Westmännerinseln – Wanderung zum windigsten Ort in Island

Westmännerinseln – Wanderung zu den Puffins am windigsten Ort in Island
Westmännerinseln – Wanderung zu den Puffins am windigsten Ort in Island

Island. In Island ist es meistens windig. Und wenn kein Wind weht, dann ist Sturm. Das Kap Stórhöfði auf den Westmännerinseln gilt als der windigste Ort in ganz Island. Hier wurde eine Windgeschwindigkeit von unglaublichen 220 km/h aufgezeichnet. Ich mag mir das gar nicht vorstellen und freue mich stattdessen über die gute Wettervorhersage: ein bisschen Sonne, ein paar Wolken, ab und zu ein Schauer. Von Wind war keine Rede. Ich kann mich also getrost zum Kap Stórhöfði und der dort nistenden Puffin-Kolonie aufmachen.

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Wanderung entlang der Westküste von Heimaey nach Stórhöfði

Die Westmännerinseln in Island sind bekannt für ihre Papageientaucher – die „Puffins“. Hier lebt mit 1,1 Millionen Brutpaaren die größte Puffin-Kolonie Islands. Die possierlichen Tiere haben sich an den Hängen im Süden der Insel Heimaey tausende von Bruthöhlen gegraben. Vom Puffin-Lookout könnt ihr die Tiere geschützt vor Wind und Regen beobachten. Es gibt geführte Puffin-Touren aber ihr könnt auch auf eigene Faust zu der Beobachtungshütte. Und warum nicht zu den Papageientauchern wandern? Hier erfahrt ihr alles über die Wanderung zum Puffin-Lookout in Stórhöfði auf den Westmännerinseln – dem windigsten Ort in Island.

Wanderung zum windigsten Ort in Island – Kap Stórhöfði auf den Westmännerinseln
Blick auf das Kap Stórhöfði. In der Mitte befindet sich der grün gestrichene Puffin-Lookout.

Die Wanderung zum Kap Stórhöfði auf einen Blick

Länge der Wanderung: Hinweg an der Westküste vom Campingplatz bis zum Parkplatz Stórhöfði etwa 7,4 Kilometer
Art des Weges: Der Weg an der Westküste ist mit Holzpflöcken gekennzeichnet und ausgetreten. Der Weg an der Ostküste ist hingegen nicht markiert und schwieriger zu finden. Hier solltet ihr ein GPS fähiges Smartphone mit Offline-Karte dabei haben.
Dauer: Wenn ihr den Hin- und Rückweg wandern wollt, solltet ihr einen ganzen Tag einplanen.
Kleidung: Vergesst nicht, Kap Stórhöfði auf den Westmännerinseln ist der windigste Ort in Island. Zieht am besten winddichte Softshell- oder gleich Regenkleidung an.
Highlights: Papageientaucher, Einsamkeit auf dem Pfad, Steilküste, schwarze Buchten, Aussicht von Stórhöfði

Küste Westmännerinseln - Island
Der vulkanische Ursprung der Westmännerinseln ist nicht zu übersehen.

Die einzelnen Stationen der Wanderung nach Stórhöfði

Herjólfsdalur – rekonstruiertes Langhaus

Die Wanderung beginnt am Zeltplatz im Herjólfsdalur. Das Tal ist nach Herjólfur Barðarson benannt, der laut dem Landnáhmabók einer der erste Siedler Islands war. Zwischen 1971 und 1980 wurden bei archäologischen Grabungen im Herjólfsdalur Reste von acht Häusern sowie Steinmauern gefunden. Die ältesten Reste wurden auf das frühe 9. Jahrhundert datiert. Sie sind die ältesten Spuren menschlicher Siedlungen auf den Westmännerinseln. Der Hof von Herjólfsdalur wurde im Jahre 2006 rekonstruiert und kann jetzt direkt neben dem Campingplatz besichtigt werden. Er ist in dem damals typischen Stil als Langhaus aus Steinen und Rasen errichtet. Im hinteren Teil des Gebäudes war ein Bereich für die Tiere vorgesehen.

Herjólfsdalur - Westmännerinseln - Island
Der Hof von Herjólfsdalur wurde im Jahre 2006 rekonstruiert und kann jetzt direkt neben dem Campingplatz besichtigt werden.

Von hier folgt ihr dem Pfad bis zur Küste und lauft eine Weile zwischen Golfplatz und Steilküste entlang.

Kaplagjóta – die „Pferdeschlucht“

Die Anzahl der Pferde auf den Westmännerinseln war im 16. Jahrhundert begrenzt. Gab es mehr Pferde auf der Insel als erlaubt, so wurden die Tiere in die „Pferdeschlucht“ gestoßen. Grausam. Und ehrlich gesagt, kann ich das kaum glauben, dass sie noch nicht einmal gegessen wurden.

Blick in die Kaplagjóta "Pferdeschlucht"- Westmännerinseln - Island
Im 16. Jahrhundert sollen überzählige Pferde in die „Pferdeschlucht“ Kaplagjóta gestossen worden sein.

Felsformation Elefant Rock

Direkt neben der Pferdeschlucht ist in dem Fels ein riesiger Elefantenkopf aus Stein zu erkennen. Er taucht seinen Rüssel zum Trinken ins Meer.

Küste Westmännerinseln - Island
Könnt ihr den Elefanten sehen?

Sobald ihr den Golfplatz hinter euch habt seid ihr allein in der schönsten Natur mit schwarzen Lavafelsen, bunten Blumen und wunderbaren Aussichten.

Denkmal Mormónapollur

Auch auf den Westmännerinseln in Island gab es Mormonen. Die ersten Isländer, die zum Mormonenglauben konvertiert sind, wurden hier im „Mormonenpool“ getauft. Das war im Jahr 1851. Ein Denkmal erinnert hier an die nach Utah ausgewanderten Isländer.

Das Mormonen-Denkmal erinnert hier an die nach Utah ausgewanderten Isländer.

Steilküste Ofanleitishamar

An der Steilküste Ofanleitishamar habe ich meinen ersten Papageientaucher auf den Westmännerinseln gesehen. Auch Eissturmvögel brüten hier an den Felsen. Aber eines fand ich hier besonders spannend: oben an der Felskante hängt ein rostiger Traktor. Wie der da wohl hingekommen ist?

Küste Westmännerinseln - Island
An der Felsküste von Heimaey gibt es nicht nur brütende Vögel zu sehen.

Kurz bevor der gut markierte Weg zum schwarzen Sandstrand hinunter führt, huscht eine Eiderentenmutter mit ihren Jungen den Pfad entlang. Schnell werden die Küken zusammengerufen. Bewegungslos hocken die Enten dicht beieinander. Ich bin beeindruckt wie gut erzogen die Kleinen sind. In einem weiten Bogen gehe ich an ihnen vorbei.

Bewegungslos verharrte die Eiderentenmutter mit ihren Küken auf dem Pfad und hoffte, dass ich sie nicht sehe.

Die Bucht Vík

Angekommen am Strand traue ich meinen Augen nicht: aus dem Wasser kommen zwei Badenixen. Nicht etwa im Neopren, sondern splitterfasernackt. Muss das kalt sein! Ich selbst bin warm eingepackt in Daunenjacke und Regenjacke und habe zudem Handschuhe und heißen Tee dabei. Vielleicht gibt es hier eine heiße Quelle?

Der schwarze Sandstrand in der Bucht namens Vík ist eingerahmt von hübsch geschichteten Tephra-Steinen. Die Steine am Wasser hingegen sind mit giftgrünen Algen bewachsen und auf dem Strand liegt eine Menge angespülter Seetang. Das Meer muss hier unter Wasser wunderschön sein. 

Ebbe in der Bucht Vík

Piratenbucht

In der Piratenbucht landeten im Juli 1627 Piraten aus Algerien. Sie töteten 34 Einwohner und verschleppten 242 Isländer als Sklaven nach Nordafrika. Die Algerier wurden damals für Türken gehalten, daher wird der Überfall auch heute noch als Türkenangriff bezeichnet.

Blick auf die Piratenbucht

Puffin-Lookout am Kap Stórhöfði

An der Bergflanke des Kap Stórhöfði nisten unzählige Puffins. Jedes Jahr kehren sie ab Mitte April zu ihren Bruthöhlen zurück. Zuerst kommen die Männchen und bereiten anschließend die Bruthöhle vor. Etwa 10 Tage später kommen die Weibchen an Land. Papageientaucher sind monogam, das heißt ein Paar bleibt sein Leben lang zusammen. Nur wenn die „Ehefrau“ nicht am Brutplatz erschienen ist, sucht sich dass Männchen eine neue Partnerin.

Hier am Berghang haben die Puffins unzählige Bruthöhlen gegraben.

Um die Papageientaucher zu beobachten, ohne sie zu stören, wurde hier eine Beobachtungshütte errichtet. Super praktisch bei Wind und Regen. Denn bei solchem Wetter halten sich Papageientaucher besonders gerne vor ihren Bruthöhlen auf. Außerdem sind sie in den Abendstunden am besten zu sehen. Tagsüber sind sie meistens auf dem Meer zum Fischen. Sie kommen dann nur kurz zu den Bruthöhlen, um die Beute abzuliefern. Für eine Pause vor der Höhle ist nur wenig Zeit.

Kap Stórhöfði auf den Westmännerinseln – der windigste Ort in Island

Das Kap Stórhöfði ist bei einem Vulkanausbruch vor etwa 6.000 Jahren entstanden. Auf dem höchsten Punkt, in 122 Meter Höhe, befindet sich der Leuchtturm und seit 1921 eine Wetterstation. Hier auf den Westmännerinseln wurde mit 220 km/h die höchste Windgeschwindigkeit in ganz Island gemessen. Das ist Windstärke 17 – die höchste Stufe auf der Beaufort-Skala! Da wird man glatt weggeweht. Zum Glück war es nicht ganz so windig, als ich dort war.

Wanderung zum windigsten Ort in Island – Kap Stórhöfði auf den Westmännerinseln
Wetterstation am Kap Stórhöfði

Von Stórhöfði aus hat man eine schöne Aussicht auf die vorgelagerten Inseln. Man soll sogar die Insel Surtsey von hier aus sehen können, allerdings in 20 Kilometer Entfernung. Surtsey entstand bei einem Vulkanausbruch in den Jahren 1963-1967 und ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Die Insel darf nicht betreten werden, außer von Wissenschaftlern.

Rückweg in die Stadt an der Ostküste

Zurück geht’s entweder per Anhalter oder zu Fuß. Für den Rückweg könnt ihr an der Ostküste der Insel entlanglaufen. Der Pfad zweigt an der Piratenbucht von der Straße ab. Er ist jedoch nicht markiert und daher schwer zu finden. Ich folgte einer Pferdespur, die mich allerdings von dem richtigen Pfad abbrachte und ich landete zu früh wieder an der Hauptstraße. Ich wollte meinen Kurs nicht querfeldein korrigieren und bin dann bei dem Pferdehof auf die Straße. Da es schon spät am Abend war, kamen kaum Autos vorbei und mein Versuch zu trampen blieb leider erfolglos.

Wanderung zum windigsten Ort in Island – Kap Stórhöfði auf den Westmännerinseln
Blick auf das Kap und die davor liegende Bucht Vík (rechts) und die Piratenbucht (links).

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