Trekking um den Mount Kailash

Trekking um den Mount Kailash
Trekking um den Mount Kailash

China, Tibet. Drei Tage Trekking um den Kailash auf dem schwierigsten und höchsten Pilgerweg der Welt. Zusammen mit unzähligen gläubigen Tibetern und Indern brachen wir am Vollmondtag des Saga-Dawa Festes auf. Uns allen gemeinsam war das Ziel, den heiligen Berg zu umrunden. Damit wollten wir nicht nur unsere Sünden des gegenwertigen Lebens tilgen (wäre zu schön) sondern vor allem die bunte Welt des Buddhismus erleben. Das heißt also Gebetsflaggen, geschmückte Pferde und Yaks sowie Tibeter in traditioneller Tracht. Dazu Gebetstrommeln und Gebetsketten, Räucheropfer und kleine Segenszettel, die durch die Luft fliegen. Die Atmosphäre auf dem Pilgerweg ist einzigartig. Jung und Alt vermischen sich, Tibeter und Touristen laufen gemeinsam und jeder begegnet den Anderen mit Freundlichkeit.

In meinem folgenden Artikel erfahrt ihr allerhand Wissenswertes für eure eigene Kora um den heiligen Berg. Neben ein paar nützlichen Empfehlungen für eure Packliste gebe ich euch noch ein paar Tipps, wie ihr euch auf den gefürchteten Pass in 5.630 m Höhe am besten vorbereitet.


Inhaltsübersicht und Schnellnavigation

Saga-Dawa – Buddhas Geburtstag, Tag der Erleuchtung und Todestag
Kailash – Tibets heiliger Berg und Thron der Götter
Kora um den Kailash
Die schwierigste Pilgerroute der Welt
Drei Tage Trekking um den Kailash
Ausgangspunkt Darchen
Erste Etappe: Von Darchen bis zum Dira-Puk Kloster
Tarboche
Zweite Etappe: vom Dira-Puk Kloster bis zum Zutul-Puk Kloster
Aufstieg zum Drölma-La Pass
Abstieg vom Drölma-La Pass
Dritte Etappe: vom Zutul-Puk Kloster bis zurück nach Darchen
Unterkünfte
Anreise
Vorbereitung auf die Höhe
Höhentraining
Packliste
Epilog


Saga-Dawa – Buddhas Geburtstag, Tag der Erleuchtung und Todestag

Das Saga-Dawa ist das wichtigste religiöse Fest in Tibet. Während diesem wird jedes Jahr ein ganzer Monat lang gefeiert. Meistens erfolgt dies im Juni und insbesondere am Vollmondtag. Genauer gesagt wird an diesem Tag nicht nur ein besonderes Ereignis geehrt, sondern gleich drei: Der Geburtstag Buddhas, sein Todestag und der Tag seiner Erleuchtung unter dem Bodhi Baum.

Die Zeremonien am Vollmondtag am Mount Kailash sind zweifelsohne der Höhepunkt des Saga-Dawa. Das Fest wird jedoch nicht nur rund um den heiligen Berg gefeiert. Auch in anderen Orten stellen Gläubige Butterlampen auf, verschönern die Klöster und Tempel oder stellen Sand-Mandalas her.

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Kailash – Tibets heiliger Berg und Thron der Götter

Der Kailash (tibetisch: Kang Rinpoche – Schneejuwel) ist ein schneebedeckter, pyramidenförmiger Berg, der aus der Hochebene Tibets aufragt. Sein Gipfel in 6.714 m Höhe ist noch nie bestiegen worden. Als die chinesische Regierung Reinholt Messner in den 80er Jahren eine Besteigung anbot, lehnte dieser ab. Denn der Gipfel des Throns der Götter – wie der Berg in Tibet auch genannt wird – ist ein religiöses Tabu. Hindus und Buddhisten sowie Anhänger der alttibetischen Bön- und der altindischen Jain-Religion verehren ihn. Durch die besondere Form und Lage, die den Kailash als Berg Meru identifizieren, zählt er zu den bedeutendsten spirituellen Orten und bildet in der Kosmogonie den Weltenberg im Zentrum des Universums.

Jährlich kommen etwa 25.000 Pilgerer nach Darchen, um die Kora um den heiligen Berg zu gehen, das heißt, den Berg einmal zu umrunden. Denn die Reise zum Kailash ist für Tibeter wie die Hadsch nach Mekka für Muslime. Einmal im Leben sollte jeder Gläubige die Pilgerreise vollzogen haben.

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Kora um den Mount Kailash

Das Saga-Dawa Fest ist eine Zeit, um Verdienstvolles zu tun und sich großzügig zu zeigen. Aus diesem Anlass kommen viele Gläubige zum Kailash, um die Kora um den heiligen Berg zu gehen. Eine Kora steht dabei für eine Umdrehung des Lebensrades von der Geburt bis zum Tod. Und wer die Kora um den heiligen Berg Kailash einmal geht, tilgt damit alle Sünden seines gegenwärtigen Lebens. Darüber hinaus tilgen zwölf Umrundungen die Sünden früherer Leben. Wer die Kora schließlich 108-mal geht, kommt direkt ins Paradies (Nirwana). Die Zahl 108 ist im Buddhismus eine heilige Zahl. Besonders gläubige Tibeter umrunden den Kailash in einer Folge von Niederwerfungen.

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Die schwierigste Pilgerroute der Welt

Der Pilgerweg um den Kailash verläuft auf 53 km Länge in einer Höhe von 4.650 bis 5.630 m. Aufgrund der Höhenlage ist es die schwierigste Pilgerroute der Welt. Nicht alle schaffen die Umrundung, viele müssen wegen akuter Höhenkrankheit umkehren. Dennoch ist die Höhenlage nicht das Einzige, was das Trekking um den heiligen Berg zur Herausforderung macht. Vor allem steile Anstiege und Gefälle mit vereisten Stellen, Schotter oder Schlamm erfordern am zweiten Tag der Kora einiges Geschick. Ferner solltet ihr einen Wetterumschwung mit Sturm und Schneefall bei der Wahl der Ausrüstung unbedingt mit einplanen. Sogar im Hochsommer.

Die Kora um den Kailash wird in der Regel in drei Etappen unterteilt und  im Uhrzeigersinn gegangen. Einzig die Anhänger des alten Bön-Glaubens umrunden den Kailash gegen den Uhrzeigersinn.

  • Darchen bis Dira-Puk Kloster (20 km, 5-6 Stunden, 5050 m)
  • bis Zutul-Puk Kloster (18 km, 6-8 Stunden, 4820 m)
  • zurück nach Darchen (14 km, 3-4 Stunden, 4670 m)

Die Pilgerroute um den Kailash war während der Kulturrevolution gesperrt. Erst im Jahr 1981 wurde der Weg wieder geöffnet. Seit 1985 dürfen auch westliche Ausländer wieder die Kora um den heiligen Berg gehen, allerdings nur mit Guide und entsprechendem Permit.

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Drei Tage Trekking um den Kailash

Ausgangspunkt Darchen

Darchen ist der Ausgangs- und Endpunkt für das Trekking um den heiligen Berg. Wir treffen hier unsere letzten Vorbereitungen für die Kora. Das heißt wir kaufen Proviant ein und unser Guide organisiert Träger für das Gepäck. Dabei wird ein Träger jeweils das Gepäck von zwei Personen tragen, allerdings maximal 15 kg. Für jeden Träger zahlen wir 990 Yuan an die Regierung. Diese bezahlt dann im Nachhinein die Träger. Wieviel die Träger von den 990 Yuan dann tatsächlich bekommen, wissen wir nicht.

Am Abend vor dem Vollmondtag herrscht eine aufgeregte Stimmung auf der Hauptstraße. Viele Leute sind unterwegs. Die Geschäfte und Straßenhändler bieten Gebetsflaggen in allen Größen an. Folglich stapeln sich zusammengerollten Flaggen in Regalen, auf Tischen, Bänken und sogar auf Ladeflächen von Lieferwägen. Überdies werden Trekkingstöcke, Wanderstöcke, Wasserkanister, Kochausrüstung und Sauerstoffflaschen angeboten. Und wer grade keine Gebetsflaggen kauft, der amüsiert sich an einem der Open Air Billardtische.

Übrigens: Wer sich nicht fit genug fühlt, die Kora um den heiligen Berg komplett selbst zu laufen, kann hier in Darchen auch ein Pferd mit Horseman mieten. Im Jahr 2019 kostete ein Pferd mit Horseman für drei Tage 24.000 Yuan.

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Erste Etappe: Von Darchen bis zum Dira-Puk Kloster

Zum Saga-Dawa Fest wird am Vollmondtag am Fuß des Kailash ein neuer Flaggenmast (Tarboche) aufgestellt. Schon am frühen Morgen strömen die Pilger aus Darchen zum Tarboche. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung auf dem Pilgerpfad, es wird gegrüsst und es werden Selfies gemacht. Währenddessen fahren auf der benachbarten Schotterstrasse Autos hupend nach Tarboche und ziehen eine breite Staubfahne hinter sich her.

Die meisten Tibeter sind festlich gekleidet mit bunten Chubas aus buntem Brokat und viel Schmuck, hauptsächlich aus Türkisen. Zusätzlich haben die Frauen bunte Bänder in ihr Haar geflochten. Manche von ihnen haben anschließend die langen Zöpfe kunstvoll um ihren Kopf gelegt. Viele tragen ihre Gebetsketten oder Gebetsmühlen in der Hand und murmeln Gebete vor sich hin.

Nördlich von Darchen beginnt der Pilgerweg. Zunächst ist der Weg von Cairnen und Manisteinen gesäumt. Nach etwa einer Stunde erreicht ihr eine mit Gebetsfahnen geschmückte Stupa. Hier ist der erste von vier Punkten für die religiöse Niederwerfung. Es ist zudem der erste Punkt, wo sich der Kailash zeigt. Ein guter Ort für eine Pause. Die Pilger beten, werfen kleine Segenszettel mit dem fliegenden Pferd in die Luft oder befestigen ihre mitgebrachten Gebetsfahnen.

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Tarboche

Der Tarboche ist etwa 7 km von Darchen entfernt. Diese Distanz könnt ihr entweder innerhalb etwa 2,5 Stunden zu Fuß bewältigen, oder ihr nehmt den kräftesparenden Ecobus.

Als wir uns dem Tarboche nähern, sehen wir den Platz für den Flaggenmasten schon von weitem. Dort ist ein riesiger Bereich zu einem Meer aus Gebetsflaggen geworden. Auf dem Weg bis dorthin bieten Händler Gebetsflaggen und Segenszettel sowie Essen, Trinken, Schmuck und weitere Souvenirs an.

Plötzlich hören wir die Menge vor uns jubeln. Es ist 10:30 Uhr und der Flaggenmast wird gehisst. Wir sehen es nur aus der Ferne. Aber wir sehen auch, dass er plötzlich nicht mehr steht. Mit einem Mal ist die Stimmung angespannt. Es dürfen keine Fotos mehr gemacht werden. Normalerweise darf bis auf Polizei und Militär hier fotografiert werden. Von zwei Mitreisenden unserer Gruppe werden die Kameras kontrolliert, einer muss sogar Bilder löschen. Unser Guide treibt uns eiligst einmal im Uhrzeigersinn um den Tarboche und dann weiter den Pilgerpfad entlang. Den zweiten Versuch, den Mast aufzustellen, sollen wir nicht mehr mitbekommen. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Die Tibeter glauben, es bringe Unglück, wenn der Mast umfällt.

Übrigens: Falls ihr nicht die kompletten 54 km um den Kailash gehen wollt, könnt ihr auch hier die Kora gehen. Denn 13 Umrundungen des Flaggenmasten entsprechen einer Kora um den heiligen Berg.

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Zweite Etappe: vom Dira-Puk Kloster bis zum Zutul-Puk Kloster

In der Nacht hat es geschneit. Nun ist alles mit weißem Puderzucker überzogen. Für den Nachmittag ist noch mehr Schnee und Wind angesagt. Es kommt zu Diskussionen in der Gruppe. Sollen wir gehen oder umkehren? Letztendlich entscheiden wir uns fürs Weitergehen und starten um 7:15 Uhr zum Drölma-La Pass. Von nun an geht es vier Stunden bergauf, bis auf 5.630 m Höhe. Langsam erwacht der Tag und erstes Licht taucht die Berglandschaft in eine tolle Szenerie. Eine Frau mit Baby auf dem Rücken überholt uns, zugleich sprinten zwei Kinder an uns vorbei. Indessen bewegen sich drei Gläubige nur mit Niederwerfungen den Pass hinauf, über Steine, durch Schlamm und Schnee. Sie tragen dicke Handschuhe, Polster an den Knien und eine gepolsterte Schürze. Wir überholen sie und empfinden währenddessen große Hochachtung. Nach zwei Stunden machen wir unsere erste Pause im beheizten Zelt, wo wir die kalten Hände und Füße auftauen.

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Aufstieg zum Drölma-La Pass

Nach der Pause wird der Weg zum Drölma-La Pass noch steiler, so dass ich immer wieder anhalten und verschnaufen muss. Während dessen sehe ich andere erschöpfte Pilgerer, die aus ihren mitgebrachten Sauerstoffflaschen atmen. Auf beiden Seiten des Weges liegen leider auch viele weggeworfene Flaschen. Eine Frau wird links und rechts gestützt und den Pass eher hochgetragen, als dass sie selber läuft. In diesem Moment bin ich froh über mein vorheriges Höhentraining und die gute Höhenakklimatisation, die wir zuvor hatten. Denn hier oben hat die Luft nur noch etwa die Hälfte des Sauerstoffgehaltes wie auf Meereshöhe.

Kurz vor dem Pass hängen bereits viele Gebetsflaggen. Es ist ein Streckenabschnitt, wo Pilgerer gerne persönliche Gegenstände von sich hinterlassen. Neben Schuhen, Armbändern und Tüchern finden wir aber auch zahlreiche Süßigkeiten am Wegesrand. Sobald wir am gefürchteten Pass in 5.630 m Höhe angekommen sind herrscht große Freude, es werden Selfies gemacht und Gebetsfahnen aufgehängt.

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Abstieg vom Drölma-La Pass

Der Weg bergab ist technisch anspruchsvoll. Er ist nicht nur steil, sondern auch glatt. Immer wieder sehen wir Pilgerer ausrutschen. Ich bin froh über meine Treckingstöcke, die mir auf den vereisten Stellen Halt geben. Nachdem mein Partner ausgerutscht ist, greift unsere tibetische Trägerin ein: sie gibt einen meiner Treckingstöcke meinem Partner, so dass er zwei hat, und nimmt mich – da ich kleiner bin – an die Hand. Ich war echt gerührt, wie sie sich um unsere Sicherheit sorgte. Sie ließ uns nicht aus den Augen. Und es half wirklich, sich gegenseitig abzustützen. Später war ich dann gut in Übung und konnte sogar selber Hilfestellung geben und eine Tibeterin beim Klettern unterstützen.

Das weiße Versorgungszelt sehen wir schon von weitem. Kurz darauf wärmen wir uns auf und stärken uns mit Tee und Instantnudeln. Diese sind das einzige Essbare, das es in den Zelten gibt. Doch während wir uns nach der Passüberquerung schon fast auf unseren Lorbeeren ausruhen wollten, hat sich draußen das Wetter verändert. Die nächsten drei Stunden werden wir von frontalen Wind, Schnee und Graupel begleitet. Wir waren froh, dass das Wetter nicht schon am Pass umgeschlagen ist und beeilen uns, zu unserer Unterkunft zu kommen. Im Nachhinein erfahren wir von unserem Guide, dass kurze Zeit nach unserem Aufbruch am Morgen keine Pilgergruppe mehr zum Pass aufgebrochen ist. Wegen Schlechtwetter sind viele Pilgerer umgekehrt oder haben einen Tag abgewartet.

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Dritte Etappe: vom Zutul-Puk Kloster bis zurück nach Darchen

Am Morgen begrüßt uns die Sonne wieder, es liegt Schnee und die ersten Pilgerer machen sich auf den Weg. Es gibt typisches tibetisches Frühstück: Naan (tibetisches Brot) mit Omelett.

Anschließend besuchen wir noch das Kloster und brechen dann zu unserm letzten Tag der Kora auf. Die Landschaft ist atemberaubend, der Weg führt entlang eines breiten Flusses. Rechts am Weg sind immer wieder Manisteine aufgehäuft und wir kommen am vierten Punkt für Niederwerfungen vorbei.

Nach etwa drei Stunden erkennen wir den Ort Darchen in der Ferne. Bis dorthin führen die letzten Kilometer durch ein trockenes Gebiet, das anscheinend den Pfeifhasen sehr gefällt. Der Boden ist übersät mit Löchern, in die wir immer wieder die kleinen possierlichen Tierchen verschwinden sehen.

Je näher wir Darchen kommen, desto schwerer werden meine Beine. Wir werden immer langsamer, trödeln und machen viele Fotos. Die letzten Schritte von unserem Trekking um den Kailash führen uns zum Lunch in das Restaurant, wo unser Aufenthalt in Darchen vor vier Tagen begann

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Unterkünfte

Übernachtet haben wir während dem Trekking um den Kailash in einfachen Gasthäusern mit Schlafsälen. Strom gab es nicht, ebenso wenig eine Heizung. Die Toiletten waren außen in separaten Toilettenhäusern. In den Nächten kühlte es sich bis unter null Grad ab. Da die Bettdecken in den Gasthäusern nicht sehr dick waren, freute ich mich über meinen eigenen warmen Schlafsack.

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Anreise

Ausgangspunkt für das Trekking um den Kailash ist in der Regel der kleine Ort Darchen in 4.650 m Höhe. Es ist die einzige Siedlung entlang der Strecke. Die Anreise nach Darchen erfolgt mit dem Auto oder Bus vom etwa 1.200 km entfernten Lhasa und führt über mehrere über 5.000 m hohe Pässe. Das hört sich erstmal weit an, aber langweilig wird dies keineswegs. Zum Einen könnt ihr unterwegs mehrere Klöster besuchen, zum Anderen bekommt ihr während der Fahrt eine erste Höhenanpassung. Und letztere braucht ihr für das Trekking um den Kailash auf jeden Fall.

Hier erfahrt ihr mehr über die Klöster, die ihr auf dem Weg von Lhasa nach Darchen besuchen könnt. Und wenn ihr vorher oder nachher noch in Lhasa seid, dann intertessieren euch bestimmt auch meine Artikel über den Barkhor und den Potala Palast.

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Vorbereitung auf die Höhe

Eine ernüchternde Tatsache vorab: Auch wenn ihr noch so eine gute Kondition habt – sie schützt euch nicht vor Höhenkrankheit. Auch Ausdauerprofis können die Höhe möglicherweise nicht vertragen. Im Gegensatz dazu müssen Personen mit wenig Ausdauer nicht zwangsweise höhenkrank werden. Jedoch hilft es beim Wandern bergauf natürlich ungemein, wenn man eine gute Kondition und kräftige Oberschenkel hat. Ihr solltet also versuchen, eine der Tour angemessene, körperliche Fitness mitzubringen.

Wenn ihr mehr zum Thema Höhenkrankheit wissen wollt, kann ich euch eine medizinische Beratung empfehlen. So testet zum Beispiel das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT) auch auf Höhentauglichkeit. Dabei atmet ihr eine Stunde lang sauerstoffreduzierte Luft, die eine Höhe von 3.500 m simuliert. Währenddessen wird regelmäßig euer Puls, Blutdruck und Sauerstoffgehalt im Blut kontrolliert. Aufgrund dieser Daten kann der Arzt dann sagen, wie gut und schnell sich euer Körper an die Höhe anpasst. Zudem könnt ihr hier auch ein Rezept für Diamox (Wirkstoff Acetazolamid) gegen Höhenkrankheit bekommen.

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Höhentraining

Wenn ihr euch darüber hinaus noch weiter vorbereiten wollt, könnt ihr auch noch ein sogenanntes Höhentraining machen. Mit eigentlichem Training hat es allerdings wenig zu tun, denn ihr sitzt nur eine Stunde auf einem Stuhl und atmet sauerstoffreduzierte Luft. Das Training sollte mindestens fünfmal wiederholt und ein bis zwei Wochen vor der geplanten Abreise durchgeführt werden. Bei meinem Training wurde am Ende eine Höhe von 5.500 m simuliert –  da habe ich schon einen deutlichen Effekt gespürt. Und es war interessant anzusehen, wie durch tiefes und bewusstes Atmen der Sauerstoffgehalt in meinem Blut sofort wieder anstieg. Das war sehr hilfreich in den echten Bergen.

Zusammenfassend hier die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Höhenkrankheit:

  • Ausreichende Dauer für die Höhenakklimatisation einplanen und langsam Höhe gewinnen. Empfohlen werden bis zu 500 hm Höhengewinn pro Tag oberhalb von 2.500 m
  • Sofern ihr das beeinflussen könnt: die Schlafplätze sollten niedriger liegen als das erreichte Tagesmaximum
  • Reichlich trinken, ggf. das Wasser mit Mineralstoffen anreichern
  • Auf tiefes Atmen achten
  • Ibuprofen und Diamox in die Reiseapotheke einpacken und verantwortungsvoll einsetzen

Da ich bei einer Reise im Himalaya ein paar Jahre zuvor bereits schlechte Höhenerfahrungen gemacht habe, bin ich vorsichtiger geworden. Deswegen hatte ich an den beiden Tagen, an denen wir in einer Höhe über 5.000 m übernachtet haben, zur Vorbeugung von Höhenkrankheit mittags eine Tablette Diamox genommen. Eine häufig beobachtete Nebenwirkung trat dann leider auch am Abend ein: das Kribbeln in den Händen.

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Packliste

Im Folgenden habe ich ein paar Dinge aufgelistet, die ich beim Trekking um den Kailash nicht missen wollte:

  • 2 Trekkingstöcke
  • Feste wasserdichte und eingelaufene Trekkingstiefel
  • Regenkleidung
  • Thermounterwäsche
  • Warme, wasserdichte Handschuhe
  • Gute Sonnenbrille, am besten eine Gletscherbrille mit seitlichem Windschutz
  • Sonnencreme
  • Lippenpflege mit UV Schutz
  • Warmer Schlafsack
  • Taschentücher (auch als Toilettenpapier)
  • Feuchttücher als Ersatz für eine Dusche
  • Stirnlampe
  • Ausreichend geladene Ersatzakkus für die Kamera (erwartet keinen Strom in den Gasthäusern)
  • Evtl. Powerstation fürs Handy
  • Snacks, z.B. Trockenfrüchte, Nüsse, Schokoriegel
  • Thermoskanne und Teebeutel, ggf. Instantkaffee. In den Verpflegungszelten und den Gasthäusern könnt ihr kostenlos heißes Wasser bekommen.
  • Diamox gegen Höhenkrankheit
  • Ibuprofen gegen Höhenkopfschmerzen
  • Ggg. Halsbonbons und Meersalznasenspray, wenn ihr empfindliche Schleimhäute habt. Durch die Höhenluft trocknen diese schnell aus.

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Epilog

Bin ich mit dem Trekking um den Kailash nun alle Sünden aus meinem Leben losgeworden, so wie es die Buddhisten und Hindis glauben? Möglicherweise bin ich der Erleuchtung ein Stück näher? Oder habe ich für mich nur Muskelkater von der Kora mitgenommen? Jetzt, wo ich wieder auf angenehmen 4.650 m Höhe in Darchen bin, rauben mir nach wie vor alle kleinsten Anstrengungen den Atem. So frage ich mich im Nachhinein, wie ich es über den 5.630 m hohen Pass geschafft habe. Die Nacht zuvor hatte ich nur etwa eine Stunde geschlafen. Morgens nach dem Frühstück meinte ich noch zu meinem Partner, dass mein Energielevel nahe null ist.

Es war noch dunkel. Völlig übermüdet stellte ich meine Trekkingstöcke auf die richtige Länge ein. Plötzlich wurde von einer Person aus der Gruppe die Diskussion gestartet, ob wir nicht lieber umkehren sollten. Sie fühlte sich den Bedingungen nicht gewachsen. Da wurde mir klar, wie sehr ich die Passüberquerung zumindest versuchen will. Umkehren können wir immer noch. Ich war unserem Guide sehr dankbar, der allen Mut machte und unserer Mitstreiterin versicherte, an ihrer Seite zu bleiben und sie erforderlichenfalls zu unterstützen. Kurz darauf brach unsere kleine Gruppe auf. Und alle kamen wohlbehalten an.

Ich habe auf der Tour viel über mich selbst, über meine mobilisierbaren Energiereserven und meine eigenen Grenzen gelernt. Vor allem wie man in kleinen, kontinuierlichen Schritten (hier sogar wortwörtlich zu verstehen) ein noch so entfernt erscheinendes Ziel erreichen kann. Das bewusste Konzentrieren auf jeweils nur den nächsten Schritt hat mr dabei sehr geholfen. Und trotz aller Anstrengung hatte ich die ganze Zeit über ein glückliches Lächeln im Gesicht. Und in meinem Kopf hat an jenem Abend ein neuer Wunsch Wurzeln geschlagen: Meinen ersten 6.000er und danach einen 7.000er in Angriff nehmen.

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Wart ihr selber schon mal in Tibet und habt den Mt. Kailash umrundet? Wie hat es euch gefallen? Habt ihr noch Fragen zu meinem Artikel oder Anregungen? Wenn ja, dann schreibt mir doch einen Kommentar!


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