Das vergessene Königreich Guge – ein Besuch der Ruinen von Tsaparang

Das vergessene Königreich Guge - ein Besuch der Ruinen von Tsaparang
Das vergessene Königreich Guge - ein Besuch der Ruinen von Tsaparang

China, Tibet. Tsaparang war die weltliche Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Guge in Westtibet. Der Sitz des Königs war damals die Zitadelle. Diese Festung aus dem 9. Jahrhundert thront hoch oben auf einem etwa 200 Meter hohen Berg. Ein Aufstieg bis zur Zitadelle ist zwar anstrengend, aber ihr werdet mit atemberaubenden Aussichten sowie mit Einsichten in die Geschichte Westtibets belohnt. In meinem folgenen Artikel lest ihr, warum ein Besuch der Ruinen von Tsaparang unbedingt auf eurer To-Do-Liste für Tibet stehen sollte und was ihr hier in dem vergessenen Königreich Guge sehen könnt.


Der Berg, auf dem die Zitadelle thront, ist in drei Bereiche gegliedert. Ganz unten befindet sich der Klosterkomplex. Von diesem sind noch vier Tempel gut erhalten und können besichtigt werden. In dem mittleren Bereich des Berges wurden hingegen hunderte von Wohnhöhlen in den Sandstein gegraben. Hier haben damals die Mönche gelebt. Außerdem befinden sich hier noch Ruinen von Wohnhäusern. Reste von Mauern aus Lehm bilden hier bizarre, labyrinthartige Strukturen. Die Höhlen waren bis ins 17./18. Jahrhundert noch bewohnt, also selbst nach Zerfall des Guge-Reiches noch. Zwischen den Häusern führen zahlreiche schmale Pfade hindurch.

Auf etwa halber Höhe des Berges, findet ihr Reste vom letzten Bauwerk, das zu Zeiten des Königreichs Guge noch gebaut wurde. Allerdings haben es die Angreifer, die Ladakhis, errichtet. Erkennbar ist dies an dem völlig anderen Baustil der Mauern. Im 16. Jahrhundert wurde Guge also bis hierhin erobert. Das Vordringen bis zu der gut geschützten Festung erwies sich jedoch als zu schwierig, so dass die Ladakhis die Festung von hier aus belagert haben.


Die königliche Festung von Tsaparang

Die Treppen und Wege zum obersten Abschnitt des Berges führen zur Festung. Sie sind in den Sandstein gehauen und laufen mitunter tunnelartig durch den Berg hindurch. Die Festung besteht aus drei Gebäuden: dem Sommerpalast, dem Mandala Palast und eine Ebene tiefer dem Winterpalast. Der Winterpalast ist für die bessere Wärmespeicherung in den Fels gehauen und hat deshalb nur zu einer Seite Fenster. Von hier aus gibt es zudem einen geheimen Fluchttunnel. Dieser sicherte dabei zugleich die Wasserversorgung in Zeiten der Belagerung. Leider waren die Gebäude während unseres Besuchs verschlossen.

Oben angekommen bietet sich schließlich eine atemberaubende Sicht auf das Sutlej Tal. Am Gipfel sind zudem unzählige Gebetsfahnen gespannt, sie sich im Wind wie Wellen auf und ab bewegen. Ein magischer Ort, den ich gar nicht mehr verlassen wollte.


Der Weiße Tempel von Tsaparang

Der Weiße Tempel (Lhakhang Karpo), erbaut im 15. bis 16. Jahrhundert, enthält die ältesten Wandgemälde Tsaparangs. Sie sind zudem eines der wenigen erhaltenen Werke im alten Kashmir Kunststil. Dieser ist insbesondere erkennbar an den schlanken Figuren, schmalen Taillen und langen Fingern. Neben den Wandgemälden enthält der Weiße Tempel auch äußerst beeindruckende Deckengemälde sowie kunstvoll verzierte Holzsäulen. Der Tempel ist der bedeutendste Tempel in ganz Westtibet. Vor der Kulturrevolution beherbergte er 22 Statuen. Heute sind allerdings nur noch 10, zum Teil schwer beschädigte Figuren zu sehen. Darunter sind 7 von 16 Boddhisatva Statuen, sowie zwei Beschützer Statuen am Eingang des Tempels. Diese sind anhand alter Fotografien rekonstruiert worden. Die Buddahfigur und alle weiteren Statuen gegenüber vom Haupteingang fehlen. Stattdessen sind zahlreiche Löcher an der Wand zu erkennen, in welchen die Figuren und die sie umgebenden Girlanden zuvor verankert waren.


Der Rote Tempel von Tsaparang

Der Rote Tempel (Lhakhang Marpo) wurde etwa im Jahr 1470 erbaut. Die Wandgemälde wurden allerdings kurz vor dem Fall des Königreiches Guge etwa im Jahr 1630 nachgemalt. Sie zeigen Szenen vom Bau des Tempels und außerdem aus dem Leben Buddhas. Am Eingang sind unter anderem die Grüne und die Weisse Tara zu erkennen sowie acht Stupas. Letztere symbolisieren die acht Ereignisse in Buddhas Leben. Wie auch im Weißen Palast, wird des Dach des Tempels von kunstvollen Holzsäulen gestützt und ist zudem mit beeindruckenden Deckengemälden verziert. Gegenüber vom Eingang sind alle Buddah und Boddhisatva Statuen jedoch zerstört. Ihre Reste sind in der Mitte des Tempels aufgetürmt, die Köpfe der Figuren thronen zum Teil auf den Schutthaufen.


Tipps für den Aufstieg zur Zitadelle

Plant für euren Besuch der Ruinen von Tsaparang im Königreich Guge mindestens einen halben Tag ein. Auch wenn Tsaparang „nur“ auf etwa 3.800 m Höhe liegt, bringt einen der Aufstieg ziemlich außer Atem. Nehmt euch daher die Zeit, um öfters einen kleinen Zwischenstopp einzulegen (es gibt zahlreiche tolle Fotogelegenheiten). Was außerdem noch wichtig ist: auf dem Weg und oben gibt es keine Möglichkeiten um Wasser zu kaufen. Ebensowenig gibt es Toiletten.

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Wart ihr selber schon mal in in Westtibet und habt die Ruinen von Tsaparang besichtigt? Wie hat es euch gefallen? Habt ihr noch Fragen zu meinem Artikel oder Anregungen? Wenn ja, dann schreibt mir doch einen Kommentar!


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