Ab ins Moor! – Tipps für euren Besuch im Soomaa-Hochmoor

Ab ins Moor! – Tipps für euren Besuch im Soomaa-Nationalpark
Ab ins Moor! – Tipps für euren Besuch im Soomaa-Nationalpark

Estland. Eine Wanderung durch ein Hochmoor ist überraschend abwechslungsreich. Auf den ersten Blick wirkt die weite Landschaft zwar leer. Doch wenn ihr genauer hinschaut dann entdeckt ihr eine farbenfrohe Artenvielfalt. Und das meistens schon direkt neben dem Holzbohlenweg. Warum ich von dem Soomaa-Hochmoor in Estland so begeistert war, erfahrt ihr in meinem folgenden Artikel. Außerdem gebe ich euch Tipps für euren Besuch im Soomaa-Hochmoor und erzähle euch, warum ihr hier unbedingt ein Moorbad nehmen solltet.


Im Land der Moore –  ein Besuch im Soomaa-Nationalpark

Auf Deutsch bedeutet Soomaa so viel wie „Land der Moore“. Der Name ist überaus treffend gewählt. Denn der Soomaa-Nationalpark ist mit 390 Quadratkilometer das größte Moor-, Wiesen- und Auwaldgebiet in Estland. Die Torfschicht ist hier sogar bis zu sieben Meter dick. Der Boden wölbt sich in kleinen und größeren Buckeln. Dazwischen sind immer wieder kleine Pfützen und Tümpel. Der 1993 gegründete Nationalpark ist Heimat von Elchen, Bären, Wölfen, Luchsen und Bibern. Außerdem ist das Hochmoor ein bedeutender Rastplatz während des Vogelzugs. Es ist ein Ort, wo man die hektische Welt vergessen und der Natur wieder näher kommen kann.

Etwa ein Fünftel der Fläche Estlands ist von Moorlandschaften bedeckt. Manche Moore sind bis zu 10.000 Jahre alt. Die bekanntesten sind neben dem Soomaa-Hochmoor noch das Laheema-, Viru- und Matsalu-Moor.


Eine mystische Szenerie im Hochmoor

Von dem Beobachtungsturm bei dem Naturlehrpfad Ingatsi öffnet sich ein Panoramablick über eine unwirklich wirkende, geheimnisvolle Landschaft. Holzbohlenwege ziehen sich dabei wie Adern durch das Moor und verlieren sich am Horizont. Zudem verstärken die dunklen Wolken eines aufziehenden Gewitters den mystischen Eindruck der Szenerie vor uns. Aus der Ferne hören wir bereits das erste Donnergrollen.

Bei diesem Anblick wird schnell klar, weshalb die Moorlandschaften eine große Rolle in der estnischen Mythologie spielen. Denn zahlreiche Geschichten erzählen von Irrlichtern und Moorgeistern, die hier beobachtet wurden. Während der Sowjetzeit haben sich Widerstandskämpfer in den unwegsamen Mooren versteckt.


Die kleine Horrorschau – fleischfressende Pflanzen im Soomaa-Hochmoor

In einem Hochmoor könnt ihr Pflanzen und Tiere sehen, die an das Leben hier perfekt angepasst sind. Ihre Artenvielfalt ist enorm. Etwa ein Viertel der in Estland vorkommenden Pflanzen wachsen nur hier in den Mooren. Manche Arten sind zudem sehr alt und stammen noch aus der Eiszeit. Die Meister unter ihnen sind jedoch die fleischfressenden Pflanzen. Der Sonnentau fängt dazu mit Klebdrüsen an seinen Blättern kleine Insekten. Mit diesem Trick schafft er es, in den nährstoffarmen Hochmooren zu überleben. Und Nahrung hat er zumindest im Sommer mehr als genug. Denn abertausende Fliegen und Mücken machen das Moor für den Sonnentau zum Schlaraffenland. Während eures Besuchs im Soomaa-Nationalpark findet ihr den Sonnentau oft schon direkt neben den Holzbohlenwegen.


Warum ihr unbedingt ein Moorbad nehmen solltet

Ein Moorbad ist auf jeden Fall ein Naturerlebnis der ganz besonderen Art. Es erfrischt und belebt außerdem den Kreislauf. Zudem soll das Moorwasser mit seinen speziellen Inhaltsstoffen für eine zarte, straffe Haut sorgen.

Während eurer Wanderung durch die Moorlandschaft werdet ihr an mehreren Moorseen vorbei kommen. An manchen von ihnen findet ihr zudem ausgebaute Badeplattformen aus Holz. Meist gibt es auch Bänke, die zu einem kleinen Picknick einladen. Und wenn ihr Glück habt oder früh am Morgen geht, dann seid ihr in dem Moor weit und breit alleine. Was für ein mystisches Erlebnis!

Hier noch einer meiner wichtigsten Tipps für euren Besuch im Soomaa-Hochmoor: packt für alle Fälle ein Handtuch ein!


Die fünfte Jahreszeit

Jedes Jahr beginnt im Soomaa-Nationalpark nach der Schneeschmelze eine ganz besondere Zeit. Denn dann werden die Wanderwege rund um das Dorf Riisa zu Wasserwegen. Der Wasserstand kann währenddessen bis zu 5 Meter höher sein als normal. Die Häuser sind dann nur noch mit dem Boot erreichbar. Die Esten nennen diese Zeit die „fünfte Jahreszeit“. Sie haben sich auf das Hochwasser eingerichtet. Für Gäste bieten sich zudem ganz besondere Naturerlebnisse. Denn von März bis Mai könnt ihr auf Wald-Kanu-Touren in dem Überflutungsgebiet paddeln.


Tipps für Wanderungen durch das Soomaa-Hochmoor

Durch das Soomaa-Hochmoor zieht sich ein Netz aus Wanderwegen und Holzbohlenpfaden. Diese könnt ihr entweder auf eigene Faust oder im Rahmen einer geführten Tour entdecken.

Mir haben bei meinem Besuch im Soomaa-Nationalpark drei Wanderungen besonders gut gefallen. Hier meine Tipps für Wanderungen durch das Soomaa-Hochmoor:

  • Biberpfad: Der 1,8 Kilometer lange Biberpfad beginnt direkt an dem Naturzentrum Soomaa und führt an mehreren Biberdämmen vorbei. Biber haben wir jedoch leider nicht gesehen.
  • Naturlehrpfad Riisa: Der Rundweg führt in einer 4,8 Kilometer langen Runde über einen Bohlenweg durch das Riisa-Moor.
  • Naturlehrpfad Ingatsi: Der 3 Kilometer lange Pfad beginnt in Karukose. Er führt zunächst durch den Wald. Am Rande des Walds habt ihr vom Beobachtungsturm einen tollen Ausblick über das Moor. Holzbohlenwege führen zu Moorteichen, Picknickplätzen und Badestellen.

Das Naturzentrum Soomaa informiert außerdem mit einer kleinen Ausstellung über euren Besuch um Soomaa-Nationalpark. Hier bekommt ihr zudem Wanderkarten. Auf der Webseite von Soomaa.com könnt ihr verschiedene Outdooraktivitäten buchen. Hier findet ihr beispielsweise Moorwanderungen, Kanutouren oder Touren zur Biberbeobachtung.

Etwas ganz Besonderes sind jedoch die sogenannten Moorschuh-Wanderungen. Bei diesen geführten Touren verlasst ihr die Pfade und lauft mit einer Art Schneeschuhen an den Füßen über den wackeligen Moorboden. Ihr kommt der Natur damit noch ein bisschen näher.


Ihr fahrt noch weiter? Dann hab ich noch eine weitere Entdeckungstour für euch: Lest hier meine Tipps, wo ihr im Baltikum noch Relikte aus der Sowjetzeit finden könnt.

Wart ihr selber schon einmal in einem der Hochmoore von Estland? Wie hat es euch gefallen? Habt ihr weitere Tipps oder vielleicht eine Frage zu meinem Bericht über das Soomaa-Hochmoor? Wenn ja, dann freu ich mich über eure Kommentare!

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