Tschiatura – Legendäre Seilbahnen, Lost Places, Sowjetarchitektur und mehr

Tschiatura Seilbahnen
Tschiatura – Legendäre Seilbahnen, Lost Places, Sowjetarchitektur und mehr

Georgien. Die „hängenden Särge“ haben mehr als 60 Jahre lang die Einwohner der Industriestadt Tschiatura (Chiatura) in windige Höhen transportiert. Doch seit Sommer 2019 stehen die legendären Seilbahnen von Tschiatura still. Am Ende waren die Gondeln doch etwas zu verrostet und die Technik zu veraltet. Doch die Seilbahn Stationen aus den 1950er und 60er Jahren sind noch immer da und sind Zeugen der Geschichte und dem einstigen Glanz der Stadt. Und meist hängt auch ganz in der Nähe der Stationen noch die eine oder andere Gondel in der Luft.

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Als wir im Juli 2021 Tschiatura besuchten, waren wir überwältigt von den Eindrücken. Allerdings waren wir auch etwas orientierungslos. Es gibt zwar im Internet zahlreiche Blogartikel mit tollen Fotos, als die Seilbahnen von Tschiatura noch in Betrieb waren. Aber wo die Fotos entstanden sind, blieb unklar. Um euch die Suche nach Tschiaturas Schätzen etwas zu erleichtern, habe ich daher meine liebsten Fotomotive in einer Karte zusammengestellt. So könnt ihr die Stadt super auf eigene Faust erkunden und wisst gleich, was euch wo erwartet.

Aber zunächst geht’s nochmal zurück in eine Zeit, wo Tschiatura noch in eine rosige Zukunft blickte.


In diesem Artikel findet ihr

Kurze Geschichte von Tschiatura und den Seilbahnen
Seilbahnen, Bauwerke, Pioneer Palace und mehr
Wie geht’s weiter mit Tschiatura?
Anfahrt nach Tschiatura
Wie bewegt man sich am besten in der Stadt?
Was gibt es sonst noch in der Gegend?
Büchertipps für Georgien



Kurze Geschichte von Tschiatura und den Seilbahnen

Tschiatura wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und besaß vor dem ersten Weltkrieg das größte Manganerzvorkommen der Welt. Der Manganabbau belief sich damals auf 60% der weltweiten Produktion. Auch zur Sowjetzeit blieb die Stadt bedeutendes Zentrum des Manganabbaus. Es wurde investiert, unter anderem in den Ausbau der Seilbahnen.

Tschiatura liegt in einem tief eingeschnittenen, lang gezogenen Tal des Flusses Kvirila. Das wichtigste Transportmittel waren Seilbahnen mit einer Gesamtlänge von mehr als 6.000 Metern. Die erste Seilbahn wurde in Tschiatura im Jahr 1953 gebaut. In den 1950er und 1960er Jahren folgten weitere Linien. Insgesamt gab es 70 Seilbahnen für den Transport von Personen, Material und Manganerz. Damit war Tschiatura die Stadt mit den meisten Seilbahnen der Welt. Lange Zeit waren die handbetriebenen Gondeln die einzigen öffentlichen Transportmittel in der Stadt.

Die Bahnen wurden fast ohne Unterbrechung bis zum Sommer 2019 betrieben. Doch schließlich stellten dann auch die beiden letzten verbleibenden Personen-Seilbahnen den Betrieb aufgrund behördliche Anordnung ein. Während unseres Aufenthaltes konnten wir nur eine Frachtlinie für den Transport von Erz in Betrieb sehen.


Seilbahnen, Bauwerke, Pioneer Palace und mehr

Karte mit Fotomotiven

In der folgenden Karte habe ich die meisten Motive, die ich in diesem Kapitel beschreibe, mit einem Kamera-Pin markiert. Zu jedem Pin gibt es außerdem ein kleines Foto. So könnt ihr euch leichter orientieren. Die Karte soll euch eine kleine Starthilfe für eigene Erkundungen sein. Es gibt jedoch noch so viel mehr in Tschiatura zu entdecken und ich hätte hier gut und gerne zwei bis drei Tage verbringen können.

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Tipp: In der kostenfreien App Maps.me könnt ihr euch eine offline Karte von Georgien herunterladen. In der Karte sind die Seilbahnstationen und Linien eingezeichnet. So könnt ihr noch mehr Stationen erkunden.

Monumentale Begrüßung

Wir sind auf der Hauptstraße von Westen kommend in die Stadt hineingefahren. Schon kurz nach dem Ortseingangsschild begrüßt uns Tschiatura mit einem überwältigenden Monument zum Gedenken an den Zweiten Weltkrieg. Daneben sorgen mehrere Plattenbauten für einen tollen Hintergrund.

Im Stadtzentrum

Wir schlängeln uns die Straße hinunter ins Kvirila-Tal. Schon bald erreichen wir das Zentrum der Stadt mit einem kleinen Markt, zahlreichen Geschäften und dem typischen chaotischen Stadtverkehr. Nachdem wir unseren Lada geparkt haben, geht’s los. Wir wissen nicht genau, wohin und schlendern erstmal durch die Stadt. Alle paar Meter entdecken wir etwas neues, was uns fasziniert. Schon bald kommen wir zur ersten Seilbahn Station. Kurz vor der Station hängt sogar noch eine rot-gelbe Gondel. Es sind noch immer Reste der Werbeaufschrift zu erkennen.

Von der Unterführung unter den Bahngleisen kommen wir zur Brücke über die Kvirila. Rechts und links befinden sich architektonische Schmuckstücke wie die City Hall und das Standesamt sowie skurrile Bauwerke am Ufer, in denen Geschäfte untergebracht sind.

Im Zentrum der Stadt ist die langgestreckte Geschäftszeile an der Hauptstraße ein echter Hingucker. Wir folgen der Hauptstraße bis zum Kreisverkehr an der Ninoshvili Straße. Hier finden wir an der Fassade der Schule ein großes Mosaik.

Zurück auf der Hauptstraße gehen wir ein Stück weiter bergauf und kommen zu einem Markt. Hier befindet sich ebenfalls eine alte Seilbahn Station.

Highlight von Tschiatura: die Stalinbahn und Friedensbahn

Von hier gehen wir am Ufer der Kvirila wieder zurück in Richtung Auto. Ganz in der Nähe unseres Parkplatzes wartet noch eines der Highlights von Tschiatura: die Station der Friedensbahn und der Stalinbahn. Die Station selbst ist zwar inzwischen fest verschlossen, aber auch von außen ist sie ein tolles Motiv und man kann an mehreren Stellen hineinspähen. Schnell habe ich das schwarzweiße Graffiti an der Wand ausgemacht. Es ist leider nur ein Teil zu sehen, aber ich erkenne es von Fotos aus dem Internet: es zeigt einen knienden Mienenarbeiter mit Schaufel. Auf beiden Linien hängen noch jeweils zwei Gondeln in der Luft.

Von der Station fuhren die gelben Gondeln der Stalinbahn über den Fluss auf den gegenüber liegenden Berg. Diese Linie war 1953 die erste Seilbahn der Sowjetunion. Entsprechend rostig sind die Gondeln nun auch und die Fenster sind trüb vom Schmutz und von Kratzern. Sechs Passagiere konnte eine Gondel befördern. Zusätzlich fuhr in jeder Gondel noch eine Gondeldame mit. Ihre Aufgabe war es, für den sicheren Betrieb zu sorgen und Auffälligkeiten an der Gondel an den Mechaniker zu melden.

Die Friedensbahn geht von der Station in Richtung Norden. Sie ist die Linie mit den blauen Gondeln und stammt aus dem Jahr 1964. Diese Linie ist mit 48 Grad Neigung auch die steilste Seilbahn in Tschiatura und gehört sogar zu den steilsten der Welt. In die kleinen Gondeln passen grade einmal 4 Personen. Es gibt auch keine Fenster mehr, wie bei der Stalinbahn, sondern nur noch kleine vergitterten Bullaugen.

Abstecher zum Pioneer Palace

Südlich von dem Fluss Kvirila, weit oben am Hang, befindet sich der frühere Pioneer Palast. Ihr könnt ihn entweder mit der Seilbahn oder mit dem eigenen Auto erreichen. Dem Palast ist sein früherer Glanz noch immer anzusehen. Die breite Eingangstreppe ist von einem großen Halbkreis mit Säulen gesäumt. Einige davon sind bereits eingestürzt. Das gesamte Gebäude ist stark baufällig und es hat den Anschein, dass es bei der nächsten leichten Briese wie ein Kartenhaus zusammenstürzen wird. Ich selbst habe mich nicht hinein begeben. Kühe sind da weniger furchtsam und nutzen das leerstehenden Gebäude als Unterstand.

Frachtseilbahn in Aktion

Wir verlassen die Stadt entlang des Flusses in Richtung Tiflis. Nach einer kurzen Fahrt sehen wir auch endlich eine von Tschiaturas Seilbahnen in Aktion. Es ist eine Frachtlinie zum Transport des abgebauten Erzes. Mehrere Gondeln überqueren die Fahrbahn, die stellenweise mit Netzen überspannt ist. Die Netze sind eine verdammt gute Idee, denn es liegen tatsächlich mehrere Steinbrocken drin, die aus den Erzgondeln herausgefallen sind.

Nicht weit hinter den Materialgondeln ist eine weitere stillgelegt Personenseilbahn. Auch hier hängt eine Gondel kurz vor der Station in der Luft. Außerdem findet ihr hier eine abenteuerliche schmale Fußgängerbrücke, die zu einem Industriegebäude führt.

Fotomotive am Ortsausgang von Tschiatura

Am Ortsausgang verabschiedet uns ein großes Tschiatura Schild sowie eine grüne Stehle mit einem Kranz. Rechts von der Straße befinden sich Gleise und hinter einem Zaun steht ein Bahnwaggon. Alle vier geben jedes für sich nochmal tolle Fotomotive zum Abschied.


Wie geht’s weiter mit Tschiatura?

Die legendären „hängenden Särge“ von Tschiatura hängen nun in der Luft. Ebenso wie der Antrag der Stadt zur Aufnahme in die UNESCO Welterbeliste. Die rostigen Gondeln und die Seilbahn Stationen im Sowjetstyle haben lange Zeit den Herzschlag der Stadt ausgemacht. So viel Stadtgeschichte und individuelle Geschichten sind mit den Bahnen verknüpft, dass es aus meiner Sicht undenkbar wäre, die Gondeln und Stationen aufzugeben oder gar abzureißen. Ich wünsche der Stadt die Aufnahme in die Industriekulturliste so sehr und würde mich freuen, wenn die verschlossenen Standorte bewahrt und für touristische Besichtigungen aufbereitet würden. Ob das gelingt ist jedoch unklar. Denn die neuen Seilbahnen von Tschiatura stellen möglicherweise ein Hindernis für die Aufnahme in die UNESCO Liste dar.

Ein bisschen Tourismus würde der Stadt sicher gut tun. Denn die Mangan Vorräte werden nicht ewig reichen. In etwa 15 Jahren sollen die Vorkommen in der Gegend erschöpft sein. Was passiert dann mit den Arbeitsplätzen und den Einwohnern der Bergbaustadt? Die Einwohnerzahl ist seit Anfang der 90er Jahre bereits fast auf die Hälfte geschrumpft. Grund dafür waren damals Probleme bei der Strom-, Wasser- und Gasversorgung sowie rückläufiger Manganabbau. Heute leben in der Stadt rund 13.000 Menschen. Wieviel von ihnen sehen ihre Zukunft dann noch in einer Bergbaustadt ohne Bergbau?


Anfahrt nach Tschiatura

Tschiatura liegt etwa 60 Kilometer von Kutaissi entfernt. In rund 1,5 Stunden erreicht ihr die Stadt mit dem Mietwagen oder einem Marschrutka. Von Tiflis aus fahrt ihr etwa 2-3 Stunden.

Die Stadt ist außerdem mit der Bahn zu erreichen. Daneben gibt es auch geführte Touren ab Tiflis bei GetYourGuide.


Wie bewegt man sich am besten in der Stadt?

Das Zentrum und einige der Seilbahn Stationen im Tal könnt ihr sehr gut zu Fuß erkunden. Da die alten Seilbahnen von Tschiatura nicht mehr fahren, ist es nicht ganz so einfach, die oberen Stationen zu erreichen.

Eine neue, moderne Seilbahn mit vier Stationen befindet sich derzeit im Bau. Alles sah im Juli 2021 bereits fertig aus. In Betrieb war jedoch noch keine. Womöglich hat sich die Inbetriebnahme, wie auch vieles andere auch, durch Covid-19 verzögert. Die Hauptstation der neuen Seilbahn befindet sich im Zentrum neben dem Fluss und nahe der Geschäfte.

Wie transportiert ihr eure Kameraausrüstung auf Reisen?

Ich hab lange nach einem Rucksack gesucht, der praktisch und geräumig ist und auch als Handgepäck mitgeführt werden kann. Fündig wurde ich mit dem Lowepro Flipside 400 AW. Seit zwei Jahren begleitet mich der Kamerarucksack fast überall hin.

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Was gibt es sonst noch in der Gegend?

Nur etwa 10 Kilometer westlich von Tschiatura befindet sich die Kazchi Säule. Dies ist ein etwa 40 Meter hoher freistehender Felsen, auf dem sich ein winziges Kloster befindet.

In Richtung Tiflis befindet sich auf etwa halber Strecke die Stadt Gori, wo Stalin geboren wurde. Ihm zu Ehren wurde hier im Jahre 1957 das Stalin Museum eröffnet. Erwartet hier keine detaillierte Aufarbeitung der Gräueltaten, die der Diktator während seiner Herrschaft ausgeübt hat. Es ist eher ein großer Kultpalast, selbst Souvenirs wie Kaffeetassen, Kühlschrankmagnete, Basecaps oder Backgammonspiele mit Stalinporträt sind hier zu haben.


Büchertipps für Georgien

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Wart ihr selber schon mal in Tschiatura und seid vielleicht sogar mit einer der Seilbahnen gefahren? Wie hat es euch gefallen? Habt ihr noch Fragen zu meinem Artikel? Wenn ja, dann schreibt mir doch einen Kommentar!

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