Döberitzer Heide – Ausflug zum alten Truppenübungsplatz bei Berlin

Döberitzer Heide – Ausflug zum alten Truppenübungsplatz bei Berlin
Döberitzer Heide – Ausflug zum alten Truppenübungsplatz bei Berlin

Direkt vor den Toren Berlins leben Wisente, Przewalski-Pferde, Rothirsche und sogar Seeadler. Ein ausgedehntes Netz aus Wanderwegen führt durch eine faszinierende Landschaft aus Heideflächen, Sanddünen, Grünland und Wäldern mit alten Eichenbeständen. Hört sich gut an, oder? Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz „Döberitz“ hat sich ein einzigartiges Naturparadies entwickelt. Die „Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide“ lädt hier zu einem vielfältigen Naturerlebnis ein. Lest hier meine Tipps fürs Wandern auf der Döberitzer Heide und erfahrt, was ihr bei eurem Ausflug auf den ehemaligen Truppenübungsplatz bei Berlin alles sehen könnt.


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Zum Anfang eine kleine Anekdote
Vom Truppenübungsplatz „Döberitz“ zum Ausflugsziel bei Berlin
Wandern auf der Döberitzer Heide bei Berlin
Wann ist die beste Jahreszeit für einen Ausflug zur Döberitzer Heide?
Mit Bus und Bahn zum Wandern in die Döberitzer Heide

Fazit über meinen Ausflug zur Döberitzer Heide


Der Landschaftsgärtner passt auf, dass die Heidelandschaft nicht zuwächst.

Zum Anfang eine kleine Anekdote

Ich erinnere mich noch an meinen ersten Ausflug auf die Döberitzer Heide. Das war im Sommer 2008. Also bevor jedes Handy GPS und Google-Maps hatte. Es dauerte nicht lange und wir hatten uns hoffnungslos verirrt. Zum Glück waren wir mit dem Fahrrad unterwegs, so waren wir mobiler. Zumindest solange, bis die Wege so sandig wurden, dass wir schieben mussten. Wir versuchten immer geradeaus in Richtung Krampnitz zu gehen. Anhand der Sonne konnten wir uns ganz gut orientieren. Irgendwann erreichten wir dann wieder Wege, auf denen wir fahren konnten. Oder eher – hätten fahren können. Denn plötzlich hatte mein Fahrrad einen Platten. Flickzeug? Das war zu Hause. Also weiter schieben… Irgendwann kamen wir dann zur Straße. Genauer gesagt: zu einer schier endlos langen Straße bis zur BVG-Fähre in Kladow. Wir hatten Glück. Es war die letzte, die diesen Abend fuhr.

Aber heute ist natürlich alles anders… das Wegenetz der Döberitzer Heide ist super ausgeschildert und es gibt Übersichtstafeln entlang der Strecke. Und über das GPS im Smartphone weiß man eh immer, wo man grade ist.

Ausflug Döberitzer Heide - Informationstafel mit Wanderwegen auf der Döberitzer Heide
Eine der vielen Informationstafel mit Wanderwegen auf der Döberitzer Heide steht direkt am Parkplatz am Eingang Elstal.

Vom Truppenübungsplatz „Döberitz“ zum Ausflugsziel bei Berlin

Die Nutzung als Truppenübungsplatz ließ besondere Biotope entstehen

Die Döberitzer Heide wurde 1895 von Kaiser Wilhelm II. als Truppenübungsplatz offiziell eingeweiht. Doch auch zuvor fanden bereits militärische Übungen auf dem Gelände statt. Um die Jahrhundertwende wurden schließlich große Flächen gerodet. Es entstanden wüstenähnliche Flächen. Zum Abtransport des Holzes wurde sogar eine eigene Schmalspurbahn angelegt. Stellenweise sind sogar noch Reste vom Bahndamm zu erkennen. Während der Hitler-Zeit wurden auf dem Gelände Bunker und weitere Schießstände errichtet. Außerdem entstanden große Kasernen in der Nachbarschaft: die Adler-Löwenkaserne in Elstal und die Krampnitz-Kaserne bei Potsdam. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten dann die sowjetischen Besatzungstruppen das Gelände als Übungsplatz.

Noch immer kann man Relikte der früheren Nutzung finden.

Noch so ein Artefakt am Wegesrand.

Während der Nutzung als Truppenübungsplatz entwickelten sich besondere Biotope. Denn Kettenfahrzeuge, Brände und Explosionen begrenzten den Pflanzenbewuchs. Es entstanden offene und halboffene nährstoffarme Bereiche. Das Gelände wurde zu einem einmaligen, wildnisähnlichen Rückzugsgebiet für Pflanzen und Tiere. Viele von ihnen sind auf der Roten Liste erfasst.

Auch Zauneidechsen haben Gefallen an dem ehemaligen Truppenübungsplatz gefunden. Hier sonnt sich ein Weibchen auf einem der Radwege. Die Männchen sind während der Paarungszeit am Kopf und Rumpf grün gefärbt.

Tipp: Rings um Berlin gibt es übrigens noch weitere ehemalige Truppenübungsplätze, die interessante Ausflugsziele sind. Beispielsweise Forst-Zinna bei Jüterborg oder die Schönower Heide im Norden von Berlin. Interessiert ihr euch für Lost Places? Dann schaut euch mal meinen Artikel über die Lost Places in Berlin und Brandenburg an.

Naturerlebnisraum mit besonderen Landschaftsgärtnern und Militärrelikten

Nach Abzug der sowjetischen Truppen 1992 kümmerte sich dann der Naturschutz Förderverein Döberitzer Heide e.V. um den Erhalt und die Entwicklung der Flächen. Dabei gab es viel zu tun. Denn nach Ende der militärischen Nutzung drohte den wertvollen Offenlandschaften die Verbuschung. Die Vielfalt der Biotope und der Arten war durch die natürliche Sukzession gefährdet. Dazu kam, dass das ganze Gelände mit Kampfmitteln belastet war und die Besatzungstruppen Berge von Müll und Schrott hinterließen. Erst 1999 wurde schließlich mit der Kampfmittelräumung und Beseitigung der Altlasten begonnen.

Ausflug Döberitzer Heide - Warnschild auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz
Schilder warnen vor dem Verlassen der Wege.

Der ehemalige Truppenübungsplatz wurde zu einem beispielhaften Naturerlebnisraum. Mit ein paar ganz besonderen Landschaftsgärtnern: Wisente, Przewalski-Pferde, Rotwild, Schafe und Ziegen halten die Vegetation kurz und helfen damit, die wertvollen Halboffen- und Offenlandschaften zu erhalten. Leider haben wir während unserer Wanderung keine der großen Tiere sehen können. Die waren tief in der Wildniszone verborgen. Dafür konnten wir umso mehr Schafe und Ziegen beobachten.

Zickenkrieg!
Bei den Schafen geht es friedlicher zu.

Noch immer sind von der früheren militärischen Nutzung Spuren zu sehen. Beispielsweise die Bunkerruine an der „Großen Wüste“ oder der besser erhaltene Bunker westlich vom Obelisken. Auch kleinere Relikte findet man immer wieder am Wegesrand. Das macht eine Wanderung auf der Döberitzer Heide gleich noch ein bisschen spannender.

Ausflug Döberitzer Heide - Bunker auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz
Der Bunker ist verschlossen, denn er ist ein bedeutendes Fledermausquartier.

Wandern auf der Döberitzer Heide bei Berlin

Die Döberitzer Heide ist in zwei Bereiche unterteilt:

  • Seit 2010 gibt es eine 1.860 Hektar große „Wildniszone“ in der Mitte. Hier leben unter anderem Wisente, Przewalski-Pferde und Rothirsche. Diese Zone ist jedoch durch einen dreifachen (!) Zaun eingefasst und der Natur vorbehalten.
  • Die ca. 1.800 Hektar große Naturerlebnis-Ringzone mit 55 km angelegten Wanderwegen, mehreren Picknickplätzen sowie einem Aussichtsturm (85 Meter ü.NN). Hier sind Schafe und Ziegen die Landschaftsgärtner.
Ausflug Döberitzer Heide - Zaunanlagen um die Wildniszone auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz
Ausflug Döberitzer Heide – Die Zaunanlagen um die Wildniszone erinnern ein bisschen an einen Hochsicherheitstrakt.

Unten auf der Karte seht ihr meine Wanderroute durch die Naturerlebnis-Ringzone. Es ging los am Eingang Elstal. Zunächst folgte ich dem Rundwanderweg um die Wildniszone. Der ist ganz einfach zu finden. Denn er verläuft die meiste Zeit direkt neben dem Zaun der Kernzone. Über 22 Kilometer führt er durch verschiedenste Landschaften und man sieht alles, was die Döberitzer Heide zu bieten hat. Nur für den Obelisken und den Bunker habe ich einen kleinen Abstecher gemacht.

Für die Orientierung kann ich euch auch die Open Street Map Karten empfehlen. Da sind viele Details, Landschaftsformen und Wege eingezeichnet. Weitere schöne Wanderrouten in der Döberitzer Heide findet ihr übrigens bei Komoot. Praktisch: dort könnt ihr euch auch gleich gpx-Dateien für euer GPS downloaden.

Ausflug Döberitzer Heide - Aussichtsturm auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz
Ganz schön hoch!
Auf der Döberitzer Heide findet ihr ein engmaschiges Mosaik unterschiedlichster Lebensräume.

Ausflug Döberitzer Heide - Aussichtsturm auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz
Bei Wind wird es wacklig da oben.
Der Rundweg führt immer am Zaun der Wildniszone entlang.

Wann ist die beste Jahreszeit für einen Ausflug zur Döberitzer Heide?

Wandern auf der Döberitzer Heide ist immer ein lohnenswerter Ausflug. Zu jeder Jahreseit. Dabei zeigt sich die Landschaft immer wieder mit einem neuen Gesicht:

  • Frühling: Im Mai blüht der Besen-Ginster gelb und das Silbergras verleiht den offenen Flächen im Juni einen rötlichen Glanz.
  • Sommer: Der blühende Sand-Thymian und die blühende Heide färben die Landschaft lila. Wann die Heide blüht? Als Faustregel lässt sich gut merken: 8.8. bis 9.9..
  • Herbst: Jetzt ist es in den Waldgebieten am schönsten, sobald sich das Laub der Bäume herbstlich verfärbt hat.
  • Winter: Wenn Schnee liegt, dann ist die weite, offene Fläche im Norden der Döberitzer Heide eine tolle Winterlandschaft. Außerdem eignet sich das Gelände prima zum Ski-Langlauf.
Am Rastplatz „Große Wüste“ habt ihr eine tolle Aussicht über die offenen und halboffenen Weidelandschaften.
Der Obelisk der Döberitzer Heide wurde 1903 von Kaiser Wilhelm II. errichtet. Die vier Marmortafeln im Sockel wurden leider gestohlen. In den Hohlräumen nisten jetzt Vögel.


Mit Bus und Bahn zum Wandern in die Döberitzer Heide

Ein Ausflug von Berlin zur Döberitzer Heide ist auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut machbar:

  • Bis Elstal und Dallgow Döberitz mit der Regionalbahnlinie RE4. Der Zug fährt stündlich. Vom Hauptbahnhof Berlin braucht ihr etwa 20 Minuten. Von den beiden Bahnhöfen erreicht ihr nach etwa 30 Minuten Fußweg die Döberitzer Heide.
  • Am Eingang Krampnitz (Haltestelle Potsdam, Krampnitzsee) fährt die Buslinie 638 zum Bahnhof Spandau (ca. 30 Minuten).
  • Um nach Priort zu kommen, nehmt ihr den Regionalzug RE4 bis Wustermark und fahrt von hier aus noch eine Station mit dem RB21 bis Bahnhof Priort. Oder ihr fahrt mit dem RE4 bis Elstal und von hier noch drei Stationen mit der Buslinie 662.
Auf der Döberitzer Heide sollen ca. 5.500 Tier- und Pflanzenarten beheimatet sein. Eine davon ist der stattliche Feldhase.

Fazit über meinen Ausflug zur Döberitzer Heide

Nach meinem Tagesausflug in die Döberitzer Heide und 27 gewanderten Kilometern ist klar: ich komme wieder! Ein Ausflug in die Döberitzer Heide lohnt sich.

  • Das Naturschutzgebiet ist gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrad oder Auto zu erreichen.
  • Die Döberitzer Heide ist nicht überlaufen, selbst an schönen Wochenendtagen trifft man nicht viele andere Wanderer oder Biker.
  • Das Wegenetz ist gut ausgeschildert und markiert, es gibt Informationstafeln, Picknickplätze, Bänke und einen Aussichtsturm (von dem man aber leider gar nicht so viel sieht).
  • Etwas schade fand ich, dass man auf dem Rundweg um die Wildniszone immer die Zaunanlage neben sich hat. Gut für die Orientierung aber das Naturerlebnis wird dadurch etwas geschmälert.
  • Es gibt immer was zu sehen: tolle Landschaft, Tiere, Pflanzen. Kulturhistorische Relikte aus der Zeit der militärischen Nutzung machen die Wanderung noch spannender.

Für Radfahrer wichtig zu wissen: einen asphaltierten Radweg gibt es nur am Rand im Norden der Döberitzer Heide. Oft sind die Wege sehr sandig, so dass ihr stellenweise schieben müsst.

Die Wanderwege auf der Döberitzer Heide sind heute alle gut ausgeschildert.

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