Rätselhafte Whalebone-Skulptur der Orkneys

Rätselhafte Whalebone-Skulptur der Orkneys
Rätselhafte Whalebone-Skulptur der Orkneys

Schottland. Es sieht aus wie eine Eule, die auf einem Holzpfosten sitzt. Grade breitet sie ihre Schwingen aus und will losfliegen. Doch beim Näherkommen erkennt man, dass die Eule ein großer Knochen ist. Der Pfosten ist ebenfalls ein Knochen. Zwei riesige Walknochen sind hier zu einer eigenartigen Skulptur zusammengesteckt. Wie sind die Knochen hierher gekommen? Und zu welchem Zweck wurde die Whalebone-Skulptur hier auf den Orkneys errichtet?

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Whalebone an der Küste von Birsay - Orkneys
Die Ähnlichkeit mit einer Eule, die ihre Schwingen ausbreitet, ist verblüffend, oder?

Ein Geschenk der Götter

Heutzutage ist es eine Tragödie – doch damals war es ein Geschenk der Götter. Im Jahr 1876 wurde an der Küste bei Northside, Birsay ein riesiger Glattwal angespült. Es wird angenommen, dass er bereits tot war. Walprodukte waren zu jener Zeit äußerst wertvoll. Normalerweise kümmerte sich ein spezialisiertes Unternehmen um die vollständige Verwertung der Kadaver. Dabei wurde der Speck zu Öl und die Knochen zu  Dünger verarbeitet. Doch bei dem Glattwal von Birsay lief es anders.

Doch die einheimischen Männer wollten das Tier selber verwerten – alleine. Und somit mehr Gewinn machen, denn der Verkauf von Walöl war zu dieser Zeit sehr lohnenswert. Sie kauften den Wal und begannen, den Kadaver zu zerschneiden und Speck und Knochen zu verarbeiten. Die eine Hälfte war geschafft. Nun war die andere Seite dran, der Wal musste gewendet werden. Doch die Siedler hatten weder die Manpower noch die Gerätschaften, um dieses Wendemanöver zu bewerkstelligen. Was für eine Enttäuschung! Doch immerhin kamen die Männer von Northside ohne finanzielle Verluste davon. Schließlich blieb der halbe Wal am Strand liegen und verweste. Es soll etwa 25 Jahre gedauert haben, bis der übrig gebliebene Kadaver zersetzt und die Knochen weggewaschen wurden.

Whalebone an der Küste von Birsay - Orkneys
Der Walknochen ist mit gelben Flechten bewachsen.

Das Geheimnis der Whalebone-Skulptur

Doch nicht alle Knochen verschwanden im Meer. Es war damals üblich, dass die Orkadier aus Walknochen allerlei praktische und dekorative Gegenstände anfertigten. So wurde beispielsweise ein Wirbel des Wals als Melkschemel verwendet. Aus einem Kieferknochen und der Rückseite des Schädels entstand die Whalebone-Skulptur, die wohl rätselhafteste Skulptur der Orkneys. Vom Meer und vom Land ist das rund 2 Meter hohe Gebilde bereits von Weitem zu sehen. Es wird vermutet, dass die Skulptur zwischen 1880 und 1890 aufgestellt wurde. Doch wer dies getan hat, ist aber nach wie vor unklar. Welchem Zweck diente dieses Gebilde? Waren die Orkadier abergläubisch und errichteten ein Grabmal für den Wal? Oder dienten die aufgestellten Knochen vielleicht als Landmarke für die Fischer? Es bleibt ein Geheimnis.

Wind und Wetter sowie kletternde Kinder haben an der Whalbone-Skulptur Spuren hinterlassen. Daher hat der Birsay Heritage Trust die Skulptur im Jahr 1997 repariert und die Knochen stabilisiert. Im Januar 2008 wurden die Walknochen jedoch von einem Sturm niedergerissen. Doch auch damals konnte der Birsay Heritage Trust die Skulptur retten. Nun verstärkt eine Metallstange den Kieferknochen und ein Betonfundament sorgt zudem für einen stabilen Stand. Dies mal ein Stück weiter von der Steilküste entfernt. Hoffentlich noch eine lange Zeit!


Walfang in Schottland

Erste Nachweise für Walfang in Schottland wurden in Siedlungen der Bronzezeit gefunden. Dort wurden Walknochen zum Bau und zur Dekoration verwendet. Der kommerzielle Walfang begann dann im Mittelalter. In den 1750er Jahren wurde in den meisten schottischen Häfen Walfang betrieben. Ab den 1770er Jahren fuhren die Walfangflotten in Richtung Davis-Straße und heuerten dafür Besatzungsmitglieder in Stromness an. Auch auf den Orkneys gab es eine Walverarbeitungsfabrik. Doch ab Beginn des 20. Jahrhunderts war die Walfangindustrie rückläufig. Im Jahr 1963 verkaufte schließlich das letzte Walfangunternehmen seine Schiffe und beendete damit den Walfang in Schottland.

Was sind Glattwale?
Anhand des Kieferknochens erkennt man, dass es sich bei dem Wal um einen Bartenwal gehandelt hat. Diese ernähren sich im Gegensatz zu den Zahnwalen von Plankton. Anstelle der Zähne haben die Bartenwale lange Hornplatten im Oberkiefer, die sogenannten Barten. Mit diesen filtern sie das Plankton aus dem Wasser. Bartenwale waren bei Walfängern beliebt, denn sie waren groß und reich an Speck. Außerdem schwammen sie langsam und gingen nicht unter nachdem sie getötet wurden. Bartenwale werden in drei Familien unterteilt: Glattwale, Grauwale und Furchenwale. Die etwa 15 bis 20 Meter langen Glattwale wurden von allen Walen durch Bejagung am stärksten dezimiert.

Blauwalskelett im National History Museum, London. Bild von just-pics auf Pixabay

Spaziergang zur Whalebone-Skulptur der Orkneys

Die Whalebone-Skulptur befindet sich im Nordwesten der Hauptinsel der Orkneys. Ihr fahrt bis an die Landspitze bei Birsay, wo ihr einen Park- und Picknickplatz vorfindet. Die meisten Menschen kommen hierher, um die Gezeiteninsel Birsay und den Brough of Birsay zu besuchen. Um zu der Skulptur zu gelangen, lauft ihr jedoch in die entgegengesetzte Richtung den „Skiba Geo Pfad“ entlang.

Der Skiba Geo Pfad verläuft an einer der schönsten Küsten der Orkneys. Mit etwas Glück könnt ihr auf den Felsen sogar Robben sehen. Etwa auf halbem Weg kommt ihr an einer restaurierten Fischerhütte aus dem 19. Jahrhundert vorbei. Am Fuße der Klippe sind bootsförmige Vertiefungen, sogenannte „Nousts“. Hier haben die Fischer ihre Boote zum Schutz ans Ufer gezogen und den Winter über gelagert.


Kennt ihr die Whalebone-Skulptur auf den Orkneys? Ein eigenartiges, mystisches Ding, oder? Schreibt mir doch einen Kommentar und erzählt mir, wie es euch gefallen hat!

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