Barkhor in Lhasa – Pilgerweg und Shoppingmeile

Barkhor in Lhasa – Pilgerweg und Shoppingmeile
Barkhor in Lhasa – Pilgerweg und Shoppingmeile

China, Tibet. Vor mir läuft eine alte Frau. Ihre Haare sind grau, ihr Rücken ist gebeugt. Sie ist in traditioneller Tracht gekleidet. Sie geht die Kora um den Jokhang Tempel, Schritt für Schritt. Mit ihrer rechten Hand schiebt sie ihren Rollstuhl. Mit ihrer linken Hand dreht sie ihre Gebetsmühle. Langsam gehe ich an ihr vorbei und höre sie ein Mantra leise rezitieren. Ein kurzer Moment, eigentlich ganz unspektakulär. Aber ein Moment, der mich tief berührt hat und mir wohl immer in Erinnerung bleiben wird. Wir haben uns den Pilgern angeschlossen und den Jokhang Tempel dreimal im Uhrzeigersinn umrundet. Erfahrt in meinem folgenden Artikel mehr über den Pilgerweg Barkhor und den Jokhang Tempel in Lhasa, was mir besonders gut gefiel und welche Tipps ich euch für euren Besuch geben kann.


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Inhaltsübersicht und Schnellnavigation

Barkhor – Pilgerweg im alten Lhasa
Rituelle Niederwerfungen
Abends am Barkhor
Barkhor-Platz vor dem Jokhang Tempel
Fotoshooting in tibetischen Kostümen
Jokhang Tempel – heiligster Tempel in Tibet
Im Inneren des Jokhang Tempels


Barkhor – Pilgerweg im alten Lhasa

Der Barkhor ist die Lebensader im alten Lhasa. Er ist zugleich Pilgerweg und Shoppingmeile. Auf 800 Metern führt er um den heiligen Jogkang Tempel herum. Pilger umrunden diesen dreimal im Uhrzeigersinn. In den kühleren Abendstunden gleicht er einer Ameisenstraße. Nirgendwo sonst kommt ihr dem alten Lhasa so nahe wie hier. Die Atmosphäre des Barkhors ist mit einem Zauber gefüllt, wie ich ihn bisher an wenigen Orten erlebt habe. Seine Vielfalt und Lebendigkeit, seine Menschen und seine Geschichten haben mich in ihren Bann gezogen.

Kurz vor Erreichen des Barkhors werden wir allerdings von einer Sicherheitskontrolle gestoppt. Unsere Rucksäcke werden durchleuchtet, unsere Reisepässe und Travel-Permit überprüft. Wir dürfen weiter. Kurz darauf werden wir dann von einem Menschenstrom erfasst. Mönche und Touristen, Junge und Alte, mit oder ohne Gebetstrommel in der Hand. Sie alle laufen zügig im Uhrzeigersinn an uns vorbei. Besonders Gläubige gehen die Kora jedoch in einer Aneinanderreihung von Niederwerfungen.

Tipp 1: Nehmt euren Reisepass und das Travel-Permit mit. Ihr werdet an den Zugängen kontrolliert. Manchmal wird auch nach dem Namen eures Hotels gefragt. Da ist es am einfachsten, eine Visitenkarte des Hotels zu zeigen.

Tipp 2: Lasst euch Zeit am Barkhor, beobachtet und lasst euch treiben. So könnt ihr die besondere Atmosphäre am Besten aufnehmen. Seid offen für alles was ihr seht und entdeckt das Besondere in den alltäglichen Momenten direkt vor euren Augen.

Rituelle Niederwerfungen

Der Ablauf der Niederwerfungen wiederholt sich in einer beeindruckenden Präzision: Zuerst werden die Hände gefaltet, über den Kopf geführt, dann vor die Stirn und die Kehle. Nun schließt sich das eigentliche Verneigen an. Dazu werden die Hände auf dem Boden abgestützt. Beide Knie sind mit dicken Polstern gepolstert. Die Hände werden nun so weit nach vorne geschoben, bis der ganze Körper den Boden berührt. Hierfür werden dicke Handschuhe oder Holzplatten benutzt. Mit diesen gleiten die Hände wie auf kleinen Schlitten über den Asphalt. Anschließend berührt die Stirn den Boden und die Hände werden vor dem Kopf gefaltet. Viele legen einen kleinen Gegenstand am vordersten erreichten Punkt ab, bis zu dem sie dann vorwärts laufen, um dann dort eine erneute Niederwerfung beginnen.   

Tipp 3: Geht immer im Uhrzeigersinn den Barkhor entlang! Nur die Gläubigen der alten Bön-Religion gehen gegen den Uhrzeigersinn.

Tipp 4: Hungrig geworden? Rund um den Barkhor und auch in den Seitenstraßen gibt es viele Restaurants mit leckerem tibetischen Essen und Ausblick von der Dachterasse. Probiert dabei unbedingt die Momos, das sind Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen.

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Abends am Barkhor

Insbesondere in den Abendstunden könnt ihr am Barkhor ein lebendiges altes Lhasa erleben. Es ist dann noch voller als am Tage. Noch mehr Pilgerer sind unterwegs, die den Tempel mit einer Abfolge von Niederwerfungen umrunden. Darunter sind sogar Mütter mit kleinen Kindern. Viele junge Leute treffen sich und umrunden den Tempel gemeinsam. In Pausen sitzen sie auf dem Boden und checken ihre Nachrichten im Smartphone. Zwei ältere Frauen laufen vor uns. Langsam und humpelnd, ihre Körperhaltung zeugt von einem Leben mit harter körperlicher Arbeit. Ich würde zu gerne ihre Geschichten hören. Oder welche Geschichte haben die beiden Mönche, die auf einer Bank hinter den Schutzschildern zweier Polizisten sitzen, während diese nebenan Kaffee trinken? Welche Geschichte hat die Han-Chinesin, die in ein tibetisches Kostüms gekleidet vor dem Tempel posiert und sich fotografieren lässt?

Es sind so viele Eindrücke, Emotionen und Fragen, die auf mich einprasseln. Passend dazu scheinen der dunkle Himmel und die Beleuchtung in den Straßen die Atmosphäre am Barkhor noch heiliger zu machen, als sie tagsüber bereits ist. Ganz besonders beeindruckend ist dabei der der große Barkhor-Platz vor dem Jokhang Tempel. Wir haben hier  so viele Eindrücke gesammelt und es ist schwer, diese in Worte zu fassen. Der Barkhor und der Jokhang Tempel haben eine magische Anziehungskraft.

Tipp 6: Jeder Tibeter sollte einmal im Leben zum Jokhang Tempel gepilgert sein. Die dreimalige Umrundung des Tempels entlang des Barkor und das rituelle Niederwerfen vor dem Eingang sollen vor einer schlechten Wiedergeburt schützen. Besonders viele Tibeter besuchen Lhasa zu dem Saga-Dawa Fest. Sie beten vor dem Jokhang Tempel und gehen die Kora. Während dieser Zeit könnt ihr die Vielfalt der tibetischen Kultur besonders intensiv erleben.

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Der Barkhor-Platz vor dem Jokhang Tempel

Die Atmosphäre vor dem Jokhang Tempel ist ergreifend und ich erinnere mich an die Stimmung vor der Klagemauer in Jerusalem Weihnachten 2016. Hier wird rund um die Uhr gebetet. Vor dem Eingang zum Tempel werfen sich die Gläubigen nieder. Viele von Ihnen haben eigens dafür Matratzen mitgebracht. Einige starten von hier aus ihre Umrundungen, legen Knieschoner, Schürzen und Handschuhe an.

Tipp 7: Zur Dämmerung, wenn die großen Laternen angehen, ist es hier besonders schön und das Licht toll zum Fotografieren.

Zwischen den Gläubigen ist allerdings auch immer wieder Polizei zu sehen. Rechts und links am Barkhor-Platz stehen Polizisten und Einsatzfahrzeuge. Nach Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa, die im März 2008 begannen, wurden hier die Sicherheitskontrollen verschärft. Seit 2009 kam es immer wieder zu verzweifelten Selbstverbrennungen aus Protest. Sie forderten mit ihrer Verzweiflungstat Freiheit für Tibet und die Rückkehr Seiner Heiligkeit des Dalai Lama. Im Mai 2012 haben sich zwei Tibeter am Barkhor-Platz in Lhasa angezündet. Einer von ihnen überlebte. Als Reaktion wurden die Sicherheitsmaßnahmen in Lhasa verschärft. Die Straßen in Lhasa waren voll mit Polizei und paramilitärischen Kräften. Chinesische Sicherheitskräfte beseitigten umgehend alle Spuren des Vorfalls.

Tipp 8: Ein richtig schönes Hotel im tibetischen Stil ist der Shambala Palace Lhasa, nahe am Barkhor. Hat keine eigene Webseite, ist aber bei booking.com zu finden. Hier gibt es auch eine riesige Auswahl an super leckerem Essen.

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Fotoshooting in tibetischen Kostümen

Souvenirgeschäfte, Edelsteine, Kleidung für Mönche, Tangkas und Kostüme. Alles könnt ihr in den Läden am Barkhor bekommen. Kostüme? Ihr habt richtig gelesen. Allein entlang des Barkhor gibt es sechzehn Geschäfte, die tibetische Kostüme für Fotoshootings verleihen. Und es ist schon fast ein gewohnter Anblick am Barkhor: Chinesinnen lassen sich im traditionellen tibetischen Kostüm fotografieren. Die Haare aufwändig gestylt und mit Schmuck verziert. In der Hand oft eine Gebetsmühle. Daneben geht eine alte Frau mit wettergegerbtem Gesicht die Kora um den heiligen Jogkang Tempel. Während sie ihre Gebetsmühle in der Hand  dreht murmelt sie unaufhörlich „om mani padne hum“. Der Barkor lebt von seinen Kontrasten. Hier prallen Welten aufeinander. Ich würde gerne wissen, was die alte Frau über die Chinesin im tibetischen Kostüm denkt, in deren Hand die Gebetsmühle zu einem Fotoaccessoire wird.

Ist die Kostümierung nur ein witziger Touristengag, bei dem sich das Model und der Fotograf nichts weiter bei denken? Oder ist es eine neue Art und Weise, mit welcher China seine Nationalflagge in Tibet hisst und sich die tibetische Kultur aneignet? Wird mit diesen Fotos suggeriert, dass die tibetische Kultur schon immer zu China gehört hat? Oder hat die junge Generation ein ernsthaftes Interesse an der tibetischen Kultur? Meine Fragen blieben leider unbeantwortet. 

Tipp 9: Die Kostüme sind verdammt schön anzusehen. Sowohl in echt, als auch auf den Werbefotos, mit welchen die Kostümverleihe Kunden anwerben. Nehmt euch etwas Zeit und schaut sie euch an. Vielleicht dürft ihr ja auch selber das ein oder andere Foto machen.

Fotografierst du selber auch gerne? Dann wird dir mein Artikel mit Fototipps für den Potala Palast bestimmt gefallen.

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Der Jokhang Tempel – der heiligste Tempel in Tibet

Der Jokhang Tempel wurde im 7. Jahrhundert von König Songtsen Gampo errichtet und ist somit der älteste Tempel Lhasas. Außerdem ist er der heiligste Tempel in ganz Tibet und Zentrum des tibetischen Buddhismus. Sein heutiges Aussehen mit dem Eingang und den goldenen Dächern erhielt der Tempel allerdings erst unter dem V. Dalai Lama im 17. Jahrhundet.

Im Jahr 1959 verschanzten sich zeitweise Freiheitskämpfer im Jokhang Tempel, welcher daraufhin beschossen wurde. Alle religiösen Zeremonien waren im Zeitraum der Kulturrevolution zwischen 1959 bis 1972 zudem verboten. Während dieser Zeit wurde der Tempel als Viehstall genutzt und blieb deswegen weitestgehend erhalten. In den oberen Räumen befanden sich damals die Räume der tibetischen Regierung.

Heute beten die Pilger zu jeder Tageszeit vor dem Tempel. In den steinernen Öfen vor dem Haupteingang werden Rauchopfer aus Kräutern dargebracht. Die zerstörten Statuen sind inzwischen ersetzt worden und seit 1994 zählt der Jokhang Tempel sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Im Inneren des Jokhang Tempels

Nachdem ihr den Haupteingang passiert habt, kommt ihr auf einen Vorplatz, der wiederum zum Platz vor dem eigentlichen Tempel führt. Im Eingang des Tempels wachen die Tempelwächter, die im Buddhismus jeden Tempel und jedes öffentliche Gebäude beschützen. In der Mitte des Tempels sind mächtige Statuen, vor denen sich die Gebetsbänke der Mönche befinden. Entlang der Außenwände befinden sich viele kleine Kapellen. Als Besonderheit des Jokhang Tempels wird ein riesiges dreidimensionales Mandala gezeigt. Gegenüber vom Eingang, am anderen Ende des Raumes, ist die Buddhafigur zu sehen, die Prinzessin Wengcheng dem König als Hochzeitsgeschenk übergab.

Tipp 10: Im Inneren des Tempels sind keine Fotos erlaubt. Nur in den Außenbereichen und auf dem Dach darf fotografiert werden. Nachdem ihr den inneren Bereich verlassen habt, könnt ihr euren Tempelbesuch auf dem Dach bei einem kühlen Getränk ausklingen lassen.

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Wart ihr selber schon mal in Lhasa und seid den Barkhor entlang gegangen? Wie hat es euch gefallen? Habt ihr noch Fragen zu meinem Artikel oder Anregungen? Wenn ja, dann schreibt mir doch einen Kommentar!


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