videos könnt ihr auf You Tube sehen.

Berlin Kidz am Kotbusser Tor, Admiralstraße 1-2

Der Stil der Berlin Kidz ist von den Anfängen der US-amerikanischen Graffiti geprägt. Denn früher galt Graffiti-Sprühen auch als eine Art Extremsport, war politisch und rebellisch. Ohne viel Schnickschnack drum rum. Ihre Graffiti sind ein Kampf für Freiheit, gegen Gentrifizierung und Überwachung. Ihr Ziel? „Das System ficken“. So ist zumindest der Titel des Films, den Thomas von Wittich über die Berlin Kidz gedreht hat. Auch den könnt ihr in ganzer Länge auf You Tube ansehen. Hier gehts zum Video.

Weitere Graffiti der Berlin Kidz könnt ihr übrigens auch auf folgenden Murals sehen: BLU: tear down this wall; Os Gêmeos: Yellow Man; Roa: Nature Morte; Victor Ash: Astronaut/Cosmonaut


Axel Void: Man is a Wolf to Man

Mural von Axel Void: Man is a Wolf to Man
Axel Void: Man is a Wolf to Man (2016)

Zuerst sieht man nur die leuchtend weiße Schrift auf dem dunklen Untergrund. Doch beim zweiten Blick erkennt man Strukturen in der schwarzen Fläche. Beim dritten Blick wird dann die Struktur zu einem Menschen. Zu sehen sind jedoch nur sein Kopf, sein nach vorne gebeugter Oberkörper und seine rechte Hand, mit der er etwas hält. Darüber steht der lateinische Satz: „Homo Homini Lupus“, übersetzt „Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf“ aus der Komödie „Eseleien“ von dem römischen Dichter Titus Maccius Plautus. Der englische Philosoph Hobbes hat diesen Satz später in seinem philosophischen Werk „Leviathan“ verwendet. Damit beschrieb er das menschliche Streben nach Macht und der Satz wurde anschließend berühmt.

Adresse: Bergfried Straße 11


Jadore Tong: No Comment

Mural von Jadore Tong: NoComment
Jadore Tong: NoComment

Das Mural von Jadore Tong zeigt die drei (teils ehemaligen) Staatsoberhäupter Barack Obama, Angela Merkel und Wladimir Putin. Sie halten ihre Hände vor die Augen, die Ohren oder den Mund. Damit spielt der Künstler auf die bekannte buddhistische Lebensweisheit an: „Nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen.“

Adresse: Ritterstraße 12


Shepard Fairey: Make Art Not War

Mural von Shepard Fairey: Make Art Not War - Street Art Map Berlin
Shepard Fairey: Make Art Not War

Das Mural „Make Art Not War“ entstand 2014 im Rahmen des Projekts „One Wall“ von Urban Nation. Über dem Mural steht der Slogan „Make Art Not War“, was eine Anspielung auf „Make Love Not War“ ist. Letzterer Slogan stand in den 1960ern als Protest gegen den Kalten Krieg und den Vietnamkrieg. In der Mitte des Gemäldes ist zudem eine Rose. Der Stiel hat zuerst Rosendornen, doch weiter unten haben sich die Dornen zu Stacheln eines Stacheldrahtzaunes verwandelt. Um den Stiel schließt sich eine Handschelle mit der Aufschrift „Rise Above“. Links und rechts von der Handschelle steht „Eyes Open“ und „Mind Open“. Das Mural sendet damit eine Friedensbotschaft und fordert die Betrachter auf, offen, tolerant sowie respektvoll zu sein. Die in Handschellen gelegte Rose lässt sich als Symbol dafür deuten, dass es möglich ist, über gesellschaftliche Zwänge hinauszuwachsen.

Adresse: Mehringplatz 28


Don John: Hoodie

Mural von Don John: Hoodie
Don John: Hoodie

Im Rahmen des Projekts „One Wall“ von Urban Nation entstand 2014 an einer Hauswand am Mehringplatz ein Mural des dänischen Streetart-Künstlers Don John. Das Mural zeigt auf der rechten Seite einen Oberkörper in einem schwarzen Hoodie mit Kapuze, der die Hände in den Taschen vergräbt. Ein Kopf scheint jedoch nicht vorhanden zu sein. Aus der leeren Kapuze strömt ein Schwarm bunter Vögel. Sie fliegen über den Rest der Wand davon. Später warf jemand rote Farbbeutel auf die Vögel, so dass es aussieht, als wären sie angeschossen worden. Der ursprünglichen Version von Don John wohnte jedoch ein anderer, freundlicherer Charakter inne.

Adresse: Mehringplatz 12


Pichi Avo: Janus

Mural von Pichi Avo: Janus - Street Art Map Berlin
Pichi Avo: Janus

Auch dieses Mural von Pichi Avo ist während des zweiten Berlin Mural Festes im Jahr 2019 entstanden. Der französische Künstler ist bekannt für Urbanmythologie. In seinen Murals verbindet er nämlich Street Art und griechische und römische Mythologie miteinander. Dieses Mural in der Friedrichstraße stellt den römischen doppelgesichtigen Gott Janus dar, den Gott der Anfänge, Tore, Übergänge, Zeit sowie Dualität. Und was das Bild so besonders macht: Janus ist von oben bis unten mit Graffiti überlagert.

Adresse: Friedrichstraße 7


Mr. Aryz: Wrestlers

Mural von Mr. Aryz: Wrestlers
Mr. Aryz: Wrestlers

Der spanische Künstler Mr. Aryz ist bekannt für seine großformatigen Murals. Dieses Mural mit den kämpfenden Wrestlern malte er während des zweiten Berlin Mural Festes im Jahr 2019. Oft malt er dynamische Szenen in kräftigen Farben und lässt dabei die Pinselführung weitgehend sichtbar. Außerdem hat er die freien Flächen mit deutlich erkennbaren Pinselstrichen gefüllt. In seinem Gemälde stehen die kämpfenden Menschen stellvertretend für unsere Gesellschaft.

Adresse: Friedrichstraße 7


Jadore Tong: Peace Unity Love Wisdom

Neben dem Streetballplatz im Theodor-Wolff-Park spielt ein Elephant mit einem Ballon. Er wirkt dabei fast so, als wollte er mit den Kids zusammen Ball spielen. Der bunte Elephant bringt allerdings nicht nur Farbe an die graue Wand. Er bringt außerdem noch eine Botschaft mit: „Frieden – Einheit – Liebe – Weisheit“ steht am unteren Rand des Kunstwerks geschrieben. Das macht es gleich noch bedeutungsvoller. Schön, oder?

Mural von Jadore Tong: Peace Unity Love Wisdom
Jadore Tong: Peace Unity Love Wisdom

Das riesige Gemälde ist sicherlich eines der am meisten fotografierten Murals in Berlin. Es wurde 2016 von Jadore Tong alias S.Y.R.U.S. (Save Your Rich Intouchable Soul) als privat organisiertes Projekt realisiert. Ganze 4 Wochen hat es gedauert, bis das 750 Quadratmeter große Gemälde fertig war. Es bedeckt die gesamte Rückseite eines typischen Berliner Altbaus mit sechs Etagen. Zuerst wurden mit einer Malerrolle und Sprühdosen die Umrisse gemalt, die dann mit Wandfarbe gefüllt wurden. Am Ende wurden die Details schließlich mit Sprühdosen aufgebracht.

Adresse: Franz-Klühs-Straße / Eckhaus Wilhelmstraße 7


Jadore Tong: Mountain Ama Dablam

Mural von Jadore Tong: Mountain Ama Dablam
Jadore Tong: Mountain Ama Dablam

Bei dem Anblick bekommt man Fernweh. Insbesondere solange die Grenzen wegen der Corona Pandemie noch immer geschlossen sind. Das Mural zeigt den Berg Ama Dablam im Himalaya-Gebirge im Osten Nepals. Der Hauptgipfel ist 6.812 Meter hoch, der untere Westgipfel ist 6.170 Meter hoch. Ama Dablam bedeutet „Halskette der Mutter“.

Adresse: Franz-Klühs-Straße / Eckhaus Wilhelmstraße 7


verschiedene Künstler: Tommy-Weisbecker-Haus

verschiedene Künstler: Tommy-Weisbecker-Haus
verschiedene Künstler: Tommy-Weisbecker-Haus

Das Thommy Weisbecker Haus war im Jahr 1971 die erste erfolgreiche Hausbesetzung in West-Berlin. Anfang der 1980er-Jahre wurde es schließlich als Jugendwohngemeinschaft anerkannt. Heute bietet es rund 40 Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit für selbstbestimmtes Leben und Arbeiten. Mit seinen zahlreichen Projekten und Soliveranstaltungen ist es zudem ein wichtiger Treffpunkt der linken Jugendszene. Benannt ist es nach dem Anarchisten Tommy Weisbecker, der in den 70er Jahren von der Polizei erschossen wurde.

Federführend für die Umsetzung der Fassadenbilder war der Künstler und ehemalige Sozialarbeiter Andreas Dornbusch. Die 1989 fertiggestellten Gemälde sind durchweg politisch und erinnern zudem an linke Protestparolen und -symbole. Sie greifen die Themen Krieg, Atomkraft, Kapitalismus, Verdummung der Menschen durch die Massenmedien sowie die Befreiung durch die Rückkehr zur Natur auf. Die linke Seite des Hauses steht heute außerdem als Hall of Fame verschiedenen Graffitikünstlern zur Verfügung.

Adresse: Wilhelmstraße 9


James Bullough, Telmo Miel: unified

Mural von James Bullough, Telmo Miel: unified - Street Art Map Berlin
James Bullough, Telmo Miel: unified

Der Berliner Künstler James Bullough und das niederländische Künstlerduo TelmoMiel haben im Rahmen des Projektes „One Wall“ von Urban Nation im Mai 2018 ihr Mural „unified“ fertiggestellt. Es zeigt eine Person, die jedoch aus Körperteilen verschiedener Menschen unterschiedlicher Nationalität zusammengesetzt ist. James Bullough ist bekannt für großflächige Werke mit starken Kontrasten. In diesem Kunstwerk kombiniert er realistische Porträtmalerei und stilisierte Verzerrungen.

Adresse: Bernburger Str. 35


CBS Crew und Kripoe: Yellow Fists

CBS Crew und Kripoe: Yellow Fists
CBS Crew und Kripoe: Yellow Fists

Die CBS Crew (CBS steht für Cowboys) und der Künstler Kripoe haben zwischen 1995 und 2005 ihre Yellow Fists in Berlin verteilt. Und zwar an den unmöglichsten und unzugänglichsten Orten der Stadt. Ihre knallgelben Fäuste stehen als Symbol für Anarchie und Rebellion. Auch wenn die letzten von ihnen im Jahr 2005 entstanden sind, sind viele von ihnen noch immer gut erhalten.

Adresse: An der Hochbahn am Tempelhofer Ufer / Ecke Anhalter Steg


Interbrigadas e.V.: Aufstand der Farben

Interbrigadas e.V.: Aufstand der Farben
Interbrigadas e.V.: Aufstand der Farben

Jetzt seid ihr am letzten Mural meiner Street Art Map angekommen. Es entstand im Rahmen des Projekts „Aufstand der Farben“ des Interbrigadas e.V. im Sommer 2009 und ist eines der größten Murals in Berlin. Es misst 600 Quadratmeter und befindet sich an der Seite des Mercure Hotels in Berlin Mitte. Beteiligt waren insgesamt acht Künstler aus Südamerika und Berlin. Das Bild ist daher auch ein bunter Mix aus Motiven und verbindet die unterschiedlichen Kulturen. Zu sehen sind Figuren unterschiedlicher Herkunft, beispielsweise Karl Marx oder eine sexy Indianerin. Ihr Arm verwandelt sich in einen Ast, der eine Sprühdose in der Hand hält. Neben dem Urwald und exotischen Tieren wächst außerdem eine Stadt mit Hochhäusern. Auf der anderen Seite sind charmante Häuschen und eine Bodega zu sehen. Und der Berliner Fernsehturm darf natürlich auch nicht fehlen. Über allem schwebt schließlich ein rot-weiß gestreifter Zeppelin, der ein Banner mit der Aufschrift „Interbrigadas“ hinter sich her zieht.

Adresse: Luckenwalder Str. 11


Hier geht eure Street Art Tour in Berlin weiter:

So, hier am Gleisdreieck ist das letzte Mural in meiner Street Art Map für Berlin Friedrichshain-Kreuzberg. Ich hoffe euch hat die Tour gefallen. Wollt ihr noch mehr Berliner Street Art sehen? Dann geht es hier weiter zu den Graffiti Hochhäusern im Art Park Tegel und zu einem weiteren Street Art Spaziergang in der Bülowstraße.

Art Park Tegel - die Graffiti-Hochhäuser von Berlin
Art Park Tegel – die Graffiti-Hochhäuser von Berlin
Street Art Spaziergang Bülowstraße - Kunst für alle!
Street Art Spaziergang Bülowstraße – Kunst für alle!

Wollt ihr die Street Art Szene in Berlin gemeinsam mit Gleichgesinnten auf einer geführten Tour entdecken? Dann kann ich euch diese dreistündige Street Art Tour* oder die halbtägige Tour durch das Alternative Berlin* empfehlen. Beide Touren sind auf Englisch. Liebt ihr Lost Places genauso wie Street Art? Dann ist die Tour zur ehemaligen Abhörstation am Teufelsberg* (auf Deutsch) wie für euch gemacht.


Buchempfehlungen für Street Art Fans

Ihr stöbert gerne in Bildbänden nach neuen Murals oder Artists, die ihr noch nicht kennt? Ihr liebt es, die Street Art Szene anderer Städte zu entdecken? Dann kann ich euch diese Bücher empfehlen. Per Klick aufs Bild kommt ihr zu Amazon, wo ihr die Bücher bestellen könnt. Wenn ihr über einen dieser Affiliate-Links etwas kauft, dann bekomme ich dafür eine kleine Provision und ihr helft mir, Fernweh-Motive weiterhin mit interessanten Artikeln zu füllen. Das Produkt wird für euch dadurch nicht teurer.


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