Islands Kronjuwelen: Welche ist die schönste Gletscherlagune?

Islands Kronjuwelen: Welche ist die schönste Gletscherlagune?
Islands Kronjuwelen: Welche ist die schönste Gletscherlagune?

Island. Im Südosten von Island, gleich neben dem mächtigen Gletscher Vatnajökull, liegen Islands Kronjuwelen: Jökulsárlón, Fjallsárlón und Heinabergslón. Bei den drei Gletscherlagunen hat sich Mutter Natur selbst übertroffen, jede für sich ist ein einzigartiges Naturwunder. Die meisten Island-Reisenden besichtigen jedoch nur die Jökulsárlón Lagune. Warum eigentlich? Sind die anderen nicht lohnenswert? Ich wollte es wissen und habe mir alle drei Gletscherlagunen in Island angesehen. Hier verrate ich euch, worin sich die drei Lagunen unterscheiden und was jede von ihnen sehenswert macht.

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Was ist eine Gletscherlagune und wie entsteht sie?
Jökulsárlón, Fjallsárlón oder Heinabergslón? Welche ist die schönste Gletscherlagune in Island?
Robben in den Gletscherlagunen
Was kann man bei den Gletscherlagunen machen?
Sicherheit
Lage und Anfahrt zu den Gletscherlagunen im Süden von Island
Camping in der Nähe der Gletscherlagunen
Interessante Orte in der Nähe der Eislagunen


Das Stück Eis funkelt in der Sonne wie ein Juwel.

Was ist eine Gletscherlagune und wie entsteht sie?

Gletscherlagunen entstehen, wenn sich das Schmelzwasser eines Gletschers in einer Bodenvertiefung sammelt und nicht abfließen kann. Diese Vertiefung wächst durch Erosion und Rückzug des Gletschers schließlich zu einem Becken, der Gletscherlagune. Durch das viele Sediment, das mit den Gletschern transportiert wird, sind die Gletscherlagunen meistens trüb und erinnern an einen Milchkaffee.

Vom Rand des Gletschers brechen Eisberge in die Lagunen ab, wo sie langsam schmelzen. Jeder Eisberg ist in Größe, Form und Farbgebung einzigartig. Meistens sind sie weiß. Das liegt an den eingeschlossenen Luftblasen, die das Licht streuen. Es gibt aber auch Eisberge, die fast durchsichtig sind. Ihr Eis ist älter und durch Druck wurden die Lufteinschlüsse aus dem Eis herausgepresst. Hier in Island haben viele Eisberge zudem schwarze Streifen, Flecken oder Muster. Das ist die eingelagerte Asche vergangener Vulkanausbrüche. 

Eisberg in Gletscherlagune Jökulsárlón in Island
Im Eis ist die Asche von früheren Vulkanausbrüchen eingeschlossen.

Jökusárlón, Fjallsárlón oder Heinabergslón? Welche ist die schönste Gletscherlagune in Island?

Welche der drei Eislagunen die schönste ist, ist schwer zu sagen. Jede von ihnen ist eine Naturschönheit und hat ihre Besonderheiten, die sie von den anderen Lagunen abhebt. Hier ein paar Details:

Jökulsárlón – große Eisberge, Robben und klares Wasser

Die Jökulsárlón liegt am Fuße des Gletschers Breiðamerkurjökull und ist die bekannteste der Gletscherlagunen in Island. Ihre Entstehung ist gar nicht lange her und begann etwa 1920 mit dem Schrumpfen des Breiðamerkurjökull. Seitdem wächst sie unheimlich schnell. Erschreckend schnell. Denn ihr Wachstum ist gleichbedeutend mit dem Rückzug der Gletscherkante und dem Abschmelzen des Breiðamerkurjökull.

Eisberg in Gletscherlagune Jökulsárlón in Island
Die Abbruchkante des Breiðamerkurjökull ist etwa 30 Meter hoch.

Im Jahr 1956 nahm die Lagune eine Fläche von 4,5 km² ein. Zwanzig Jahre später hat sie ihre Größe etwa verdoppelt. Heute ist Jökulsárlón etwa 30 km² groß und wächst immer weiter. Mit einer Tiefe von bis zu 260 Metern ist die Eislagune zudem der tiefste See in ganz Island. Doch die Landschaft verändert sich hier schnell – in Zukunft wird die Lagune zu einem tiefen Fjord anwachsen.

Jökulsárlón ist größer und dramatischer als die anderen Eislagunen in Island. Der Auslassgletscher erhebt sich etwa 30 Meter über der Wasserlinie. Wenn er kalbt, dann können die ins Wasser stürzenden Eisbrocken mehrere Stockwerke hoch sein. Sie treiben dann als Eisberge in allen erdenklichen Formen auf der Lagune. Und bedenkt – nur etwa ein Zehntel des Eisbergs ist über der Wasseroberfläche sichtbar! Und da gibt es noch etwas, was die Jökulsárlón von allen anderen Gletscherlagunen in Island unterscheidet: ihr Wasser ist klar und türkisfarben. Normalerweise sind Gletscherabflüsse milchig-trüb. Doch durch die Verbindung zum Meer und die Gezeiten wird die Lagune regelmäßig „gewaschen“. 

Eisberg in Gletscherlagune Jökulsárlón in Island
Eisberge verändern sich ständig, Teile brechen ab, sie kippen und drehen sich.

Manche der Eisberge finden ihren Weg in das offene Meer. Hier sind sie der heftigen Brandung ausgesetzt und zerbrechen in viele kleine „Diamanten“. Ihr findet sie dann angeschwemmt an dem sogenannten „Diamond Beach“. Die Bruchstücke der großen Eisberge funkeln hier auf dem schwarzen Sand des Breiðamerkursandur. Ein einzigartiger Anblick, einmalig auf der Welt und ein absolutes Highlight für jeden Fotografen!

Der Diamond Beach bei der Jökulsárlón.

Fjallsárlón – ganz nah an der Gletscherkante

Wollt ihr lieber etwas weniger Trubel?  Dann kann ich euch die etwas kleinere Gletscherlagune Fjallsárlón empfehlen. Ihre Fläche beträgt nur etwa ein Fünftel von der Fläche der Jökulsárlón. Aber die Eisberge, die auf ihr treiben, sind genauso groß. Vorteil der Fjallsárlón gegenüber der Jökulsárlón: Ihr habt eine bessere Sicht auf den Auslassgletscher Fjallsárlón und seid viel näher an der Eiskante. Durch die Nähe könnt ihr den Gletscher arbeiten hören. Das Knacken und Knirschen des Eises unterstreicht den fantastischen Blick auf den Gletscher

Eisberg in Gletscherlagune in Island
Die Gletscherlagune Fjallsárlón bietet einen guten Blick auf den Auslassgletscher.

Heinabergslón – abseits ausgetretener Pfade

Die Heinabergslón wird vom Auslassgletscher Heinabergsjökull gespeist, der selber ein Teil des Vatnajökull ist. Die etwas weniger bekannte Eislagune liegt abseits der ausgetretenen Besucherpfade etwa 40 Kilometer östlich der Jökulsárlón. Von der Ringstraße führt ein Schotterweg bis zu einem Parkplatz, wo sich ein atemberaubendes Panorama öffnet. Wenn euch an den anderen beiden Eislagunen zu viel los ist und ihr eine ruhigere Alternative sucht, dann seid ihr an der Heinabergslón genau richtig.

Die Kajaktour auf der Heinabergslón war ein Erlebnis, das mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Neben einer kleinen Wanderung habt ihr hier außerdem die Möglichkeit, eine Kajaktour zwischen den Eisbergen zu machen. Die Lagune ist etwas kleiner, was praktisch für die Kajaktour ist. Denn schon nach einer kurzen Paddelstrecke waren wir umgeben von beeindruckenden Eisbergen. Wir konnten sogar bis zum Gletscher paddeln und einen kleinen Spaziergang auf dem Eis machen.

Etwas ab vom Schuss und daher besonders idyllisch: die Heinabergslón

Robben in den Gletscherlagunen

In der Eislagune Jökulsárlón könnt ihr das ganze Jahr über Robben beobachten. Sie schwimmen zwischen den Eisbergen umher und ab und zu sieht man einen Kopf aus dem Wasser gucken. Besonders viele habe ich direkt am Ausfluss der Lagune ins Meer gesehen. Möglicherweise gibt es hier am meisten Fische. Auch in der Fjallsárlón sollen Robben sein, ich hab hier aber keine gesehen. Nur in der Heinabergslón werdet ihr ganz sicher keine Robben entdecken, da die Verbindung zum Meer fehlt.

Schön, wie die Robbe in die Kamera schaut. Leider war sie noch ziemlich weit weg und ich musste stark ranzoomen.

Was kann man bei den Gletscherlagunen in Island machen?

Eine Bootsfahrt auf einer der Gletscherlagunen solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Das ist die Gelegenheit, noch näher an die Eisberge und die Gletscherkante heranzukommen. Ich habe bei meiner letzten Reise nach Island die  „Abenteuer-Tour“ mit einem Zodiac auf der Jökulsárlón Lagune gemacht. Das war absolut eindrucksvoll. Doch noch besser als eine Fahrt im lauten Zodiac-Boot fand ich die Kajaktour auf der Heinabergslón. Anstelle eines lauten Bootsmotors hörten wir nur, wie unsere Paddel langsam durch das Wasser zogen.

Eisberg in Gletscherlagune Jökulsárlón in Island
Ein Platz in der ersten Reihe.

Hier eine Übersicht, was ihr für Möglichkeiten habt:

Jökulsárlón – Touren mit Zodiacs, Amphhibienboot und Kajaks

Alle Kostenangaben sind Stand Juli 2020. Schaut ggf. den aktuellen Preis nochmal auf der Anbieterseite nach.

Icelagoon Adventure Tours bietet neben den beliebten „Abenteuer-Touren“ auch private Touren sowie spezielle Touren für Fotografen an. Die Gesamtdauer der Abenteuer-Tour mit dem Zodiac beträgt 1 Stunde und 45 Minuten. Davon seid ihr eine Stunde auf dem Wasser. Kosten: 66 Euro.

Hier warten die Zodiacs auf ihre letzte Tour des Tages.

Tipp: setzt euch am besten ganz vorne hin, dann habt ihr die besten Fotomöglichkeiten.

Der Anbieter Glacierlagoon hat neben Zodiac-Touren auch Fahrten mit einem Amphibienboot im Programm. Mit dem Amphibienboot kommt ihr jedoch nicht ganz so weit an die Eisberge heran, wie mit dem Zodiac. Die Exkursion dauert 30-40 Minuten. Kosten: 40 Euro.

Iceland Extreme hat außerdem geführte Kajaktouren im Programm. Dauer: 1,5 Stunden. Kosten: 69 Euro.

Warm eingepackt warten wir auf ein Kalben des Gletschers.

Fjallsárlón – Touren mit Zodiacs

Fjallsarlón Iceberg Boat Tours bietet Ausfahrten mit Zodiac-Booten an. In jedes Boot passen 10 Personen. Die Tour auf der Lagune dauert etwa 45 Minuten. Insgesamt müsst ihr mit Einweisung etwa 90 Minuten einplanen. Kosten: 53 Euro. Nach der Bootsfahrt könnt ihr euch im Restaurant Frost mit einer warmen Mahlzeit aufwärmen.

Heinabergslón – Kajaktouren

Auf der Heinabergslón gibt es keine Zodiac-Touren. Stattdessen könnt ihr an einer geführten Kajaktour mit Iceguide teilnehmen und seid ganz alleine auf dem Wasser. Ein perfektes Naturerlebnis, absolut empfehlenswert!

Kajaktour auf der Gletscherlagune Heinabergslón in Island
Kajaktour auf der Gletscherlagune Heinabergslón in Island

Sicherheit

Gletscher können kalben und Eisberge können sich drehen oder auseinanderbrechen. Dabei können große Wellen entstehen. Bei großen Eisbergen ist daher Abstand halten angesagt. Das gilt gleichermaßen für Zodiac-Boote, Kajaks und auch Spaziergänger und Fotografen am Ufer.

Es gibt sogar Schilder mit Sicherheitsregeln für den Besuch einer Gletscherlagune.

Lage und Anfahrt zu den Gletscherlagunen im Süden von Island

Alle drei Lagunen liegen an der Südküste von Island zwischen dem Naturschutzgebiet Skaftafell und dem Ort Höfn. Sie grenzen an den Vatnajökull-Nationalpark, dem größten geschützte Wildnisgebiet in ganz Island.

Fjallsárlón ist die erste Lagune, die ihr von Reykjavik nach etwa 5 Stunden Fahrzeit (370 km) erreicht. Sie ist von der Ringstraße nicht sichtbar. Nachdem ihr den Fjallsá – den Ausfluss der Lagune ins Meer – überquert habt, führt links ein Abzweig zum Parkplatz.

Etwa 10 km weiter östlich befindet sich die berühmte Jökulsárlón Lagune direkt an der Ringstraße. Tipp: Wenn ihr hier seid, dann schaut euch gleich noch den wunderschönen Diamondbeach an.

Einzig die Eislagune Heinabergslón ist etwas schwieriger zu erreichen. Deshalb ist sie auch deutlich weniger besucht. Von der Jökulsárlón fahrt ihr weitere 40 Kilometer auf der Ringstraße bis zur Flatey Farm (64°15’32.7″N 15°34’54.7″W). Von hier sind es nochmal etwa 7 Kilometer auf einer Schotterpiste bis zum Parkplatz vor der Lagune.

Hier mündet die Jökulsárlón ins Meer und Eisberge schwimmen bei Ebbe hinaus.

Camping in der Nähe der Gletscherlagunen

Es gibt leider keine Campingmöglichkeiten direkt an den Eislagunen. Die nächsten Plätze sind in Skaftafell oder Höfn. Auch andere Unterkünfte in der Nähe sind spärlich. Ihr solltet auf jeden Fall vorab reservieren.

Wenn ihr die Eislagunen zur Mitternachtssonne fotografieren wollt, kann die längere An- bzw. Abfahrt schon eine Herausforderung sein. Ich hab’s leider nicht geschafft, war einfach zu müde. Die Entfernungen von der Jökulsárlón sind:

  • Skaftafell Campingplatz: 58 km / 60 Minuten Fahrzeit
  • Svinafell Campingplatz in Skaftafell: 51 km / 45 Minuten Fahrzeit
  • Höfn Campingplatz: 79 km / 60 Minuten Fahrzeit
Eisberg in Gletscherlagune Jökulsárlón in Island
Ein Anblick, an dem ich mich gar nicht sattsehen konnte.

Interessante Orte in der Nähe der Eislagunen

Rund um die Gletscherlagunen Jökulsárlón, Fjallsárlón und Heinabergslón gibt es noch mehr interessante Orte im Süden von Island, die einen Besuch lohnen:

  • Der Diamond Beach ist einer der schönsten Strände in Island, denn hier stranden die Eisberge aus der Jökulsárlón. Er liegt direkt neben der Eislagune.
  • Das Naturschutzgebiet Skaftafell ist ein beliebtes Wandergebiet mit dem berühmten Wasserfall Svartifoss mit seinen schwarzen Basaltsäulen. Hier starten auch die beliebten Gletschertouren. Skaftafell liegt etwa 47 km westlich von Fjallsárlón.
  • Der Múlagljúfur Canyon ist eine bildschöne Schlucht mit steilen Felswänden, zwei Wasserfällen und spektakulären Aussichten. Etwa 3,4 Kilometer westlich der Fjallsárlón zweigt die Piste zum Startpunkt der Wanderung ab.
Fotoausstellung am Diamond Beach

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