Spurensuche – Wachtürme und Reste der Berliner Mauer

Spurensuche – Wachtürme und Reste der Berliner Mauer
Spurensuche – Wachtürme und Reste der Berliner Mauer

Berlin. Was macht den Berliner Mauerweg als Fernwanderweg so interessant? Neben der Natur sind es die Spuren der Geschichte, die Gedenkstätten und Reste der Grenzanlagen, die ihr bei eurer Wanderung entdecken könnt. Insbesondere die früheren Wachtürme und längeren Abschnitte der Berliner Mauer, wie beispielsweise die berühmte East Side Gallery. Jedes einzelne Relikt der Grenzbefestigung trägt zum tieferen Verständnis der Geschichte über die Teilung Deutschlands bei. Hier erfahrt ihr, wo ihr noch ehemalige Wachtürme und sehenswerte Reste der Berliner Mauer am Mauerweg finden könnt.

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Wachtürme und Reste der Berliner Mauer
Wachturm an dem Dokumentationszentrum Berliner Mauer in der Bernauer Straße

Wachtürme und Reste der Berliner Mauer

#1 Hinterlandmauer Mauerpark – die Hall of Fame für Sprayer
#2 Bernauer-Straße – Grenzanlagen in ursprünglicher Strukturierung
#3 Führungsstelle Kieler Eck – Gedenkstätte Günter Litfin
#4 Mauersegmente am Potsdamer Platz – die Kaugummiemauer

#5 Wachturm in der Erna-Berger-Straße
#6 Vorderlandmauer Niederkirchner Straße – die Spuren der Mauerspechte
#7 East Side Gallery – das längste und berühmteste Mauerstück Berlin
#8 Führungsstelle und Kunst-Location am Schlesischen Busch
#9 Streckmetallzaun und Mauerrest in der Gutsstraße Kladow
#10 Führungsstelle Nieder Neuendorf mit Grenzmuseum

#11 Naturschutz in der Führungsstelle Bergfelde
#12 Stalinrasen in den Eichwerder Moorwiesen

In der untenstehenden Karte sind die früheren Wachtürme sowie die interessantesten Reste der Berliner Mauer mit einem Kamera-Symbol gekennzeichnet. Die Sterne stehen für weitere Highlights, die ihr entlang des Berliner Mauerwegs entdecken könnt. Mehr dazu erfahrt ihr in meinem Artikel Berliner Mauerweg – 15 Highlights der Wanderung rund um West-Berlin (coming soon).


Aufbau der Grenzanlage zwischen West- und Ostberlin

Die 160 Kilometer lange Grenze zwischen West- und Ostberlin bestand nicht nur aus der bekannten Berliner Mauer und zugehörigen Wachtürmen. Es war vielmehr eine komplexe Sperranlage, die immer weiter ausgebaut und optimiert wurde. Der 50 bis 150 Meter breite Grenzstreifen – auch Todesstreifen genannt – war nach Osten durch die sogenannte Hinterlandmauer oder einen Metallzaun und nach Westen durch eine 3,6 Meter hohe Betonwand begrenzt. Dazwischen gab es den Signalzaun mit Unterkriechschutz. Bei Berührung wurde sofort Alarm ausgelöst. Dahinter waren Dornenmatten, der sogenannte Stalinrasen, ausgelegt. Es folgte eine geharkte Sandfläche sowie Fahrzeugsperren. Der gesamte Grenzstreifen, war komplett ausgeleuchtet sowie mit weiteren Alarmsystemen gesichert und durch bewaffnete Grenzsoldaten überwacht.

Die ersten Wachtürme wurden schon im Jahr 1952 aufgebaut, also etwa 9 Jahre vor dem eigentlichen Bau der Berliner Mauer. Es waren zunächst Holz- oder Stahltürme sowie gemauerte Türme. Ab den 1970er Jahren wurden die Wachtürme dann aus Fertigbetonteilen errichtet. Entlang der Grenze standen insgesamt 280 Wachtürme und 32 Führungsstellen. Der Abstand zwischen den Wachtürmen betrug innerhalb der Stadt grade einmal 250 Meter. Jeder Wachturm war über das Fernmeldenetz mit seiner Führungsstelle verbunden. Das war ebenfalls ein Turm, nur etwas größer. Jede Führungsstelle kontrollierte 18 weitere Wachtürme.


Wachtürme und sehenswerte Reste der Berliner Mauer

#1 Hinterlandmauer Mauerpark – die Hall of Fame für Sprayer

Im Mauerpark sind noch etwa 300 Meter der damaligen Hinterlandmauer erhalten. Sie grenzt an das Friedrich-Jahn-Stadion und wurde wegen der vielen Besucher im Stadion besonders hoch und massiv gebaut. Seit dem Mauerfall 1989 wird dieses Mauerstück von Graffiti-Künstlern genutzt, seit dem Sommer 2019 auch völlig legal.

Früher Hinterlandmauer, heute Hall of Fame
Früher Hinterlandmauer, heute Hall of Fame

#2 Bernauer-Straße – Grenzanlagen in ursprünglicher Strukturierung

Gegenüber vom Dokumentationszentrum Berliner Mauer in der Bernauer Straße ist ein Originalabschnitt der Grenzanlage in seiner ursprünglichen Strukturierung erhalten. Dazu gehören Grenzmauer, Todesstreifen, Postenweg, Peitschenlampen und Hinterlandmauer. Von dem Aussichtsturm des Dokumentationszentrums habt ihr einen guten Blick über die Anlagen. Vor dem Mauerbau gehörte dieses Areal zum Friedhof der Sophienkirchengemeinde. Für den Bau der Mauer im Jahre 1961 musten die Toten umgebettet und die Grabstätten aufgelöst werden.

Wachtürme und Reste der Berliner Mauer
Der einzige Originalabschnitt der Grenzanlagen in seiner ursprünglichen Strukturierung.

#3 Führungsstelle Kieler Eck – Gedenkstätte Günter Litfin

In dem Wachturm in der Kieler Straße befindet sich die Gedenkstätte Günter Litfin. Günter Litfin wurde am 24. August 1961 bei der Flucht erschossen. Er war das erste Opfer gezielter Schüsse an der Grenze zwischen Ost- und West-Berlin, elf Tage nach Beginn des Mauerbaus. Der Wachturm war früher eine Führungsstelle der DDR-Grenztruppen. Heute steht der Turm eingebaut zwischen Wohnungsbauten der 90er Jahre. Ein Stück weiter südlich auf dem Invalidenfriedhof ist außerdem noch ein Stück Hinterlandmauer erhalten.

Die Führungsstelle Kieler Eck ist heute die Gedenkstätte für das erste Maueropfer Günter Litfin.

#4 Mauersegmente am Potsdamer Platz – die Kaugummiemauer

Der Potsdamer Platz war früher Grenzgebiet. Der Todesstreifen war hier mehrere hundert Meter breit. Wo heute Einkaufszentren Menschenmengen anlocken, gab es nach dem Mauerfall nichts. Danach entstand die größte Baustelle Deutschlands. Die knallrote Infobox dokumentierte die Vergangenheit und die geplante Zukunft des Potsdamer Platzes. Vom Dach bot sich außerdem eine tolle Aussicht über die weite Baustelle. Und was wäre der Potsdamer Platz ohne ein Stück Mauer? Daher sind einzelne originale Mauersegmente auf dem Potsdamer und Leipziger Platz aufgestellt. Sie befinden sich allerdings nicht mehr an ihrem Originalstandort. Aber sie markieren die Lage der vorderen und der hinteren Mauer. Bemerkenswert an den hier stehenden Mauersegmenten ist, dass sie mit hunderten, wenn nicht tausenden Kaugummis beklebt sind. Ich weiß nicht – da finde ich ganz normale Graffiti schöner.

Wachtürme und Reste der Berliner Mauer
Eine neue Art von Straßenkunst: Kaugummiegraffiti

#5 Wachturm in der Erna-Berger-Straße

Auch in der Erna-Berger-Straße ist noch ein Wachturm vom Typ BT 11 erhalten. Allerdings steht auch er nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz. Wegen der Neubebauung musste er um ein paar Meter versetzt werden. Von 2011 bis 2014 wurde der Wachturm aufwändig saniert. Seitdem hat er sich zu einem Highlight für Berlin Besucher entwickelt.

Der Beobachtungsturm wurde um 1971 gebaut. Er ist der letzte erhaltene Turm dieser frühen Bauart, dem Typ BT 11. Dies waren nach den Holztürmen die ersten, die in Beton gebaut wurden. Von dieser Bauart gab es damals mehr als 200 Stück. Der Turm war ständig mit zwei Grenzsoldaten besetzt.

Wachtürme und Reste der Berliner Mauer
Der Wachturm in der Erna-Berger-Straße war früher mit 2 Grenzposten besetzt.

#6 Vorderlandmauer Niederkirchner Straße – die Spuren der Mauerspechte

In der Niederkirchner Straße steht ein 200 Meter langes Stück der Originalmauer auf dem Gelände der Topographie des Terrors. Die Mauer wurde 1989/90 von den sogenannten „Mauerspechten“ ausgebeutet. Die Souvenirjäger brachen mit Werkzeugen Stücke aus der Mauer heraus, um diese dann an Touristen zu verkaufen. An vielen Stellen ist die Mauer bis auf die stählernen Armierungen abgetragen. Aufgrund des mitgenommenen Zustands ist die Mauer heute eingezäunt. Sie wurde als Zeugnis der Geschichte bewusst in diesem Zustand erhalten.

Wachtürme und Reste der Berliner Mauer
Die Spuren der „Mauerspechte“ sind deutlich zu sehen.

#7 East Side Gallery – das längste und berühmteste Mauerstück Berlin

Die East Side Gallery ist mit etwa 1,3 Kilometern der längste noch erhaltene Mauerabschnitt. Und sicherlich auch der berühmteste. Denn die Mauer zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke ist nicht nur ein Zeugnis der Geschichte, sondern zugleich die längste Open Air Gallery der Welt. Doch die Mauer an der Spree hat zwei Seiten: eine bunte als Ausdruck von Freude und Hoffnung und eine weiße Seite als Schattenfänger. Seit den 80er Jahren war die zur Spree gerichtete Seite der Mauer weiß angestrichen, damit die Grenzposten Flüchtende besser sehen konnten.

Die East Side Gallery als Ausdruck von Freude und Hoffnung

Die East Side Gallery entstand nach der Öffnung der Berliner Mauer zwischen Frühjahr und Herbst 1990. Insgesamt 118 Künstler aus 21 Ländern bemalten die damals graue Betonmauer mit 106 Kunstwerken. Und bewahrten die Mauer damit vor dem Abriss. Die Künstler brachten in ihren Gemälden die politischen Veränderungen der Jahre 1989/90 sowie ihre Freude über den Mauerfall zum Ausdruck. Im November 1991 wurde die Mauer mit ihren Gemälden schließlich unter Denkmalschutz gestellt. Allerdings machten Umwelteinflüsse und Übermalungen den Bilden zu schaffen. Nach kleineren Sanierungsmaßnahmen erfolgte schließlich im Jahr 2009 eine vollständige Restaurierung. Dabei wurden die Kunstwerke entfernt und die jeweiligen Künstler gebeten, ihre Gemälde mit beständigeren Farben erneut zu malen.

Die weiße Seite der East Side Gallery: vor dem weißen Anstrich haben die Grenzposten die Schatten von Flüchtigen besser sehen können.

#8 Führungsstelle und Kunst-Location am Schlesischen Busch

Der Wachturm am Schlesischen Busch wurde am 1. Juli 1990 von dem Künstler und Liedermacher Karl Winkler besetzt und als „Museum für verbotene Kunst“ deklariert. Dadurch blieb der Turm und seine Ausstattung erhalten. Heute betreibt der Verein Flutgraben e.V. hier eine Ausstellung zur Geschichte des Ortes sowie wechselnde Kunstausstellungen.

Der Turm war früher eine Führungsstelle und kontrollierte 18 weitere Wachtürme sowie die elektronischen Sicherungsanlagen von diesem Mauerabschnitt. Der quadratische Turm ist 10 Meter hoch, hat vier Geschosse und ein begehbares Dach. Das Sockelgeschoss war im Boden versenkt. Es beherbergte die technischen Anlagen, unter anderem die Telefonanlage zu den umgebenden Wachtürmen. Im Erdgeschoss gab es eine Arrestzelle und eine Toilette, darüber lag der Aufenthaltsraum. Das zweite Geschoss war der eigentliche Beobachtungsstand. Hier in der Führungsstelle ging der Alarm ein, den die seit 1967 aufgestellten Signalzäune bei Berührung auslösten.

Wachtürme und Reste der Berliner Mauer
Führungsstelle am Schlesischen Busch

#9 Streckmetallzaun und Mauerrest in der Gutsstraße Kladow

Neben einem kurzen Stück der ehemaligen Mauer mit einer Rohrauflage gegen Überklettern könnt ihr noch einen längeren Zaunabschnitt sehen. Der drei Meter hohe Streckmetallzaun ist aus der zweiten Hälfte der 1980er Jahre. Metallzäune wurden in den Außenbezirken oft anstelle der Hinterlandmauer aufgetellt.

Wachtürme und Reste der Berliner Mauer
Der Streckmetallzaun wurde in den Außenbereichen der Stadt anstelle der Hinterlandmauer aufgestellt.
Grenzmauer mit einer Rohrauflage gegen Überklettern

#10 Führungsstelle Nieder Neuendorf mit Grenzmuseum

Im Hennigsdorfer Ortsteil Nieder Neuendorf steht noch ein weiterer Grenzturm. Er diente seit 1987 als Führungsstelle für 18 weitere Grenztürme. Vom Aufbau her ist er vergleichbar mit den Führungsstellen im Schlesischen Busch, Kieler Eck und Bergfelde. Seit November 1999 ist der Turm für die Öffentlichkeit zugänglich. Er beherbergt heute eine multimediale Ausstellung über die Teilung Deutschlands, die DDR-Grenztruppen sowie die internen Überwachungsmechanismen. Außerdem dokumentiert das Museum die Geschichte von Flüchtlingen, Ausreisewilligen und Oppositionellen aus der Region.

Wachtürme und Reste der Berliner Mauer
Führungsstelle Nieder Neuendorf mit Grenzmuseum

#11 Naturschutz in der Führungsstelle Bergfelde

Nach der Wende wurde die ausgediente Führungsstelle Bergfelde an die Lehrerin Helga Garduhn zur Nutzung für Naturschutzzwecke übertragen. Der Grenzturm Bergfelde wird seit 1990 für Naturschutzzwecke genutzt und ermöglicht Naturschutzarbeit mit Schulen, Kindergärten, Jugendgruppen und Erwachsenen. Heute ist der Turm auch als der SDW-Naturschutzturm bekannt. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) setzt sich bereits seit 1947 für den Schutz und den Erhalt unserer Wälder ein.

Rund um den Turm geben Informationstafeln Auskunft über Grenzanlagen im Allgemeinen und über den Turm hier in Bergfelde im Besonderen. Außerdem seht ihr hier weitere Elemente der Grenzbefestigung wie ein Abschnitt Streckmetallzaun, ein Stück Stalinrasen sowie eine Fahrzeugsperre.


#12 Stalinrasen in den Eichwerder Moorwiesen

Der Stalinrasen – auch Spargelbeet genannt – war eine Dornenmatte mit beidseitigen 10 bis 14 Zemtimeter langen Dornen. Sie sollten vom Fluchtgedanken abschrecken oder aber den Flüchtenden die Füße brechen. Wer versuchte, darüber zu laufen, kam unweigerlich zu Fall und wurde aufgespießt. Der Stalinrasen lag nicht nur flach auf dem Grenzstreifen. Er war auch in Gräben senkrecht versteckt und an Böschungen und Mooren waagerecht eingebaut, beispielsweise in den Eichwerder Moorwiesen. Auch in der Havel gab es tausende von diesen Dornenplatten. Menschenrechtler kritisierten diese grausame Art und Weise Fluchtversuche aufzuhalten. Daraufhin wurden diese Matten nur noch heimlich eingesetzt in schwer einsehbaren Bereichen.

Gedenkort in den Eichwerder Moorwiesen

Zum Ausklang

Es fiel mir schwer, den Artikel mit etwas so grausamem wie dem Stalinrasen enden zu lassen. Lieber gebe ich euch zum Abschluss noch zwei Tipps für weitere Entdeckungen.

Der Berliner Unterwelten e.V. bietet eine Führung zu Tunnelfluchten unter der Berliner Mauer an. Insgesamt gab es mehr als 70 begonnene Versuche, durch selbstgegrabene Fluchttunnel nach West-Berlin zu gelangen. Nur 19 Versuche waren jedoch erfolgreich. Doch immerhin konnten 300 DDR-Bürger dabei fliehen. Die meisten Tunnel, die ihr seht, sind Nachbauten. Aber seit November 2019 kann auch ein original Tunnel von 1970/71 besichtigt werden.

Die Führung zu den Tunnelfluchten findet in der Bernauer Straße statt. Nicht weit entfernt ist das lohnenswerte Dokumentations- und Besucherzentrum Berliner Mauer.


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