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Polarfüchse in Islands Naturreservat Hornstrandir – Ein Wintermärchen mit Pelz

Polarfüchse in Islands Naturreservat Hornstrandir – Ein Wintermärchen mit Pelz
Polarfüchse in Islands Naturreservat Hornstrandir – Ein Wintermärchen mit Pelz

Island. Wer in Island unterwegs ist, begegnet immer wieder dem Begriff „Wildnis“. Doch während vieles auf der Insel inzwischen gut erschlossen und touristisch zugänglich ist, gibt es noch Orte, die sich dem menschlichen Zugriff weitgehend entziehen. Einer dieser Orte ist Hornstrandir – ein abgelegener, unbewohnter Landstrich im äußersten Nordwesten Islands. Im Winter wird aus dieser ohnehin einsamen Gegend eine stille, fast vergessene Welt. Genau dorthin führte mich meine Reise: zur Kvíar-Lodge im Hornstrandir-Naturreservat, einem der besten Orte Islands, um Polarfüchse zu beobachten.

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Abgeschiedenes Hornstrandir in Islands Westfjorden

In früheren Zeiten lebten die Menschen in Hornstrandir vor allem vom Walfang, denn Ackerbau war in der kargen, unwirtlichen Landschaft kaum möglich. Als der Walfang verboten wurde, verlegten sich viele auf den Heringsfang. Doch bessere Fanggründe anderswo und attraktivere Arbeitsmöglichkeiten führten dazu, dass nach und nach immer mehr Familien aus der Region wegzogen. In den 1950er-Jahren verließen die letzten Einwohner die Halbinsel, vertrieben von strengen Wintern, rauer Natur und dem harten Alltag. Auch der seit dem 14. Jahrhundert bewohnte Bauernhof Kvíar im Kvíadalur-Tal wird im Jahr 1948 den Elementen überlassen.

Die Kvíar-Lodge liegt einsam zwischen Berghang und Bucht. Inmitten des weißen Nichts wirkt sie wie ein letzter Außenposten menschlicher Wärme in der grenzenlosen Wildnis.

Im Jahr 2012 wurde der Hof wieder zum Leben erweckt und dient seitdem als Basis für Touren und Aufenthalte im Winter. Die Kvíar-Lodge wird auch unsere kleine Gruppe von acht Naturfotografen plus Guide von Borea Adventures für eine Woche aufnehmen. Hier gibt es keinen Luxus, aber genau das, was man an einem Ort wie diesem schnell schätzen lernt, wie eine Ölheizung, einen Holzofen, leckere Mahlzeiten und eine Sauna. Seit 1975 steht das Gebiet unter Naturschutz. Bis heute gibt es keine Straßen, die nach Hornstrandir führen.

Hornstrandir – der abgelegenste Zipfel Islands, ist nur per Boot erreichbar.

Islands Schutzgebiet für Polarfüchse

Der Polarfuchs ist die einzige auf Island endemische Landsäugetierart, deren Ursprung bis ans Ende der letzten Eiszeit zurückreicht. Vermutlich überquerten die Polarfüchse das gefrorene Meer aus Grönland oder Skandinavien und erreichten die Insel vor der menschlichen Besiedlung. Die in Island verbreitete Unterart Vulpes lagopus fuliginosus unterscheidet sich genetisch und morphologisch leicht von anderen Populationen im arktischen Raum, deren Verbreitungsgebiet zirkumpolar nördlich der Waldgrenze liegt.

Für die frühen isländischen Siedler war der Polarfuchs sowohl Bedrohung als auch Ressource: Er stahl Hühner und Lämmer, doch zugleich lieferten Fell und Fleisch Wärme und Nahrung. Traditionelle Jagdformen wie die Höhlenjagd sind bis heute in Island verbreitet, wenn auch das Fell an wirtschaftlicher Bedeutung verloren hat. Während Füchse in weiten Teilen des Landes nach wie vor bejagt werden, genießt die Population von Hornstrandir seit 1994 vollständigen Schutz. Das spiegelt sich deutlich im Verhalten der Tiere wider, denn die Füchse zeigen nur wenig Scheu. Die isländische Polarfuchspopulation wird derzeit auf etwa 10.000 Tiere geschätzt, wobei ihre Verbreitung stark vom Nahrungsangebot und regionalen Jagdregeln abhängt. Natürliche Feinde, wie den Polarwolf oder Eisbären, hat der Fuchs auf Hornstrandir nicht zu fürchten. Auch die Verdrängung durch den mit der Klimaerwärmung nach Norden vorrückenden Rotfuchs spielt hier zumindest keine Rolle.

Flying Fox – Ein Polarfuchs ist ein guter Kletterer. Sie schaffen es nicht nur, Vogeleier von den Vogelklippen zu stibitzen, sondern laufen auch die steilen, verschneiten Hänge meisterhaft hinauf. Hinab geht es dann manchmal halb fliegend.

Ein entscheidender Vorteil für die Polarfüchse in Hornstrandir ist nicht nur das Jagdverbot, sondern auch das üppige Nahrungsangebot. An den imposanten Steilküsten der Halbinsel brüten Millionen Seevögel – darunter Papageitaucher, Eissturmvögel und Trottellummen – und bieten eine reichhaltige Nahrungsquelle. Die lange Küstenlinie mit zahlreichen Buchten und Fjorden stellt hingegen die Nahrungsversorgung im Winter sicher, wo die Polarfüchse angespültes Aas, Meerestiere oder auch Algen fressen.

Polarfüchse im Hornstrandir-Naturschutzgebiet sind Küstenfüchse, die am Ufer nach Nahrung suchen.

Anatomie eines Überlebenskünstlers

Mit seinem gedrungenen Körperbau, kurzen Beinen und kleinen Ohren ist der Polarfuchs perfekt an extreme Kälte mit Temperaturen bis unter −50 °C angepasst. Sein mehrschichtiges Fell gehört zu den dichtesten im gesamten Tierreich: bis zu 25.000 Haare pro Quadratzentimeter bedecken ihn. Selbst seine Pfotenballen sind wie auch bei den Polarhasen mit Fell überzogen – was ihm übrigens den wissenschaftlichen Namen Vulpes lagopus einbrachte, was „hasenfüßiger Fuchs“ bedeutet.

Die breite, pelzbesetzte Rute dient sowohl als Balancierhilfe als auch als zusätzliche Wärmedecke oder als Matratze beim Ruhen. Wenn die Winterstürme am schlimmsten sind, legt sich der Polarfuchs an einen geschützten Ort und lässt sich vom Schnee bedecken oder gräbt sich in eine Schneewehe ein. Neben seinem Pelz schützen ihn auch seine Fettreserven, die er im Herbst anlegt und die sein Körpergewicht nahezu verdoppeln können. Das Sommer- und Winteraussehen der Polarfüchse ist völlig unterschiedlich, denn das dichte Winterfell lässt die Füchse pummelig und kurzbeinig erscheinen, während sie im Sommer schlank und langbeinig wirken.

Meister der Anpassung: Kurze Beine, breite Pfoten, dichte Unterwolle

Eine weitere Anpassung an die Kälte ist der integrierte Wärmetauscher in den Gliedmaßen, wo die Arterien und Venen sehr nah beieinander liegen. Warmes arterielles Blut gibt Wärmeenergie an das kühlere venöse Blut ab, welches in die entgegengesetzte Richtung zurückfließt. So geht relativ wenig Wärmeenergie verloren und das venöse Blut ist schon vorgewärmt, bevor es in den Körperkern zurückfließt.

Die Schneeflocken sammeln sich auf dem dichten Winterpelz – bis zu 5 cm dick isoliert das Fell selbst bei -30 °C zuverlässig.
Im frisch gefallenen Schnee ruht ein Fuchs in völliger Stille. Seine buschige Rute umschließt den Körper wie ein Schal – eine geniale anatomische Lösung zum Wärmeerhalt.
Doch der Polarfuchs ist nicht nur gegen die Kälte gut gewappnet: Seine gold-orangefarbenen Augen sind stark pigmentiert und die Pupillen können sich zu schmalen Schlitzen verengen, was die grelle Reflexion des Schnees mildert.

Erste Begegnung mit den Polarfüchsen von Hornstrandir

Schon kurz nach unserem Rundgang im Haus hören wir den ersten Fuchs bellen. Wir ließen alles stehen und liegen, schnappten die Kameras und stürmten nach draußen. Es war die Fähe. Die Paarungszeit beginnt bald und die Polarfüchse werden nun stark territorial. Sie markieren ihre Reviergrenzen mit Urin und nutzen ein komplexes Laut- und Körpersprachen-Repertoire zur Kommunikation. Die in ihrem Winterpelz sehr groß wirkende Fähe lief von der Küste kommend an unserer Lodge vorbei und verschwand als kleiner dunkler Punkt in der Ferne. Kurze Zeit später sahen wir sie erneut mit ihrem Partner.

Polarfüchse bilden während der Brutzeit monogame Paare und bleiben jahrelang im selben Gebiet zusammen. Sie leben in Höhlen, deren Größe je nach Bedingungen sehr unterschiedlich sein kann. Die jährliche Paarung beginnt im März und kann bis April dauern. Nach rund zwei Monaten Tragzeit werden drei bis neun blinde, taube und mit einem dunkelbraunen Pelz überzogene Junge geboren. In den ersten drei Wochen ernähren sie sich ausschließlich von der Muttermilch und der Partner versorgt das Weibchen mit Nahrung. Nach drei Wochen beginnen die Jungen, feste Nahrung zu sich zu nehmen, die ihnen die Eltern in den Bau bringen. Mit etwa vier Monaten sind sie vollständig selbstständig. Im Herbst oder Winter verlassen sie dann ihre Mutter und beginnen, ihr eigenes Revier zu suchen. Geschlechtsreif sind die jungen Polarfüchse rund zehn Monate nach der Geburt und werden drei bis sechs Jahre alt.

Manchmal werden in einem Revier auch weitere Füchse geduldet, die nicht verpaart sind. Meist ist dies ein Jungtier aus dem letzten Wurf, das dann bei der Aufzucht des neuen Wurfs im folgenden Sommer die Jungen mitversorgt. Auch im Revier an der Kvíar-Lodge hält sich eine zweite Fähe auf. Erst kürzlich war sie in einen heftigen Kampf verwickelt. Neben einer Abschürfung an der Stirn konnten wir einen schief zusammengewachsenen Beinknochen unter einer zarten rosa Haut erkennen. Die kleine Fähe humpelte, doch sie bewegte sich in ihrer eigenen Geschicklichkeit flink durch den Schnee und über die Felsen. Ich freute mich immer ganz besonders, wenn ich sah, dass sie bei der Nahrungssuche am Ufer erfolgreich war.


Farbmorphen der Polarfüchse

In Island treten beim Polarfuchs zwei Farbmorphen auf: die weiße Morphe und die dunkle (sogenannte „blaue“) Morphe. Etwa ein Drittel der isländischen Füchse tragen das weiße Winterfell, das im Sommer graubraun wird. Die dunkle Variante behält ihre Färbung das ganze Jahr über. Diese Morphe ist vor allem entlang der Küstenregionen und Inseln wie Hornstrandir verbreitet. In höher gelegenen, kontinentaleren Lagen und im Hochlandinneren dominiert dagegen die weiße Variante. Die Verteilung scheint eng mit den Habitatbedingungen und Tarnvorteilen verknüpft zu sein: Im steinigen, schneearmen Küstenumfeld erreicht die dunkle Morphe eine bessere Deckung, während sie in schneeweißer Tundra eher auffällt.

Gut getarnt: Die dunkle Farbmorphe der isländischen Polarfüchse verschmilzt gut mit den schneefreien Steinen des Gezeitenufers.

Die weiße Fellfarbe resultiert aus einem rezessiven Allel, sodass dunkle Eltern sowohl weiße als auch dunkle Junge haben können. Weiße Eltern haben jedoch ausschließlich weiße und gemischte Paare haben gemischte Junge.


Im Takt der Natur

Die nächsten Tage verbrachten wir größtenteils im Gelände. Mal direkt vor der Lodge mit Blick über das Ufer, mal am Strand, versteckt zwischen den Felsen. Warm eingepackt übten wir uns in Geduld, beobachteten die Umgebung und warteten auf die Polarfüchse. Manchmal erschienen die Tiere sofort, manchmal stundenlang nicht. Gute Chancen auf Sichtung gab es während des Niedrigwassers, denn dann zogen die Füchse zur Nahrungssuche am Ufer entlang. Doch auch ohne Sichtung war die Zeit nie verloren, denn in dieser Landschaft ist selbst das Warten ein Erlebnis. Und ab und an kam unser Guide Jake mit Kaffee, Tee und Keksen, um uns das Warten zu versüßen.

Mein Beobachtungsposten am Strand.
Hauptsache warm angezogen, dann kann man auch eine Weile im Schnee liegen.
Gemütlichkeit im Warmen

Die Rückkehr zur Lodge zum Abendessen wurde schnell zum festen Ritual: Schuhe aus, Ausrüstung versorgen, Tisch decken. Abends saßen wir oft noch lange am großen Holztisch neben dem Ofen und sprachen über unsere Beobachtungen am Tag oder unterhielten uns über das, was dieser Ort mit einem macht. Es ist dieselbe Szenerie, die auch vor Jahrhunderten so existiert haben könnte. Nur die Wolken und das Licht sind immer anders und immer wieder ein Hingucker.

„In der Einsamkeit der Wildnis spricht die Natur nicht lauter, aber wir hören sie besser.“
— Isländisches Sprichwort (frei übersetzt)

Nach sieben Tagen fiel der Abschied von der Kvíar-Lodge und den Polarfüchsen schwer. Ich hatte viele gute Bilder auf der Speicherkarte – aber noch mehr Eindrücke im Kopf. Wer Polarfüchse in Hornstrandir besucht, betritt nicht nur ein Naturschutzgebiet, sondern auch den Lebensraum eines Tieres, das dort unter ganz eigenen Bedingungen überlebt. Die scheinbare Nähe der Füchse zur Kamera mag trügerisch wirken: Gerade in einer Region wie dieser, in der die Tiere kaum Scheu zeigen, liegt es an uns selbst, mit größtem Respekt und Zurückhaltung zu agieren.

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Kennt ihr das Naturreservat Hornstrandir und habt ihr dort vielleicht sogar Polarfüchse gesehen? Oder habt ihr weitere Tipps für die Beobachtung von Polarfüchsen auf Island? Wenn ja, dann schreibt mir doch einen Kommentar!

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