Hiking Tour vom Eqi-Gletscher zum grönländischen Inlandeis auf eigene Faust

Hiking Tour vom Eqi-Gletscher zum grönländischen Inlandeis auf eigene Faust
Hiking Tour vom Eqi-Gletscher zum grönländischen Inlandeis auf eigene Faust

Grönland, Eqi Gletscher und Inlandeis: Wie gebannt blicke ich über die weite Eisfläche, die sich vor uns erhebt. Ich denke an die vielen Forscher und Abenteurer, die es zum Inlandeis zog. An diejenigen, die es erfolgreich durchquerten und auch an diejenigen, die hier geblieben sind. Noch ein paar Schritte vorwärts und ich stehe dort, wo große Geschichten geschrieben wurden. Eine davon ist die der französischen Expeditionen unter der Leitung von Paul-Émile Victor. Seid ihr auch vom Polarvirus infiziert und wollt einmal eure Füße auf das Inlandeis setzen? In meinem Artikel erzähle ich euch, wo und wie ihr auf eigene Faust eine Hiking Tour vom Eqi-Gletscher auf das grönländische Inlandeis machen könnt. Ihr folgt dabei den Spuren des Polarforschers Paul-Émile Victor und könnt auf eurer Wanderung einiges entdecken.


Werbung, unbeauftragt und unbezahlt.


Inhalt

Der Polarforscher Paul-Émile Victor
Französische Polarexpeditionen 1948–1953
Unsere Hiking Tour vom Eqi-Gletscher zum Inlandeis
Anfahrt
Eqi-Gletscher
Der Weg zum Inlandeis
Die Eiskappe
Empfehlungen zum Weiterlesen


Der Polarforscher Paul-Émile Victor

Paul-Émile Victor (1907-1995) war ein berühmter französischer Polarforscher und zudem Gründer der Expéditions Polaires Françaises (1947). Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er die französischen Polarexpeditionen erneut auf. Ferner bezog er auch Deutschland in die aktive Polarforschung mit ein. Die Deutsche Gesellschaft für Polarforschung verlieh ihm daher 1967 ihre höchste Auszeichnung, die Karl-Weyprecht-Medaille.

Seine ersten Expeditionen nach Grönland organisierte er 1934-1935. Im Jahr 1936 überquerte er das grönländische Inlandeis mit Hundeschlitten von West nach Ost. Anschließend überwinterte er bei den Inuit an der Ostküste in Ammassalik. Im Jahr 1939 betrieb er ethnologische Studien in Lappland. Während der Kriegsjahre diente er zunächst bei der französischen Kriegsmarine und anschließend bei der US AirForce. Dort organisierte er unter anderem Rettungsaktionen für verschollene Piloten in den arktischen Regionen.

Vom Eqi-Gletscher (Eqip Sermia) aus führte Paul-Émile Victor in den Jahren 1948 bis 1953 mehrere Expeditionen auf das Inlandeis. Denn von hier ist das Inlandeis verhältnismäßig einfach zu erreichen. Darüber hinaus gibt es einen kleinen natürlichen Hafen, um mit dem Boot zu landen. Der Weg auf die Eiskappe ist relativ kurz und flach. Außer Paul-Émile Victor starteten deshalb auch weitere Polarforscher von hier aus ihre Expeditionen und hinterließen ihre Spuren, denen wir nun folgen.

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Die Französischen Polarexpeditionen 1948–1953

Die Französischen Polarexpeditionen in den Jahren 1948–1953 untersuchten die geophysikalische Eigenschaften des Inlandeises. Ferner führten sie seismische Messungen zur Bestimmung der Eisdicke durch und erforschten die Temperaturen in der Eiskappe. Die Ergebnisse sollten Aufschluss über den Einfluss die grönländische Eiskappe auf die nördliche Hemisphäre liefern.

Die erste Expedition im Jahr 1948 hatte zum Ziel, einen etwa 10 Kilometer langen Weg von der Bucht bis zum Inlandeis sowie eine 200 Meter lange Seilbahn herzustellen. Mit der Seilbahn sollte Ausrüstung von der Talstation bis hoch auf die Kante der Eiskappe transportiert werden können. Es waren insgesamt 28 Wissenschaftler und Techniker bei dieser Expedition im Einsatz.

Im Jahr 1949 errichtete eine Gruppe von 35 Männern die Winterstation «Station Centrale» in der Mitte der Eiskappe. Ausrüstung wurde mit Hilfe von Flugzeugen bis dorthin transportiert. Von der «Station Centrale» aus wurden in den Jahren 1950 bis 1953 erweiterte Expeditionen auf der Eiskappe in Richtung Südost und Nordwest gestartet.

Die Expéditions Polaires Françaises war die erste Organisation, die neue Techniken aus dem 2. Weltkrieg in die Polarforschung einführte. Unter anderem motorisierte Kettenfahrzeuge, Lufttransporte, der Einsatz von Fallschirmen sowie neue Materialien. Heutzutage sind diese auf Expeditionen weit verbreitet. Es wurden Langstreckenfahrten mit Kettenfahrzeugen über das Inlandeis durchgeführt sowie feste Stationen für Beobachtungen eingerichtet. Damit einher ging die Entwicklung von innovativen Techniken für die Polarforschung, zum Beispiel:

  • der Einsatz von Kettenfahrzeugen mit integrierten Unterkünften bei Langstreckenfahrten
  • die Nutzung von Leichtgewicht Metallschlitten für den Transport schwerer Ausrüstung
  • der Lufttransport und Abwurf von Versorgungsgütern
  • Stromgewinnung durch Windgeneratoren unter Extembedingungen

Auf dem Weg zum Inlandeis sind noch immer Spuren der Expeditionen zu sehen.

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Unsere Hiking Tour auf den Spuren von Paul-Émile Victor vom Eqi-Gletscher zum Inlandeis

Anfahrt

Unsere Miniexpedition zum grönländischen Inlandeis beginnt in Illulisat mit einer Fahrt auf dem Ausflugsboot. Es bringt uns zur Glacier Lodge Eqi. Dies ist eine kleine Hüttensiedlung, die rund um die alte Hütte des französischen Polarforschers Paul-Émile Victor errichtet wurde. Schon die etwa 5 stündige Bootsfahrt zum Eqi-Gletscher ist ein besonderes Erlebnis. Die Route führt entlang der Küste nach Norden, vorbei an Bredebugt, der Siedlung Oqaatsut und dem großen Fjordsystem Pakitsoq. Weiter geht es durch die Ataa-Straße, die von steilen Bergen, Vogelfelsen und Wasserfällen umgeben ist. Oft können auf den Fahrten auch Wale und Robben gesehen werden.

Eqi-Gletscher

Den Eqi-Gletscher können wir bereits von weitem sehen. Die Gletscherfront erstreckt sich über ca. 3,4 Kilometer. Die durchschnittliche Höhe beträgt etwa 200 Meter, wovon jedoch nur 30 bis 80 Meter über die Meeresoberfläche hinausragen.

Das Boot bringt uns nah an die Gletscherkante heran. Hier können wir zwei Stunden lang das Kalben des Gletschers aus der Nähe sehen und vor allem auch hören: Denn die Luftblasen, die im Eis eingeschlossen sind, stehen unter Druck. Sobald ein Eisstück abbricht dehnt sich die Luft mit einem lauten donnerähnlichen Geräusch aus. Dem Donnern folgen Wellen. Je größer das abgefallene Stück Eis war, desto höher die Wellen. Eine „Tsunamiwelle“ war sogar mal so hoch und kräftig, dass sie den hölzernen Anlandesteg am Port Victor wegspülte. Nach dem Anlegen des Bootes in Port Victor ist deswegen auch Eile geboten. Wir müssen zügig vom Boot steigen und gleich weiter gehen bis in den ausgewiesenen sicheren Bereich. Dieser ist mit einem Schild gekennzeichnet und liegt etwa 3 bis 4 Meter oberhalb der Wasserlinie.

Der Weg zum Inlandeis

Nach einer Stärkung im Cafe Victor machen wir uns am späten Nachmittag auf in Richtung Inlandeis. Eine Wanderung durch atemberaubende Landschaft, über windige Bergkämme, durch Täler und vorbei an Schmelzwasserseen. Unterwegs beobachten wir mehrere weiße Schneehasen, einen Polarfuchs sowie perfekt getarnte Alpenschneehühner mit Küken.

Bis zum Inlandeis sind etwa 12 Kilometer und 500 Höhenmeter zu bewältigen. Die Strecke ist nicht schwierig zu laufen und an den meisten Stellen auch gut zu erkennen. Etwa auf der halben Strecke finden wir einen tollen Lagerplatz für die Nacht, wo wir unsere Zelte aufschlagen. Windgeschützt hinter einem Felsen und direkt gegenüber ein klarer See mit bestem Wasser. Von hier aus starten wir am nächsten Tag mit leichtem Gepäck unsere Tagestour aufs Inlandeis. Die Zelte bleiben währenddessen für die nächste Nacht an Ort und Stelle stehen.

Wir folgen den Fahrspuren der Expedition. Nach mehreren Jahrzehnten sind diese noch immer deutlich  zu sehen. Mir wird bewusst, wie empfindlich die arktische Natur ist und wie viel Zeit sie benötigt, sich zu regenerieren. Ich bemühe mich, möglichst wenig neue Spuren zu hinterlassen und auf den bereits vorhandenen Wegen und Pfaden zu bleiben

Wir kommen schließlich in ein weites Tal, in welchem sich die Reste der Talstation der Seilbahn befinden. Rund um die Seilbahn liegen weitere Ausrüstungsgegenstände der damaligen Expeditionen teils verstreut, teils zusammengetragen auf einem Haufen. Zu finden sind Reste eines Metallschlittens, ein Kühler, mehrere Benzinkanister. Hinter dem Tal geht es auf einem gewundenen Pfad steil hinauf über einen windigen Bergpass. Dahinter beginnt schon die Gletschermoräne. Der Weg verliert sich zwischen den Steinen und wir suchen uns unseren eigenen Weg durch das leicht ansteigende Geröllfeld. Je näher wir dem Inlandeis kommen, desto spürbarer wurde das Eis. Kalter Wind weht uns entgegen.

Die Eiskappe

Hinter der Gletschermoräne gibt es in Richtung Osten für die nächsten ca. 1000 Kilometer nichts als Eis und Schnee. Ich spüre eine Ehrfurcht vor der Natur in mir, wie ich sie bereits mehrmals in Grönland gespürt habe. Nachdem ich den ersten überwältigenden Eindruck von der Weite verarbeitet habe, geht es ein Stück weiter hinauf auf die Eiskappe. Es gibt hier viel zu entdecken. Verschiedenste Formen und Strukturen im Eis, Löcher und Risse, Spalten und Verwerfungen, Rinnsale und kleine Seen mit Schmelzwasser.

Mit einer Ausdehnung von etwa 1,8 Millionen Quadratkilometern ist das Eisschild etwa fünfmal so groß wie Deutschland und bedeckt ungefähr 82 % der Fläche Grönlands. Im Durchschnitt ist das Eis etwa 1500 Meter dick. An den höchsten Stellen beträgt die Mächtigkeit bis zu 3000 Meter.

Die Tour zum Inlandeis auf den Spuren der alten Polarforscher gehörte zu einem meiner eindrucksvollsten Erlebnisse in Grönland. Wenn ihr lieber nicht alleine unterwegs sein wollt, dann könnt ihr diese Wanderung auch als geführte Tour mit einer Zeltübernachtung im Eqi Base Camp machen. Ausrüstung (Zelt, Schlafsack, matte) werden euch dabei zur Verfügung gestellt. Zudem habt ihr professionelle Guides mit Satelitentelefon bei euch. Buchungen sind zum Beispiel möglich über World of Greenland.

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Empfehlungen zum Weiterlesen

Habt ihr Lust auf mehr Geschichten über Grönlands Inlandeis? Dann stöbert doch mal in meinem Artikel Polarliteratur. Hier habe ich für euch meine Lieblingsbücher über die polare und subpolare Welt zusammen gestellt. Darunter findet ihr gleich mehrere Buchtipps zu Überquerungen des Inlandeises.

Wollt ihr mehr über Reisen in Grönland erfahren? Dann geht’s hier zu meinem Artikel über meine Winterreise in Ostgrönland. Oder lieber gleich zur Galerie?


Wart ihr selber schon mal auf Grönland und wie hat es euch gefallen? Habt ihr noch Fragen zu meinem Artikel? Wenn ja, dann schreibt mir doch einen Kommentar!


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