Schönower Heide – Wildwanderweg über ehemaligen Truppenübungsplatz

Schönower Heide - Wildtierbeweidung auf altem Truppenübungsplatz

Berlin. Kurz von der Stadtgrenze von Berlin liegt der ehemalige Truppenübungsplatz „Schönower Heide“. Die unter Naturschutz gestellte Heidelandschaft bietet heute vielen geschützten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Durch eine ganzjährige Beweidung durch Dam-, Muffel- und Rotwild wird dafür gesorgt, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Die tierischen Landschaftsgärtner sind neben der im Spätsommer lila blühenden Heide die Hauptattraktion der Schönower Heide. Im folgenden Artikel erfahrt ihr alles, was ihr für euren Besuch wissen müsst und was ihr rechts und links vom Wildwanderweg entdecken könnt.

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Schönower Heide Rotwild
Mit etwas Glück, könnt ihr die Wildtiere aus der Nähe beobachten.
Der Wildwanderweg führt euch auf 5 km rund um das eingezäunte Gebiet, wo Dam-, Muffel- und Rotwild weiden.

Wandern in der Schönower Heide

Ihr könnt die Schönower Heide auf zwei verschiedenen Rundwegen entdecken: auf dem 1,6 Kilometer langen Heidepfad oder auf dem längeren 5 Kilometer langen Wildwanderweg. Letzterer führt einmal um das eingezäunte Beweidungsareal herum. An beiden Wegen sind zahlreiche Informationstafeln aufgestellt, die über die historische Entwicklung des Gebietes, die Landschaftsform sowie über typische Pflanzen und Tiere der Schönower Heide informieren. An manchen Stellen sind sogar noch Zeugnisse der früheren militärischen Nutzung zu entdecken, wie Reste von Bunkern, alte Reifen, Metallrohre oder ein rostiges Verkehrszeichen.

Schönower Heide Militär Relikte
Nicht weit vom Parkplatz entfernt steht dieses alte Verkehrsschild.
Schönower Heide Militär Relikte Bunker
Relikte der früheren militärischen Nutzung.

Da es sich um einen früheren Truppenübungsplatz handelt, können abseits der Wege noch gefährliche Kampfmittel liegen. Daher ist das Verlassen der Wege untersagt. Es gibt allerdings mehrere Trampelpfade, die über die Heidelandschaft führen, die von dem Heidepfad umgeben wird. Hier sieht man die Sanddünenlandschaft besonders gut.

Abseits der Wege können noch immer Kampfmittel liegen.

Auf einen Blick

Strecke: Wildwanderweg 5,0 km; Heidepfad 1,6 km
Kombinierbar mit: Hobrechtsfelder Rieselfelder
Größe des Naturschutzgebietes: etwa 533 ha
Highlights: Wildtierbeobachtung, Heideblüte, Binnendünen
Einrichtungen: zwei barrierefreie Aussichtspunkte, zwei Picknickplätze, mehrere Holzbänke, Infotafeln und Heidequiz
Beste Zeit: ganzjährig lohnenswert; am besten zur Heideblüte (Mitte August bis Mitte September)

TIPP: Ihr wollt nicht alles laufen? Dann könnt ihr auf den angelegten Kieswegen auch super mit dem Fahrrad fahren.

Schönower Heide
Der Wildwanderweg führt euch einmal am Zaun entlang.

Aussichtspunkte

Von zwei kleinen, angeschütteten Bergen öffnet sich der Blick über die Trockenrasen- und Besenheideflächen des eingezäunten Naturschutzgebietes. Die Ausgucke sind beide barrierefrei und bieten zudem einen Unterstand mit Sitzgelegenheiten. Den ersten Aussichtspunkt erreicht ihr schon nach wenigen Minuten Fußweg auf dem Heidepfad. Nicht weit von diesem ist eine Wasserstelle angelegt und es sind auch Futterraufen und Salzlecksteine für die Tiere aufgestellt. Die Chancen auf Wildtier-Sichtungen sind hier daher besonders gut. Wenn ihr den Wildwanderweg geht, dann solltet ihr euch diesen Aussichtsberg auf keinen Fall nicht entgehen lassen und den Bogen mit wandern. Der zweite Aussichtsberg liegt am Wildwanderweg.

Schönower Heide Aussichtspunkt
Unterstand auf dem Beobachtungsberg am Heidepfad.

TIPP: Wenn von Mitte August bis Mitte September das blühende Heidekraut zu einem dichten lila Teppich wird, ist ein Besuch besonders lohnenswert.


Entstehung eines besonderen Lebensraumes

Ursprünglich war die Landschaft der Schönower Heide von Laubmischwäldern geprägt. Die Wälder wurden damals zur Holzgewinnung und als Waldweide genutzt. Als Folge der Nutzung bildete sich im Laufe der Zeit eine moos- und flechtenreiche Vegetation heraus. Spätere Aufforstungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert ließen rund um Schönow schließlich ein ausgedehntes Kiefernwaldgebiet entstehen.

Auch wenn die Heide nicht blüht ist die Landschaft wunderschön.

Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts kaufte Berlin Ländereien zur Errichtung eines Stadtgutes und zur Anlage von Rieselfeldern. Zu den gekauften Flächen gehörten auch Teile der Schönower Heide, von der schon bald Flächen als Truppenübungsplatz genutzt wurden. Zuerst waren es die Truppen der kaiserlichen Armee, dann die Reichswehr und zu DDR-Zeiten schließlich die sowjetischen Streitkräfte. Zu dieser Zeit wurden weitere rund 125 ha Waldfläche gerodet und Gebäude, Unterstände und Wege angelegt. Der Einsatz von schweren Kampffahrzeugen sowie häufige Brände hielten das Gelände von Bewuchs frei und förderten die Entstehung der heutigen Heidelandschaft.

Schönower Heide Damwild
Das Damwild erkennt ihr im Sommer ganz leicht an den weißen Flecken auf dem rötlichen Fell.

Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde die Nutzung als Truppenübungsplatz eingestellt. Eine Entwicklung des Gebietes ist aufgrund der auch heute noch bestehenden Kampfmittelbelastung problematisch. Zudem handelt es sich um ein schützenswertes, wenn auch menschengemachtes Biotop. Im Jahr 2000 wurde die Schönower Heide als Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet ausgewiesen. Die Gebäude wurden zurück gebaut und Wege für Besucher angelegt. Durch verschiedene Maßnahmen soll der Erhalt der Heideflächen und diesem ganz besonderen Lebensraum sichergestellt werden. Die wichtigste Maßnahme ist die Beweidung durch Wildtiere. Dafür wurde im Jahr 2009 in einem  ca. 140 ha großen, eingezäunten Areal Dam-, Muffel- und Rotwild ausgesetzt.

Schönower Heide Konik
Am Rande der Schönower Heide, an der Grenze zu den Hobrechtsfelder Rieselfeldern, werden auch Koniks zur Beweidung eingesetzt.

Wildtierbeweidung in der Schönower Heide

Die offene und trockene Landschaft der Schönower Heide ist Heimat zahlreicher seltener Arten. Doch würde man die Natur sich selbst überlassen, dann würde die Heidelandschaft schnell zuwachsen und sich wieder ein Wald entwickeln. Viele auf die Trockenheit spezialisierten Tiere und Pflanzen würden somit ihren Lebensraum verlieren.

Schönower Heide Rothirsch
Juckt es an der Nase?
Schönower Heide Rothirsch
Junger Rothirsch

Durch die Beweidung mit Wildtieren soll die Heidelandschaft erhalten werden. Durch Fraß, Tritt und Fegen mit dem Geweih halten Dam-, Muffel- und Rotwild die Landschaft offen. Die Tiere wurden im Sommer 2009 hier angesiedelt und leben ganzjährig in einem eingezäunten, etwa 140 Hektar großen Areal. Dies ist eine sehr naturnahe und zudem günstige Form der Bewirtschaftung. Auf mechanische Methoden, wie Mahd, Entbuschung oder auch das Abbrennen von Vegetation, kann daher weitgehend verzichtet werden. 

Die „Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde“ und das „Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin“ begleiten das Beweidungsprojekt wissenschaftlich.

TIPP: Besonders schön ist ein Ausflug zur Schönower Heide natürlich, wenn man auch Tiere sieht. Nehmt am besten ein Fernglas mit, wie beispielsweise das handliche und sogar wasserdichte Zeiss Terra ED 8×42*.

Schönower Heide Rothirsch
Rothirsche besitzen ein stark verzweigtes Gabelgeweih mit vielen Enden.

Flora und Fauna

Auf dem Gebiet der Schönower Heide wachsen Besenheide, Sandmagerrasen sowie Pioniergehölze wie Birke, Kiefer, Wacholder und Zitterpappel. Neben Sandflächen mit Silbergras und Rentierflechte findet man offene Binnendünen sowie im Nordosten eine mit Hochstauden und Gras bewachsene Senke. Zu typischen Arten zählen auch der Scharfe Mauerpfeffer sowie die Sandstrohblume.

Schönower Heide Sand
Der Heidepfad führt euch durch die offene Landschaft der Schönower Heide.

In dem Trockenstandort Schönower Heide leben viele wärmeliebende Tierarten, wie die Zauneidechse, Schmetterlinge, Sandlaufkäfer, Wildbienen oder Heuschrecken. Bisher konnten 61 Vogelarten hier nachgewiesen werden. Besonders hervorzuheben sind hier Arten wie der Ziegenmelker, die Waldschnepfe, der Raubwürger oder der Wiedehopf. Im Frühling und Sommer ist der Gesang der Feldlerche fast überall in dem Gebiet zu hören. Und mit etwas Glück könnt ihr vielleicht auch das markante „whup-whup“ des Wiedehopfes ausmachen.

TIPP: Der Wiedehopf fliegt am häufigsten in den Abendstunden. Dann habt ihr gute Chnacen einen auf der Schönower Heide zu sehen.

Schönower Heide Wiedehopf Brutkasten
Ein Nistkasten für den Wiedehopf. Leider war er noch nicht angenommen, aber vielleicht zieht ja zur nächsten Brutsaison ein Paar ein.

TIPP: Habt ihr schon mal einen Ziegenmelker gesehen? Hier, im Naturschutzgebiet Schönower Heide, leben welche. Da sie allerdings perfekt getarnt sind, sind sie schwer zu entdecken. Doch vielleicht könnt ihr sie im Frühling in den Abendstunden hören. Ich war schon zweimal im Dunkeln auf dem Aussichtspunkt und konnte ihren schnarrenden Gesang beide Male deutlich hören.


Lage und Anfahrt

Das Naturschutzgebiet Schönower Heide liegt nördlich von Berlin, kurz hinter der Stadtgrenze. Wenn ihr mit dem Auto anreist, dann könnt ihr auf einem großen Parkplatz links und rechts der Schönwalder Chaussee (L30) zwischen Schönow und Schönwalde parken. Hier befindet sich auch das große Eingangsportal mit Wanderkarte und Lageplan.

Schönower Heide
Das Eingangsportal zur Schönower Heide.

Die Anreise mit den Öffentlichen klappt am besten per S-Bahn bis nach Zepernick. Von hier könnt ihr den Bus Linie 900 Richtung Bernau bis zur Station Zepernicker Straße nehmen. Von dort sind es dann noch etwa 700 Meter bis zum Eingang der Schönower Heide. Der Bus 900 fährt am Wochenende immer zur vollen Stunde. Solltet ihr den Bus verpasst haben, dann wären es zu Fuß etwa 2,6 Kilometer bis zum Eingang.

Schönower Heide
Gleich neben dem Parkplatz könnt ihr euch erstmal einen Überblick über das Gebiet verschaffen.

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