Relikte aus der Sowjetzeit – Tipps für eure Tour im Baltikum

Relikte aus der Sowjetzeit - Tipps für eure Tour im Baltikum
Relikte aus der Sowjetzeit - Tipps für eure Tour im Baltikum

Estland, Lettland, Litauen. Drei Länder und drei verschiedene Geschichten. Doch eines haben die drei Länder im Baltikum gemeinsam. Denn sie gehörten einst zu der Sowjetunion. Auch heute noch könnt ihr an vielen Orten Spuren aus dieser Zeit finden. Und ein paar davon möchte ich euch nun zeigen. In meinem folgenden Artikel gebe ich euch ein paar Tipps, wo ihr im Baltikum noch Relikte aus der Sowjetzeit entdecken könnt.


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Linnahall in Tallinn, Estland

Die Linnahall hieß früher „Leninpalast für Kunst und Sport“. Denn das riesige Bauwerk wurde im Jahr 1980 für die Olympischen Spiele in Moskau errichtet. Im Inneren des Betonmonsters verbirgt sich zudem eine Konzerthalle. Diese ist jedoch seit 2009 geschlossen. Außen führen breite Treppen und Gehwege auf das Dach des bemerkenswerten Bauwerks. Einzelne Bereiche des Gebäudes werden sogar noch immer genutzt. Doch von einem Palast kann heutzutage keine Rede mehr sein. Dennoch wird die Linnahall gerne von Touristen besucht und ebenso gerne fotografiert. Denn mit seiner grauen Betonfassade, den bunten Graffitis und der monumentalen Architekur ist es ein beeindruckendes Relikt der Sowjetzeit.


Kalksteinbruch in Rummu, Estland

In dem Tagebau von Rummu wurde von 1938 bis 1991 Marmor abgebaut. Das Gestein wurde anschließend in der Kalk- und Marmorfabrik Vasalemma zu Treppenstufen und Schotter weiter verarbeitet. Als Arbeiter wurden während dieser Jahre die Insassen des benachbarten Gefängnisses von Murru eingesetzt.

Mit dem Ende der Sowjetära wurde der Tagebau allerdings aufgegeben. In Folge füllte sich die Grube mit Wasser und mehrere Fabrikgebäude wurden dabei geflutet. Neben dem See zeugt außerdem ein fotogener Kiesberg von den damaligen Zeiten.

Das Gelände ist allerdings offiziell gesperrt. Aber auch von dem gegenüberliegenden Seeufer habt ihr eine gute Sicht auf die Ruinen.


Wachtürme am Kap Kolka, Lettland

Das Kap Kolka trennt den Rigaer Meerbusen von der Ostsee. Von hier ist es nicht weit bis an die schwedische Küste. Daher war das Kap zur Sowjetzeit militärisches Sperrgebiet. Aus diesem Grund gab es rund um das Kap Kolka auch mehr Wachtürme als an anderen Orten. Und einige von ihnen stehen noch immer und erinnern an die vergangenen Zeiten. Einer steht in den Dünen an dem traumhaften Sandstrand vor Mazirbe.


Bootsfriedhof Mazirbe, Lettland

Seid ihr während eines Spaziergangs im Wald schon einmal über Boote gestolpert? Hier in Mazirbe kann euch das durchaus passieren. Denn hier liegen die Reste von mehreren Fischerbooten im Wald und rotten vor sich hin. An manchen sind sogar die Schriftzüge der Namen noch zu erkennen. Von anderen ist jedoch nur noch ein Haufen Holz geblieben.

Und warum sind die Boote hier im Wald versteckt? Die sowjetischen Grenzposten befürchteten, dass sich Menschen an die schwedische Küste absetzten würden. Daher wurde kurzerhand das Fischen verboten und die Boote im Wald „gesichert“. Nur mit spezieller Lizenz durften einzelne Fischer mit ihren Booten ihrer Arbeit nachgehen.


Radioteleskop in Irbene, Lettland

Das Radioleleskop R-32 in Irbene ist mit 32 Metern Durchmesser die achtgrößte Parabolantenne der Welt. Sie wurde 1980 zusammen mit zwei weiteren Anlagen von den Sowjets errichtet. Mit diesen Parabolantennen hörten die Sowjets westliche Satellitenverbindungen ab.

Heute gehört die Antenne dem Internationalen Radioastronomiezentrum Ventspils (virac) und dient der Forschung. Im Rahmen von geführten Touren kann die Antenne sogar besichtigt werden. Ihr müsst euch allerdings mindestens drei Tage vorher anmelden. Weitere Informationen findet ihr hier.

Ihr erreicht die Parabolantenne über eine schmale Strasse, 24 Kilometer nördlich von Ventspils. Die Strasse führt euch zudem an mehreren verlassenen Wohnkasernen vorbei.


Orvydas Garten, Litauen

Vor dem Eingang zu Orvydas Garten steht ein alter sowjetischer Panzer. Das Kanonenrohr ist auf den Eingang des Gartens gerichtet. Denn die Familie Orvydas wurde von den Sowjets verfolgt. Die Zufahrt zum Garten war damals abgesperrt.

Verborgen hinter der Gartenmauer liegt eine paradiesische Idylle. Skulpturen, Kreuze und Gedenksteine sind überwuchert von Bäumen und Blumen. Diesen magischen Ort erschufen der Steinmetz Orvydas und sein Sohn in den 1960er Jahren. Denn zu dieser Zeit hat der sowjetische Regierungschef Chruschtschow religiöse Symbole verboten. Aus diesem Grund wurden die Steine und Figuren von dem Friedhof Salantai hierher gebracht. So wurden sie vor der Zerstörung bewahrt.


Atomraketenbasis, Litauen

Früher zielten hier Atomraketen auf Westeuropa. Doch heute informiert hier das Museum des Kalten Krieges über vergangene Zeiten. Zeiten, in denen Schulkinder lernten, wie sie sich im Falle eines Angriffs mit Atomraketen zu verhalten haben. Anhand von anschaulich aufbereiteten bunten Wandplakaten. Dieses Museum in der ehemaligen Raketenbasis Plokštinė stimmt einen nachdenklich. Insbesondere den Blick in das Innere eines Raketenschachtes musste ich anschließend eine Weile verarbeiten.

Der Besuch dieses Museums an diesem besonderen Ort sollte bei eurer Tour durch das Baltikum auf keinen Fall fehlen. Zudem ist es inmitten des Nationalparks Žemaitija gelegen. Hier findet ihr viele schöne Orte für eine Pause oder Übernachtung, um das gesehene erstmal zu verarbeiten.


Weitere Relikte aus der Sowjetzeit im Baltikum

Es gibt im Baltikum noch viele andere Relikte aus der Sowjetzeit. Leider war unser Roadtrip im Baltikum zeitlich begrenzt und wir konnten nicht alle Orte besuchen. Aber vielleicht habt ihr etwas mehr Zeit und könnt noch mehr entdecken. Da gibt es beispielsweise:

  • Das Hotel Viru im Wolkenkratzer mit Spionagezentrum des KGB in Tallinn
  • Die Küstenstadt Sillamäe in Estland mit stalinistischer Architektur und einer ehemaligen Fabrik zur Uranaufbereitung
  • „Die Pension“, ein streng geheimer Atombunker aus der Sowjetzeit in Ligatne, Lettland
  • Der Ort Visaginas mit sowjetischen Wohnsilos für die Arbeiter des ehemaligen Atomkraftwerks Ignalina, Litauen
  • Der Berg der Kreuze in Šiauliai als Symbol des Widerstands der Litauer gegen die Sowjetherrschaft

Ihr habt jetzt genug Relikte aus der Sowjetzeit hier im Baltikum gesehen? Wie wär es dann mit einer Runde durchs Moor? Estland ist bekannt für seine Hochmoore – hier kommt ihr zu meinem Artikel über das Soomaa-Hochmoor.


Fallen euch noch mehr Relikte aus der Sowjetzeit im Baltikum ein? Oder habt ihr eine Frage zu meinem Artikel? Ich freu mich über eure Tipps und Kommentare.


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