Lost Places – Verlassene Orte in Berlin und Brandenburg

Lost Places in Berlin und Brandenburg
Lost Places in Berlin und Brandenburg

Als ich 1995 nach Berlin zog, gab es Lost Places wie Sand am Meer. Absperrungen gab es kaum, Überwachung erst recht nicht. Sie waren versteckt, vergänglich und immer von einem gewissen Mythos und Abenteuer umrankt. Und genau das machte den Reiz dieser verlassenen Orte aus. Auch heute noch. Doch im Laufe der Zeit wurden es immer weniger. Die Lost Places wurden abgesperrt, abgerissen oder im besten Falle für eine neue Nutzung entwickelt. Aber einige sind noch immer da. Hier zeige ich euch meine 10 liebsten Lost Places in Berlin und Brandenburg. Außerdem verrate ich euch, ob und wie ihr die verlassenen Orte selber besichtigen könnt.


Meine Top 10 Lost Places in Berlin und Brandenburg sind:

  1. Militärhauptquartier Wünsdorf
  2. Spreepark – ehemaliger Vergnügungspark der DDR
  3. Beelitz-Heilstätten
  4. Abhörstation Teufelsberg
  5. Grenzkontrollpunkt Dreilinden und Reste der alten Autobahn
  6. Olympisches Dorf von 1936 bei Elstal
  7. Regierungs- und Stasikrankenhaus der DDR in Berlin-Buch
  8. Flughafen Tempelhof
  9. Ehemalige Irakische Botschaft in der DDR
  10. Rüdersdorfer Futterphosphat-Fabrik

In Berlin und Brandenburg gibt es noch immer zahlreiche Lost Places. Aber die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Verfall und Vandalismus sind unübersehbar. Doch beim zweiten Blick erkennt man die einstige Schönheit und Bedeutung der heute verlassenen Orte. Das ist der Moment, in dem ich den Ort mit meinen Fotos festhalten möchte. Ich möchte ihn damit vor der Vergänglichkeit bewahren und seine Geschichte(n) weitererzählen.

Einige der oben genannten Lost Places in Berlin werden inzwischen entwickelt. So wird das Olympische Dorf zu einem Wohngebiet ausgebaut und der Spreepark wird in einem öffentlichen Park umfunktioniert. Auch für die Beelitz-Heilstätten gibt es inzwischen Pläne. Ich hoffe sehr, dass die Geschichte dieser Orte nicht ausradiert wird. Wie schön wäre es, wenn sie als das was sie einmal waren in Erinnerung und (zumindest von außen oder mit Informationstafeln) erlebbar blieben.


Lost Places besichtigen – Was ist erlaubt?

Darf man Lost Places legal betreten? In der Regel leider nicht. Denn die meisten verlassenen Orte sind Privatbesitz – das unerlaubte Betreten gilt als Hausfriedensbruch. Meistens machen dies auch Absperrungen und Schilder deutlich. Manche Orte sind sogar mit Überwachungskameras und/oder Bewegungsmeldern gesichert. Und das oftmals aus gutem Grund: Vandalismus und sinnlose Zerstörungslust soll somit unterbunden werden. Außerdem sind manche Lost Places auch nicht ganz ungefährlich. Einsturzgefahr, Herabfallen loser Teile sowie das Einbrechen durch morsche Decken stellen ein Risiko dar. Viele verlassene Orte in Berlin und Brandenburg könnt ihr daher nur noch von außen besichtigen. Einige Lost Places könnt ihr jedoch auch im Rahmen von geführten Touren oder sogar Fototouren besuchen. Und das ist absolut lohnenswert!


Militärhauptquartier Wünsdorf

Die „Verbotene Stadt“ vor den Toren Berlins

„Klein Moskau“ in Wünsdorf ist mein Favorit unter den Lost Places in der Umgebung von Berlin. Hinter Mauern, Zäunen und Schlagbäumen entwickelte sich der Militärstandort zu einer russischen Stadt vor den Toren Berlins. In Spitzenzeiten lebten hier bis zu 75.000 Militärangehörige und ihre Familien. Es gab Schulen, Kindergärten, Geschäfte sowie Sport- und Kulturstätten. Jeden Tag führ zudem ein Zug bis nach Moskau und verband den Standort mit der Heimat der Einwohner. Doch Kontakte zwischen den Russen und der DDR-Bevölkerung waren verboten. Nur wer hier arbeitete und einen speziellen Ausweis hatte, durfte hinein. Daher nannte man den Militärstandort Wünsdorf auch die „Verbotene Stadt“.

Geschichte des Militärstandortes Wünsdorf

Die Geschichte des Militärstandortes geht bis in die Wilhelminische Zeit zurück. Schon damals in 1872 war Wünsdorf ein Truppenübungsplatz. Im Ersten Weltkrieg befand sich hier das Hauptquartier der Reichswehr sowie ein Kriegsgefangenenlager. Während der Nazi-Zeit war Wünsdorf Heeressportschule und der Sitz des Oberkommandos des Heeres. Später wurden die Gebäude dann als Lazarett genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog 1951 die Sowjetarmee schließlich hier ein. Sie nutzten und erweiterten anschließend die Militär- und Bunkeranlagen als Hauptquartier. Von hier wurden die insgesamt 1500 Standorte der Sowjetarmee in der DDR verwaltet.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands verließen die Russen 1994 das Gelände. Sie nahmen dabei alles mit, Klein Moskau wurde zur Geisterstadt. Von dem 260 Hektar großen Gelände wurden anschließend zunächst Munitionsreste, Schrott und diverse Altlasten beseitigt. Danach wurde begonnen, für die rund 700 sanierungsbedürftigen Gebäude eine neue Nutzung zu suchen. Doch noch immer stehen unzählige Gebäude leer und sind bisher nur notdürftig repariert worden. Tapeten und Farben blättern von den Wänden ab und verblassen. Pflanzen wachsen durch offene Fenster und Türen. Die Natur erobert sich das Gelände zurück und bringt eine mystische Atmosphäre an einen Ort, wo die Zeit stehen geblieben ist.

Besichtigung des Lost Place in Wünsdorf

Den verlassenen Ort könnt ihr am besten während einer Fototour mit Go2Know mit eurer Kamera entdecken. Was gibt es zu sehen? Unter anderem das schlossähnliche Haus der Offiziere, ein prachtvoller Theatersaal, eine Turnhalle, ein Kino, eine Schwimmhalle aus der Kaiserzeit mit Kesselhaus sowie ein Freibad. Eines der Highlights ist außerdem das Lenindenkmal vor dem Haus der Offiziere (das seht ihr auf dem Titelbild des Beitrags).

Tipp: Der rund 6000 Einwohner zählende Ort Wünsdorf trägt den Beinamen „Bücher- und Bunkerstadt“. Denn zahlreiche Antiquariate bieten Bücher an. Außerdem könnt ihr einige der Bunker in geführten Touren besichtigen.

Besichtigung: Fototouren werden von Go2Know angeboten
Adresse: Hauptallee 116, 15806 Zossen
Anfahrt: Mit dem Regionalzug R5 oder R7 von Berlin-Hauptbahnhof bis Wünsdorf Waldstadt. Von da aus sind es noch 15 Minuten Fußweg (Dauer insgesamt etwa 1,25 Stunden). Mit dem Auto fahrt ihr die B96 von Berlin etwa 60 Minuten Richtung Süden.


Spreepark – ehemaliger Vergnügungspark der DDR

Das große Riesenrad des Spreeparks ist bereits von Weitem zu sehen. Gedreht hat es sich jedoch schon lange nicht mehr. Auch die anderen Fahrgeschäfte stehen still und werden mehr und mehr überwachsen. Viel ist heute von dem einstigen Freizeitpark im Plänterwald nicht mehr übrig. Doch alles was noch da ist bietet viele tolle Motive für Fotografen.

Im Jahr 1969 eröffnete der erste und einzige ständige Vergnügungspark der DDR. Der „Kulturpark Plänterwald“ zählte in seinem besten Jahr etwa 1,7 Millionen Besucher. Nach der Wende wurde der Freizeitpark dann von der Spreepark GmbH & Co. KG des Schaustellers Norbert Witte weitergeführt. Seitdem heißt der Park „Spreepark“. Doch aufgrund ausbleibender Gäste meldete der Eigentümer 2001 Insolvenz an und der Park stellte seinen Betrieb ein. Es folgten anschließend mehrere Versuche, den Park wieder für Besucher zu öffnen. Doch keiner davon hatte Erfolg. Stattdessen kamen der Eigentümer und sein Sohn wegen Drogenschmuggel in die Schlagzeilen und wurden verurteilt.

Ab 2011 wurden einzelne Fahrgeschäfte zeitweise weiter betrieben und im Café „Mythos“ wurden Gäste bewirtet. Doch die Zwischennutzung konnte den Verfall des Freizeitparks nicht aufhalten. Gebäude sind zum Teil einsturzgefährdet. Nach einem Großbrand im August 2014 mussten sogar mehrere Bauwerke abgerissen werden. Im Jahr 2014 hat das Land Berlin das Gelände schließlich zurückgekauft. Durch die landeseigene Grün Berlin GmbH soll der Lost Place nun in einen touristisch attraktiven Kultur- und Freizeitpark umgewandelt werden. Dabei soll auch die Vergangenheit als berühmter Freizeitpark in dem neuen Nutzungskonzept Platz haben. Auch das Riesenrad soll sich eines Tages wieder drehen.

Besichtigung: In geführten Touren kann der Spreepark jedes Jahr von April bis Anfang November besichtigt werden.
Adresse: Kiehnwerderallee 1-3, 12437 Berlin
Anfahrt: Bis S-Bahnhof Plänterwald (S8, S9), von hier aus 15 Minuten Fußweg


Beelitz-Heilstätten

Die Beelitzer Heilstätten sind einer der bekanntesten und beliebtesten Lost Places im Berliner Umland. Schaurige Geschichten ranken sich um die Gebäude des verlassenen Ortes, die weitläufig verteilt im Wald liegen. Die mystische Atmosphäre und die villenartige Architektur bieten zudem unzählige Fotomotive.

Die Arbeiter-Lungenheilstätten Beelitz-Heilstätten umfasst heute noch 60 Gebäude auf einer Fläche von 200 ha. Sie wurden zwischen 1898 und 1930 von der Landesversicherungsanstalt Berlin errichtet. Als einer der größten Krankenhauskomplexe im Berliner Umland konnten die Heilstätten damals bis zu 1.200 Patienten aufnehmen. Die Patienten waren dabei meist an Tuberkulose erkrankt. Hier wurden sie mit Heilanwendungen, frischer Luft und einem Wohlfühlprogramm behandelt. Das sowie eine strenge Hygiene war das einzige, was zu dieser Zeit gegen Tuberkulose unternommen werden konnte. Denn Antibiotika gab es noch nicht.

Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges wurden die Heilstätten zum Lazarett für verwundete Soldaten umfunktioniert. Anschließend hat die Sowjetarmee von 1945 bis 1993 hier das größte Militärkrankenhaus außerhalb der Sowjetunion betrieben.

Inzwischen sind alle Gebäude der ehemaligen Heilstätten verkauft und sollen jetzt saniert werden. In einigen Bereichen sind die Arbeiten bereits abgeschlossen. Hier sind Einfamilienhäuser, Mietwohnungen, ein „Creative Village“ für Kreative sowie eine Reha-Klinik entstanden.

Tipp: Schaut euch doch mal alles von oben an. Ein 300 Meter langer Baumkronenpfad führt euch in 23 Meter Höhe über mit Bäumen bewachsene Gebäuderuinen.

Besichtigung: Ihr könnt die Heilstätten in geführten Touren von Go2Know besichtigen. Da die Häuser nach und nach saniert werden, sind immer weniger Häuser für Touren geöffnet. Außerdem könn tihr das zugehörige Heizkraftwerk in Führungen des Fördervereins Heiz-Kraft-Werk e.V. besichtigen.
Anfahrt: Mit dem Regionalexpress RE 7 bis zur Haltestelle Beelitz-Heilstätten. Mit dem Auto fahrt ihr über die A9 bis zur Abfahrt Beelitz-Heilstätten/Fichtenwalde.


Abhörstation Teufelsberg – Street Art Mekka & Lost Place in Berlin

Drei weiße Kugeln heben sich von dem dichten, grünen Laub des Grunewalds ab. Sie sind von jedem Aussichtspunkt der Stadt zu sehen und prägen dabei die Silhouette Berlins. Wie eine Festung thronen sie auf dem zweithöchsten Punkt Berlins, dem 120,1 Meter hohen Teufelsberg. Es ist ein Ort der Geschichte und der Kunst. Ein Lost Place voller Farben und Kreativität. Denn die ehemalige Abhörstation hat sich zur größten Street Art Galerie in Europa entwickelt. In meinem separaten Artikel über die Abhörstation am Teufelsberg in Berlin erfahrt ihr alles, was ihr vor eurem Besuch wissen müsst. Außerdem seht ihr schon mal viele tolle Fotos von diesem ganz besonderen Ort mitten im Grunewald.


Grenzkontrollpunkt Dreilinden und Reste der alten Autobahn

Den ehemaligen Grenzkontrollpunkt Dreilinden kennt jeder, der schon mal über die A115 nach Berlin gefahren ist. Zu der Kontrollstelle – auch Checkpoint Bravo genannt – gehörte auch der Pop-Art-Rundbau der ehemaligen Raststätte. Mit seinen bunten Farben sollte das Gebäude einen bewußten Kontrast zu den grauen DDR-Bauten an der Grenze darstellen. Seit 2002 steht das denkmalgeschützte Gebäude leer. Doch noch immer erinnert es die Vorbeifahrenden an die Teilung Deutschlands und die isolierte Lage West-Berlins.

Doch der ursprüngliche Kontrollpunkt Dreilinden befand sich bis zum Jahr 1969 an einer anderen Stelle. Da der Autobahnabschnitt sehr nah an der innerdeutsche Grenze verlief, wurde dieser samt Kontrollpunkt umverlegt. Das alte Autobahnstück wurde somit zum Niemandsland. Nach der Wende diente es zeitweise als Kulisse für Dreharbeiten, beispielsweise für die Fernsehserie Alarm für Cobra 11.

In den Jahren 1999/2000 wurde die alte Autobahn zwischen Avus und Berliner Ring im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme schließlich zurückgebaut. Heute sind daher nur noch ein paar Reste des Kontrollpunktes zu sehen: die Teltowkanalbrücke, ein Raststättengebäude, eine Dreimast-Fahnenanlage und ein KFZ-Fanggraben. Es sind seltene Relikte aus der Frühzeit der Teilung Deutschlands und daher unter Denkmalschutz gestellt. Von der Autobahn sind noch einige Fahrbahnreste, seitliche Fußwege sowie alte Markierungen vorhanden.

Besichtigung: Das Außengelände ist frei zugänglich. Das Betreten der Raststättengebäude ist jedoch nicht erlaubt.
Anfahrt: Die beiden früheren Grenzkontrollpunkte Dreilinden sowie die Reste der alten Autobahn könnt ihr am besten auf einem Spaziergang vom S-Bahnhof Wannsee bis zum S-Bahnhof Griebnitzsee erkunden (Länge etwa 9 km).


Olympisches Dorf von 1936 bei Elstal

Eigentlich ist es ja toll, wenn verlassene Orte wiederbelebt werden. Wenn die Mauern der Gebäude ihre Geschichten weiter erzählen können und neue Geschichten dazukommen. Doch als Liebhaber von Lost Places empfinde ich das natürlich auch immer ein bisschen als Verlust. Auch das Olympische Dorf wird seit 2019 entwickelt. Es sollen exklusive Wohnungen entstehen. Kurz vor Beginn der Bauarbeiten hatte ich jedoch die Gelegenheit, das Gelände während einer geführten Tour zu erkunden.

Das Olympische Dorf war wirklich ein kleines Dorf. Es umfasste ein Empfangsgebäude, 136 Wohnbauten, ein Speisehaus mit 38 Speisesälen, ein Küchenhaus, das Hindenburghaus, das Kommandantenhaus sowie ein Krankenhaus. Mit Sporthalle, Sportplatz, Schwimmhalle und Sauna trug man sogar dem Bewegungsdrang der Sportler Rechnung. Während der Olympischen Spiele 1936 wohnten hier etwa 3600 männliche Athleten und Personal. Frauen war jedoch der Zutritt verboten. Die 330 Sportlerinnen wurden stattdessen im Deutschen Sportforum direkt am Olympiastadion untergebracht.

Alle Gebäude wurden in den Jahren 1934 bis 1936 in massiver Bauweise errichtet. Denn später sollte die Wehrmacht die Gebäude weiter nutzen. Schließlich lag der Truppenübungsplatz Döberitz gleich gegenüber. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Sowjetarmee den Standort und den Truppenübungsplatz bis 1992 weiter genutzt.

Nicht alle der Gebäude sind heute noch zu sehen. Die größten und am besten erhaltenen Gebäude sind das Speisehaus, die Schwimmhalle, die Turnhalle sowie einige der Wohngebäude. Das gesamte Ensemble steht unter Denkmalschutz.

Besichtigung: Leider nicht mehr möglich, das Olympische Dorf wird als Wohngebiet entwickelt. Ein Spaziergang durch das Wohngebiet wird hoffentlich später wieder möglich sein.
Adresse: Rosa-Luxemburg-Allee 70, 14641 Wustermark
Anfahrt: Regionalexpress RE4 bis Elstal, anschließend etwa 2 Kilometer Fußweg. Mit dem Auto fahrt ihr die B5 Richtung Westen. Das Olympische Dorf ist dann ausgeschildert.


Regierungs- und Stasikrankenhaus der DDR in Berlin-Buch

Abgeschieden und versteckt in den Wäldern bei Buch steht das einst größte Krankenhaus Europas. Das ehemalige Regierungs- und Stasikrankenhaus der DDR umfasst zwei riesige Gebäudekomplexe aus den 70er Jahren, Bunker sowie eine weitläufige Parkanlage.

Hier behandelte man nur die „aller höchste“ Führungsebene: Vertreter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), des Zentralkomitees der SED sowie des Politbüros der DDR. Ebenso durften hohe Staatsgäste und deren Angehörige aufgenommen werden. Das benachbarte Stasikrankenhaus war hingegen eine geheime Anlage und Stasi-Mitarbeitern vorbehalten. Den Patienten sollte es an nichts mangeln. Daher war alles mit modernster Technik und Medizin aus dem Westen ausgestattet. Für Staatsratsmitglieder gab es besonders luxuriöse Sonderbereiche.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das Krankenhaus ab 1990 von den Helios Kliniken weiter betrieben. Es war seitdem nicht mehr den Funktionären vorbehalten – jetzt wurde jeder hier behandelt. Es entstand das größte Krankenhaus Europas. Zeitgleich errichteten die Helios Kliniken jedoch eine neue Klinik. Nach deren Fertigstellung im Jahr 2007 wurden die alten Krankenhauskomplexe schließlich aufgegeben. Seitdem stehen sie leer und sind ein riesiger Lost Place im Norden Berlins.

Im Inneren des verlassenen Ortes befinden sich noch zahlreiche Einrichtungen aus dem Krankenhausbetrieb: OP-Räume, die Intensivstation, ein Schwimmbad, therapeutische Bäder sowie eine Großküche mit Speisesaal. Auch die gebäudetechnischen Anlagen wie das Heizwerk und die Schaltzentrale sind noch gut erhalten. Im Keller sind Bunkeranlagen zugänglich. Außerdem gibt es in beiden Gebäuden noch viele Details aus der DDR- und Nachwendezeit zu entdecken.

Besichtigung: Go2Know bietet ab und zu Fototouren an.
Adresse: Hobrechtsfelder Chaussee 100, 13125 Berlin
Anfahrt: Von S-Bahnhof Buch sind es etwa 20 Minuten Fußweg.


Flughafen Tempelhof

Ist der Flughafen Tempelhof ein Lost Place? Wenn man das bunte Treiben auf dem ehemaligen Flugfeld betrachtet, wirkt er keineswegs verlassen. Auch Teile des denkmalgeschützten Flughafengebäudes werden als Veranstaltungsort weiter genutzt. Doch das Herz des Flughafens – das Abfertigungsgebäude, das General Aviation Terminal (GAT) und das Gepäckband – steht still. Die letzten Fluggäste wurden hier im Oktober 2008 abgefertigt, im November startete das letzte Flugzeug. Das Flugfeld ist seit 2010 für Besucher geöffnet und trägt den verheißungsvollen Namen „Tempelhofer Freiheit“. Das ehemalige Flughafengebäude kann außerdem während geführter Touren besichtigt werden.

Ein bisschen Geschichte

Der Flughafen Tempelhof nahm 1923 den Linienverkehr auf und war damit einer der ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er als Flugzeugwerk mit unterirdischen Fertigungsanlagen und als Lazarett genutzt. Nach dem Kriegsende entstand hier der Militärstützpunkt „Tempelhof Air Base“ der US-Amerikaner. Während der Blockade West-Berlins durch die Sowjets von Juni 1948 bis Mai 1949 wurde der Flughafen Tempelhof berühmt. Denn über die Berliner Luftbrücke stellte er die Versorgung der West-Berliner mit Lebensmitteln sicher. Während dieser Monate starteten die Flugzeuge zeitweise im 90-Sekunden Takt. Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff „Rosinenbomber“: Denn Piloten warfen für die Kinder Süßigkeiten mit kleinen Fallschirmen aus Taschentüchern aus den Cockpitfenstern.

Architektur der Superlative

Die Flughafengebäude wurden in den Jahren 1934 bis Jahr 1941 nach Plänen des Architekten Horst Sagebiel errichtet. Der monumentale Stil des Nationalsozialismus und die Verkleidung der Fassaden mit Muschelkalk gibt dem Flughafen ein massives Aussehen. Doch am meisten beeindruckt die Größe des Gebäudes: die bogenförmig errichteten Hangars erstrecken sich über 1230 Meter. Sogar heute noch ist es das längste zusammenhängende Gebäude Europas. In der Mitte der Hangars ist das Terminal mit Flugsteig integriert. Von hier aus öffnet sich das zwei Kilometer lange, ovale Flugfeld.

Aufgrund des Kriegs wurden Teile des Flughafens jedoch nie fertig gestellt. So blieb beispielsweise die für 100.000 Zuschauer geplante Tribüne auf dem Flughallendach unvollendet. Auch die 13 Treppentürme, die auf das Dach führen, sind noch immer im Rohbau.

Besichtigung: Es gibt Fototouren sowie verschiedene Führungen am Flughafen Tempelhof, auch auf englisch.
Adresse: Platz der Luftbrücke 5, 12101 Berlin
Anfahrt: Ihr fahrt am besten mit der U-Bahn U6 bis zum Platz der Luftbrücke.

Ehemalige Irakische Botschaft in der DDR

Eingeschlossen von einem hohen Zaun und umgeben von einem verwilderten Garten steht die ehemalige Irakische Botschaft. Die hohen Bäume geben den Blick auf die hintere Fassade des 1974 errichteten Plattenbaus jedoch nur teilweise frei. Einen besseren Blick auf die Waschbeton-Fassade habt ihr an der Vorderseite des Gebäudes. Hier führt eine breite Treppe hinauf zum Eingang. Vorragende Balkonbrüstungen sowie geklinkerte Fassadenteile fallen hier besonders ins Auge.

Die Irakische Botschaft der DDR befand sich zwischen 1974 und 1991 in dem damaligen Diplomatenviertel von Pankow. Während des Irakkriegs wurde jedoch bekannt, dass die Botschaft Terroristen Unterschlupf bot. Es gab sogar ein Sprengstofflager (Quelle Wikipedia). Der Botschafter und sein Personal mussten daraufhin Deutschland verlassen. Mobiliar und Dokumente ließen sie dabei zurück. Seit 1991 ist das Botschaftsgebäude verlassen und verfällt zunehmend.

Und was wird aus dem Gebäude? Es gab die Idee, es zu einem Kulturzentrum umzuwandeln. Aber passiert ist bisher nichts. Die Bundesrepublik ist zwar Eigentümerin des Grundstücks, das Gebäude gehört aber dem Irak. Und dieser hat ein alleiniges, unbefristetes Nutzungsrecht. Das macht die zukünftige Nutzung nicht einfacher.

Besichtigung: Zutritt verboten. Das Gebäude könnt ihr nur von außen durch den Zaun besichtigen. Am besten geht das, wenn die Bäume wenig Laub tragen.
Adresse: Tschaikowskistraße 51, 13156 Berlin
Anfahrt: bis S-Bahnhof Schönholz (S1, S25, S26), von hier aus 15 Minuten Fußweg


Rüdersdorfer Futterphosphat-Fabrik

Lost Place und Umweltsünde

Es war im Jahr 2000. Wir waren grade fertig mit unserem Besuch im Museums­park Rüdersdorf. Angelockt von hohen Schornsteinen und getrieben von unserer Neugier entdeckten wir neben dem Museumspark mehrere leerstehende Fabrikgebäude. Und plötzlich waren wir an einem Ort, der mich wie kaum ein anderer gefesselt und zugleich entsetzt hat. Ich kann kaum beschreiben was ich sah: In einer Halle lagerten Fässer. Einige waren umgekippt, der Inhalt versickerte im Boden. In einem anderen Gebäude füllte eine gelartige Substanz mehrere Becken. Doch am heftigsten war das Laborgebäude. Die Fenster waren eingeschlagen. Auf den Labortischen standen Chemikalien, die Behälter teilweise umgekippt, zerbrochen und ausgelaufen. Auf dem Fußboden breitete sich eine schmierige Schicht aus. Titrieranlagen standen aufgebaut auf den Tischen, sie waren noch immer mit Chemikalien gefüllt. Daneben standen Messgeräte, die ich noch aus dem Chemiepraktikum kannte. Es sah so aus, als wären die Laboranten zur Mittagspause gegangen und einfach nicht wieder gekommen.

Eine Woche später kamen wir zurück. Diesmal mit einer Einwegkamera – kaum vorstellbar, aber damals hatte ich keine Kamera! Die Fotos wollten wir der zuständigen Umweltbehörde zeigen. Denn bei aller Liebe zu Lost Places – dieser hier konnte nicht so bleiben, denn er ging definitiv zu Lasten der Umwelt. Doch als wir das Gelände betraten, hatte sich schon etwas getan: Die Fässer waren entfernt und die Fenster des Laborgebäudes zugenagelt.

Geschichte des Chemiewerkes Rüdersdorf

Die Geschichte des Chemiewerkes Rüdersdorf geht bis in das Jahr 1900 zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es von den sowjetischen Besatzern weitgehend demontiert. Ab 1950 begann man schließlich, die verbliebenen Drehrohröfen zur Herstellung von Futterphosphat zu nutzen. Es wurde unter dem Namen RÜKANA europaweit vermarktet. Die Anlage wurde immer weiter ausgebaut, neue Öfen wurden in Betrieb genommen und die Produktion erreichte 1988 ihren Höhepunkt. Nach der deutschen Wiedervereinigung sank der Absatz und führte im Jahr 1999 schließlich zur Einstellung der Produktion und zur Werkschließung. Abbrucharbeiten wurden begonnen aber wieder eingestellt. Seit 2000 wird das Gelände vom Location-Scout des Studio Babelsberg für Filmproduktionen vermittelt. Weitere Nutzungspläne gibt es nicht. Die Altlasten sind für Investoren wahrscheinlich zu abschreckend.

Besichtigung: Zutritt verboten. Die Volkshochschule hatte vor einiger Zeit einen Fotoworkshop hier angeboten. Vielleicht kommt da mal wieder ein Angebot. Ansonsten: Von der Schachtofenbatterie des Museums­parks Rüdersdorf (6 Euro Eintritt) habt ihr aber einen guten Blick auf das alte Chemiewerk.
Adresse: Gutenbergstraße, 15562 Rüdersdorf bei Berlin
Anfahrt: Mit der S3 bis S-Bahnhof Friedrichshagen, dann weiter mit der Tramlinie 88 bis Rüdersdorf, Marktplatz. Von hier lauft ihr etwa 30 Minuten bis zur Schachtofenbatterie.


Büchertipps für Lost Places und verlassene Orte in Berlin und weltweit


Es gibt noch viele weitere Lost Places in Berlin und Brandenburg. Welche verlassenen Orte gefallen euch am besten? Habt ihr noch Anmerkungen oder Anregungen zu meinem Artikel? Wenn ja, dann schreibt mir doch einen Kommentar! Und schaut doch öfters mal vorbei. Denn es kommen bestimmt bald weitere Lost Places zu meiner kleinen Sammlung hinzu, die ich gerne mit euch teilen möchte.


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Liebt ihr verlassene Orte genauso sehr wie ich? Dann schaut euch mal meine beiden folgenden Artikeln an:

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