Wildtierfotografie – natürlich mit Respekt

Nicht jedes gute Bild ist ein gutes Bild. Doch oft erkennt man das erst auf den zweiten Blick. Und auch nur, wenn der Blick etwas über den Bildausschnitt hinaus geht. Was man dann sieht, kann das genaue Gegenteil von dem sein, was das Foto zeigt: Trampelpfade hinter Absperrungen, aufgeschreckte oder angefütterte Wildtiere oder rücksichtsloses Lärmen und Drängeln an Beobachtungsplattformen. Damit Wildtierfotografie nicht auf Kosten der Tiere geht, sind ein paar Dinge zu tun…oder eben auch nicht zu tun.

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Der Zauberstab der Wildtierfotografie: ein Teleobjektiv mit großer Brennweite…
…dann gelingen auch Bilder, ohne dass die Tiere was davon mitbekommen.

Ohne Plan kein Bild – Recherche und Vorbereitung

Ein gutes Foto will geplant werden. Landschaftsfotografen wissen dies und nutzen für die Planung des Lichtes, des Sonnen- oder Mondstandes Apps wie beispielsweise Photo Pills. Auch die Wildtierfotografie will geplant werden, denn je mehr ihr über die Tierart und deren Verhalten wisst, umso größer sind eure Chancen auf ein gutes Bild.

Und warum ist eine gute Planung wichtig für die Tiere?

Wenn ihr wisst, wo und wie die Tiere leben, welchen Rhythmen sie folgen und wann sie am empfindlichsten auf Störungen reagieren, dann könnt ihr euer Verhalten daran ausrichten und stört die Tiere weniger. Außerdem seid ihr selbst dann sicherer unterwegs. Denn mit manchen Tieren ist während der Brutzeit oder wenn sie Nachwuchs führen, nicht zu spaßen. Das sollte man wissen. Beispiele dafür sind die Küstenseeschwalben oder Bachen mit Frischlingen.

Je nach Vorhaben stelle ich mir dann folgende Fragen, bevor es los geht:

  • Wo lebt die Tierart und zu welcher Saison / Tageszeit sind die Tiere wo genau zu sehen? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit einer Sichtung?
  • Wie verhalten sich die Tiere zu der jeweiligen Saison / Tageszeit (Fressen, Ruhen, Balz…)? Wie reagieren die Tiere in diesem bestimmten Habitat auf Menschen (Flucht, Aggression, Annäherung)?
  • Wann sind die Tiere am hübschesten (Prachtkleid)?
  • In welchem Monat können Jungtiere beobachtet werden oder das Balzverhalten?
  • Welchen Schutzstatus hat das Tier? Lebt es in einem Schutzgebiet und wenn ja, welche Regeln gelten dort?
  • Gehen Gefahren von dem Tier oder von dem Habitat, wo es lebt, aus?
  • Welche Ausrüstung benötige ich, um das Tier zu fotografieren? (z.B. Makro- oder Teleobjektiv)?

Grundsätzliches: Nicht stören und nichts zerstören

Sobald man als Fotograf ein interessantes Tier entdeckt hat, ist es schwer, der Versuchung zu wiederstehen und näher heranzugehen. Das kenn ich selbst nur zu gut. Doch näher herangehen bringt in den meisten Fällen sowieso nichts. Durch die Bewegung und Geräusche, die man beim Gehen macht, vertreibt man das Tier ohnehin. Sobald das Tier aufhört zu fressen, den Kopf hebt und in eure Richtung schaut, seid ihr zu nah und stört das Tier. Es wird nun fliehen oder eventuell auch angreifen. Oder vielleicht auch nur so tun als ob.

Wenn ihr folgenden Grundsätzen folgt, dann werden euch die Tiere das danken:

  • Beobachtet die Reaktionen der Tiere und zieht euch zurück, sobald das Tier nervös wird.
  • Seid wachsam während der Brutzeit, dass ihr nicht zu nah am Nest seid. Achtet auf die Warnrufe der Vögel.
  • Jungtiere sind meist neugierig und kommen eventuell sogar auf euch zu. Tretet den Rückzug an, auch wenn es noch so schwer fällt.
  • Geratet niemals zwischen Muttertier und Jungtier.
  • Folgt keinen Tierspuren ins Unterholz, da dieses ein wichtiger Rückzugsort ist, insbesondere im Winter und zur Brutzeit.
  • Jede Fluchtreaktion des Tiers verbraucht Energie. Insbesondere im Winter bei Nahrungsmangel kann das kritisch werden.
  • Versperrt den Tieren nicht ihren Fluchtweg.
  • Füttert Tiere nicht an.
  • Ruft nicht in Richtung der Tiere und werft nichts nach ihnen, nur um ein besseres Foto zu bekommen.
  • Verändert keine Nester, fasst keine Eier an.
  • Verwendet bei nachtaktiven Tieren kein Blitzlicht, da ihre empfindlichen Augen sonst stark geblendet werden. Ein weniger intensives kontinuierliches Videolicht ist hier besser geeignet.
  • Haltet Abstand zu Bruthöhlen, Nestern oder Schilfgürteln (insbesondere wenn ihr mit einem Boot unterwegs seid).

Nestfotografie

Kein Bild ist es wert, das Leben eines Tieres aufs Spiel zu setzen. Doch zu schnell kann es passieren, dass man Elternvögel bei der Brut so sehr stört, dass sie das Brüten aufgeben oder die Jungen im Stich lassen. Eier und Küken kühlen dann aus, verhungern oder werden zum Snack für den Seeadler oder Waschbären. Es ist unbedingt zu vermeiden, die Tiere in dieser wichtigen Zeit zu stören. Das heißt Abstand halten von Nestern oder fütternden Tieren.

Nestfotografie ist den Profis vorbehalten, die mit langen Brennweiten aus einem Versteck heraus fotografieren und wissen, was sie tun. Mit Telelinsen zwischen 600 und 800 mm Brennweite, einer Fotohütte oder anderweitiger Tarnung sowie mit viel Feingefühl für die Tiere ist manches noch möglich, was mit dem Smartphone eben nicht mehr geht. Aber manchmal ist auch etwas Glück dabei, denn es gibt auch günstige Brutplätze unter einem Dachsims, vor dem Fenster oder auf dem eigenen Balkon, wo man dann etwas näher am Geschehen ist. Doch auch hier gehts nicht ohne Rücksichtnahme auf die Tiere.


Auf eigene Faust oder eine geführte Tour?

Es ist vergleichsweise einfach, Vögel und Eichhörnchen auf eigene Faust im Park zu fotografieren. Aber wenn ihr Fotos von Moschusochsen oder Bären machen wollt, wird das schon komplizierter. Da braucht ihr vermutlich eine geführte Tour mit einem ortskundigen Guide oder eine Fotohütte. Vielerorts werden geführte Touren zur Wildtierbeobachtung angeboten oder ihr könnt eingerichtete Beobachtungsplattformen oder Fotohütten benutzen, wie beispielsweise in Linum bei Berlin oder im Kranorama in Mecklenburg-Vorpommern für die Kranichfotografie. Der Vorteil von Beobachtungsplattformen und Fotohütten ist, dass die Besucher gebündelt werden und die Tiere weniger gestört werden, da sie an diesen Beobachtungspunkten an Menschen gewöhnt sind.

Manche Tiere haben eine besonders große Fluchtdistanz und sind schon weg, noch bevor man die Kamera ausgepackt hat. Kraniche fotografiert man am besten aus einem Versteck…
…oder mit einer sehr langen Brennweite.

Lohnenswerte Orte für die Wildtierfotografie in Deutschland sind beispielsweise:

  • Kraniche: Beobachtungsplattformen und geführte Touren zum Kranicheinflug bei den Linumer Teichen; Beobachtungsplattform und Fotohütten Kranorama in Mecklenburg-Vorpommern; Kranicheinflug Pramort auf dem Darß
  • Hirsche: Diverse Aussichtsplattformen in Darß Ort, geführte Touren zur Hirschbrunft von Anfang September bis Anfang Oktober
  • Wölfe: Lausitz, beispielsweise Aussichtsplattform am Berger See oder Wolkenberg
  • Baßtölpel und Robben: Die einzige Kolonie Baßtölpel befindet sich auf Helgoland. Hier können auch Robben beobachtet werden, Nachwuchs gibt es im Winter.
  • Verschiedene Vogelarten könnt ihr auch auf den Touren oder aus den Beobachtungshütten von Ranger-Tours fotografieren.

Achtung: in den Ansitzverstecken ist die Nutzung von Spiegelreflexkameras manchmal eingeschränkt, da diese nicht lautlos auslösen können.


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Der Weg zum Bild – Wegepflicht, Absperrungen und andere Vorschriften

Wildtiere kennen Forst- und Wanderwege. Oftmals nutzen sie diese auch selbst und hinterlassen ihre Spuren auf Wegen. Die Tiere wissen, dass sich Menschen oder Autos darauf bewegen und genauso schnell wieder gehen, wie sie gekommen sind. Zu Irritationen kommt es dann, wenn Wege verlassen werden, Menschen auf dem Weg stehen bleiben oder jemand aus einem stehenden Auto aussteigt. Dann kommt es schnell zur Flucht. Jedes Auffliegen und Davonlaufen kostet das Tier Energie. In Zeiten von Nahrungsknappheit, Hitze oder Kälte wird das Tier unnötigem, zusätzlichem Stress ausgesetzt.

Bevor ich zur Wildtierfotografie in ein Gebiet gehe, prüfe ich folgende Punkte:

  • Wie zugänglich ist das Gebiet? Gibt es eine Wegepflicht für Wanderer? Gibt es gesperrte Bereiche oder andere Einschränkungen?
  • Bestehen zusätzliche saisonale Einschränkungen, etwa zur Brut- oder Vogelzugzeit?
  • Gibt es Aussichtspunkte, Beobachtungsplattformen oder -hütten, die ich nutzen kann?
Aussichtsplattform in der Schönower Heide, wo Rotwild und Damwild als Landschaftsgärtner eingesetzt wird.
Morgens an der Beobachtungshütte am Berger See in der Lausitz. Wer Glück hat, kann hier Wölfe sehen.

Übernehmt Verantwortung für den Ort

Ihr habt einen Fuchsbau entdeckt oder eine liebliche Stelle, von der aus man einen atemberaubenden Blick über den See mit den rastenden Zugvögeln hat? Oder vielleicht ein Nest einer seltenen Vogelart? Was wird passieren, wenn ihr das Foto mit Ortsangabe oder sogar mitsamt der Koordinaten auf Social Media teilt?

Achtung: Oft ist die Ortsangabe automatisch im Handy oder in der Kamera eingestellt und muss vor dem Upload manuell entfernt werden.

Aus einem Versteck und mit einer langen Brennweite bleibt man als Fotograf meist unbemerkt.

Büchertipps für Tierfotografen

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