In meiner Heimatstadt hatte eines Nachts ein Schelm Waschmittel in den Brunnen auf dem Marktplatz geschüttet. Am Morgen danach hat man vor lauter Schaum den Brunnen kaum mehr sehen können. Die Kinder waren hellauf begeistert und spielten in den Seifenblasen. Gegen Mittag zog die Stadtreinigung den Stöpsel, spülte ein bisschen nach und das Seifenwasser floss in die Kläranlage. Dort übernahmen dann spezielle Bakterien den Abbau der Seifenrückstände. 

Doch was passiert eigentlich mit Seifenrückständen in der Natur? Reicht es, biologisch abbaubare Ökoseife zu kaufen? Kann man sich von oben bis unten einseifen und dann zum Abspülen in den See springen? Auf diese Fragen kann es nur ein klares NEIN geben! Warum das so ist und wie man es besser macht erfahrt ihr weiter unten.

So schön! Aber definitiv weder Waschbecken noch Badewanne. Wie wärs als Print für die Wand im Badezimmer?

Gewässer sind keine Waschbecken sondern sensible Lebensräume

Gewässer und Uferzonen sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Für viele Arten sind grade die Übergangsbereiche zwischen Land und Wasser als Brutplätze und Kinderstuben von Bedeutung.

Grade die Uferbereiche sind besonders sensibel und leider auch den meisten Beeinträchtigungen ausgesetzt. Am offensichtlichsten sind mechanische Beeinträchtigungen durch Trittbelastung, die optische Verunreinigung durch angespülten Müll oder Essensreste vom Abwasch. Ufer- und Flachwasserbereiche liegen oft geschützt und das Wasser steht hier länger und ist wärmer als im Freiwasser. Das hat zur Folge, dass sich in diesen Bereichen Rückstände vom Waschwasser weniger schnell im Wasser verteilen. Schon eine kleine Menge Seife kann den pH-Wert hier ins Alkalische verändern und somit die Lebensbedingungen vieler Tiere und Pflanzen beeinträchtigen. Zudem reduziert Seife die Oberflächenspannung von Wasser, was für Wasserläufer und Rückenschwimmer zum Problem wird. Die mit der Seife eingetragenen Nährstoffe lassen Algen und Wasserpflanzen über das normale Maß wachsen. Das Wasser wird trüb, der Sauerstoffgehalt sinkt durch zunehmende biologische Abbauprozesse und die Artenzusammensetzung im See kann sich auf lange Sicht verändern.

Übrigens: Das Wasserhaushaltsgesetz schreibt in §9 vor, dass das „Einbringen von Stoffen in Gewässer“ verboten ist und dass gemäß §5 jeder einer allgemeinen Sorgfaltspflicht nachkommen muss.

Der beste Grund, sich auf Trekking-Tour nicht im Gewässer zu waschen, ist nicht die Vorschrift sondern die Natur selbst.


Was heißt biologisch abbaubar?

Biologisch abbaubare Seife klingt doch ziemlich gut. Aber was bedeutet das eigentlich? Erstmal nichts weiter, als dass die Seife biologisch abbaubar ist. Es gibt also Mikroorganismen, die unter bestimmten Bedingungen innerhalb einer bestimmten Zeit den Stoff abbauen können. Meistens handelt es sich hier um optimale Laborbedingungen. Abbauen heißt dabei, einen Stoff über verschiedene Zwischenprodukte bis hin zu Kohlendioxid und Wasser sowie Mineralstoffen zu zersetzen.

Der Haken an der Sache ist: Die Bakterien, die das machen, leben überwiegend im Boden. Am aktivsten sind sie, wenn es warm ist und ausreichend Sauerstoff im Boden vorhanden ist. Das Haarshampoo und die Abwaschlauge werden also im kalten Wasser eines Sees in Nordschweden ziemlich lange erhalten bleiben

Trinkwasser: Baden Verboten. An der Munkebu-Hütte auf den Lofoten ist alles klar geregelt.
Auch für das Abwasser gibt es an der Munkebu-Hütte klare Regeln.

Trinkwasser wird zur Krankheitsquelle

Ich komme grade von zwei Trekkingtouren auf den Lofoten und in Nordschweden zurück. In einer Bucht auf den Lofoten war das Wasser in den Bächen so verunreinigt, dass auf Schildern vor dem Trinken von unbehandeltem Wasser gewarnt wurde. In Nordschweden wurden mehrere Hütten entlang des Kungsleden geschlossen, da es durch verunreinigtes Wasser vermehrt zu Magen-Darm-Infektionen kam. Neben der Nutzung der Gewässer als Waschbecken war hier die Hauptursache, dass sich viele Wanderer nicht darum geschert haben, wo sie ihr großes Geschäft verrichten.


The Daily Soap Opera – Waschen auf Trekking-Tour

Einfach und bewährt: die Katzenwäsche

Zuerst die einfachste Lösung, die mir persönlich am besten gefällt und sich bisher gut bewährt hat. Katzenwäsche mit klarem Wasser oder ggf. mit Feuchttüchern. Letztere kommen dann in den Müllbeutel und werden nach der Tour entsorgt. Diese Katzenwäsche funktioniert bei mir gut, weil ich meist in kühlen Gegenden unterwegs bin und mich so kleide, dass ich bei anstrengendem Bergauflaufen mit Rucksack nicht ins starke Schwitzen komme.

Mindestens 60 Meter Entfernung zum Gewässer

Das gilt nicht nur für ein Vollbad im See, sondern auch fürs Zähneputzen, Wäsche waschen und Geschirrspülen gleichermaßen.

Als Seife kommen nur biologisch abbaubare Produkte in meinen Rucksack. Verschiedene Hersteller werben mit Camping-Seifen und Waschmitteln für den Outdoor-Bereich. Wenn ihr euch die Beschreibungen der Produkte mal genauer anschaut, dann solltet ihr den Hinweis finden, dass diese Produkte nicht in das Wasser eingebracht werden dürfen und mit Abstand zum Gewässer verwendet werden müssen. Das gilt auch für biologisch abbaubare Seife! Auch diese wird in der Natur hauptsächlich von Bakterien abgebaut, die im Erdboden leben. Als Faustregel merkt euch 60 Meter Abstand vom Gewässer. Entsorgt das Wasser dann über Erdboden indem ihr es großflächig verteilt. Um das Wasser zu transportieren, verwende ich neben meinen beiden 1-Liter Nalgene Flaschen auch einen wasserdichten Packsack.

waschen auf Trekking Tour - so nicht
Waschen auf Trekking-Tour: so besser nicht! Seifenrückstände samt Klopapier neben einem Camp auf den Lofoten.

Eine haarige Angelegenheit: Haare Waschen auf Trekking-Tour

Etwas schwieriger gestaltet sich bei mir das Haare Waschen. Bei meinen langen Haaren brauche ich schon eine ganze Menge Wasser und auch Seife. Daher warte ich damit am liebsten bis zum nächsten Campingplatz oder zur nächsten festen Unterkunft. Wenn ich doch mal unterwegs Haare waschen muss, dann fülle ich Wasser in einen wasserdichten Packsack mit einer besonders großen Öffnung und tauche dann meinen Kopf hinein. Während ich meine Haar einseife, schließe ich den Rollverschluss des Beutels und habe beide Hände frei. Zum Abspülen tauche ich meinen Kopf wieder in den Beutel und spüle nochmal mit frischem Wasser nach. Ich fange das ganze Waschwasser im Beutel auf. Wenn ich noch Wäsche zu waschen habe, dann kommt diese nun in meine “Tour-Waschmaschine”. Anschließend wird das Wasser an geeigneter Stelle großflächig verteilt.

Geht auf Trekking-Tour auch ohne – Wäsche waschen und Geschirrspülen ohne Seife

Beim Geschirrspülen kann man meist ganz auf Seife verzichten. Angetrocknete Reste einfach einweichen lassen, mit Sand abrubbeln oder Fett durch heißes Wasser lösen.

Auch ein durchgeschwitztes T-Shirt oder die alten Socken werden nach längerem Einweichen im Wasser wieder tragbar – ganz ohne Seife. Was außerdem hilft, ist die Wahl des richtigen Materials: ich setzte seit Jahren auf Merinoshirts und Socken, denn die riechen weniger schnell und wärmen auch noch im nassen Zustand.

socken waschen auf Trekking Tour durch Einweichen im Fluss
Duch längeres Einweichen werden die Socken auch wieder tragbar.
Erstmal einweichen – dann geht’s auch ohne Seife

Weitere Tipps fürs Waschen auf Trekking-Tour

  • Duschen und Wäsche waschen am besten auf einem Campingplatz.
  • Bioseife verwenden = keine synthetischen Stoffe, Parabene, Silikone, Farbstoffe, künstliches Parfum, Mikroplastik, Palmöl und ohne Tierversuche! Ätherische Duftstoffe vermeiden, da diese auch nur langsam abgebaut werden.
  • Trekkingseifen sind hoch konzentriert, daher diese nur sparsam verwenden.
  • Mit fester Dusch- und Haarseife könnt ihr Plastikmüll reduzieren.
  • Beim Zähneputzen nicht alle Zahnpasta auf eine Pflanze spucken sondern wie eine Sprühfontäne flächig verteilen.
  • Mit Handdesinfektionsmitteln, die nicht abgespült werden müssen, könnt ihr die Hände waschen, ohne euch Gedanken über die Abwasserentsorgung zu machen.
  • Wo Süßwasser knapp ist, schwimmt lieber nicht in Bächen oder Tümpeln. Sonnencreme und Insektenschutzmittel können diese lebenswichtigen Wasserquellen schnell verunreinigen.


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