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Donaudelta im Winter – Auf Fototour zu Goldschakalen und Pelikanen

Donaudelta im Winter – Auf Fototour zu Goldschakalen und Pelikanen
Donaudelta im Winter – Auf Fototour zu Goldschakalen und Pelikanen

Rumänien. Das Donaudelta ist vielen Naturfreunden als Paradies zur Vogelbeobachtung bekannt. Viele Birdwatcher kommen zur Vogelzugzeit her oder beobachten das sommerliche Brutgeschehen. Als Winter-Reiseziel ist das Donaudelta hingegen kaum geläufig. Doch gerade zu dieser Jahreszeit zeigen sich die mächtigen Krauskopfpelikane und die Pallasmöwen in ihrem hübschen Brutgefieder. Durch die spärliche Wintervegetation sind die Tiere im Uferbereich zudem gut zu sehen. Neben den Krauskopfpelikanen hat mich insbesondere die Chance, Goldschakale, Marderhunde und Wildkatzen zu sehen, in diese abgelegene Region gelockt.

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Am Ende der Straße beginnt das Wasser

Der Abend in Tulcea fühlt sich an wie ein Übergang zwischen zwei Welten. Von der auch “Tor zum Donaudelta” genannten Stadt geht es nur noch per Boot weiter. Wir hieven unser Gepäck in das kleine Boot am Steg. Am Hafen ist niemand mehr außer uns. Es regnet. Jeder sucht sich einen Platz auf den Bohnensäcken im Boot, zieht warme Überziehschuhe aus Lammfell über die Stiefel und wickelt sich in die bereitliegenden Decken ein. Im Schein der Kopflampen machen wir die Kameras bereit. Es ist kurz vor acht Uhr abends. Schon bald nach dem Ablegen sind alle Lichter der Stadt verschwunden und nur die rot/grünen Seitenlichter von unserem Boot bringen etwas Licht in die Dunkelheit. Unser Guide sucht die Ufer mit einem Nachtsichtgerät nach dämmerungs- und nachtaktiven Tieren ab. Auch ich schaue gebannt in die dunkle Landschaft und bilde mir ein, irgendetwas erkennen zu können. Nach einer Weile gebe ich auf und beobachte nur noch unseren Guide, schaue, in welche Richtung er das Nachtsichtgerät hält und ob er seine Hand mit der Taschenlampe hebt. Schon innerhalb der ersten Stunde unserer Bootsfahrt in das Dorf Mila 23 sehen wir zwei Minks, zwei Marderhunde, einen Waldkauz und ein Reh.

Wir sind nur vier Gäste, eine ungewöhnlich kleine Gruppe für eine Fotoreise, begleitet von unserem Guide des Naturreiseveranstalters Sakertours und unserem Bootsfahrer. Nach etwa drei Stunden Bootsfahrt erreichen wir unser Ziel in Mila 23.


Biosphärenreservat Donaudelta

Das Biosphärenreservat Donaudelta ist ein weites Labyrinth aus Wasser und Land an der Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine. Das Delta besteht aus unzähligen Seen, Kanälen und Inseln am Ende der rund 2.860 km langen Donau. Mit 5.800 Quadratkilometern ist es das größte zusammenhängende Feucht- und Schilfgebiet Europas. Das Gebiet ist bekannt als Eldorado für Birdwatcher mit 312 nachgewiesenen Vogelarten. Unzählige Fisch- und Säugetierarten finden Schutz in diesem Mosaik aus Wasser und Land, das seit 1991 als UNESCO-Biosphärenreservat und Weltnaturerbe ausgewiesen ist. Das Delta ist auch eines der letzten Rückzugsgebiete für den Europäischen Nerz, die Wildkatze, den Süßwasserotter und die weltweit bedrohte Mönchsrobbe. In kleinen, nur mit dem Boot erreichbaren Dörfern leben rund 13.000 Menschen. Die wichtigsten wirtschaftlichen Aktivitäten im Biosphärenreservat sind Fischerei, Jagd, Schilfernte, Viehzucht, Subsistenzwirtschaft sowie Tourismus.

Winter im Donaudelta

Mila 23 und das Leben im Winter im Donaudelta

Das kleine Dorf Mila 23 am Rand eines der vielen Kanäle wirkt eher wie eine Ansammlung von Booten als eine Siedlung. Straßen gibt es hier keine, nur Holzstege, Boote vor den Häusern und ein paar schmale Pfade. Viele Bewohner des Dorfes, sowie des Deltas insgesamt, gehören zur Gemeinschaft der Lipowaner, Nachfahren russischer Altgläubiger, die im 18. Jahrhundert hier Zuflucht fanden. Unser Gästehaus ist familiengeführt und beeindruckt uns die folgenden Tage mit ausgezeichneter lokaler Kost, die erwartungsgemäß viel Fisch aus den Gewässern vor der Haustür anbietet.

In den Wochen zuvor hatte ich täglich die Wettervorhersage angeschaut. Was erwartet mich im Winter im Donaudelta? Die angekündigten Temperaturen schwankten zwischen minus vierzehn und plus vierzehn Grad, zwischen Schnee, Eis und wahrem Frühlingswetter. Noch in der Woche zuvor lag Schnee und die Wasserflächen waren teilweise zugefroren. Doch jetzt, Anfang Februar, zeigt das Thermometer einige Grad über Null, der Schnee ist verschwunden, das Eis geschmolzen, stattdessen hängen schwere Wolken über dem Fluss und ein feiner Nieselregen wechselt sich mit kräftigen Schauern ab. Nicht die Bedingungen, von denen Fotografen träumen, aber vielleicht genau jene, die einem Foto die gewisse Atmosphäre verleihen.

Der Winter ist hier im Donaudelta Nebensaison. Die meisten Hotels und touristischen Angebote sind geschlossen, Besucher kommen erst ab April, wenn die Zugvögel rasten und die Brutzeit beginnt. Doch jetzt gehört das Delta fast ausschließlich den Einheimischen und den Tieren. Genau diese Stille macht den Reiz aus.

Unser Boot, diesmal ohne Regenverdeck.

Goldschakale aus dem Fotoversteck

An zwei von drei Tagen teilt sich unsere kleine Fotogruppe auf. Zwei von uns fahren mit dem Boot und suchen Wasservögel, während die anderen zwei in ein kleines Fotoversteck am Rand des Schilfgürtels einziehen. Ich kann es kaum erwarten, in das Versteck zu kommen, und baue gespannt meine Kamera auf. Wir haben Glück: Schon nach einer halben Stunde tauchen zwei Goldschakale auf, hübsch anzusehen mit ihrem dichten Winterpelz. Sie sehen aus wie eine Mischung aus Fuchs und kleinem Wolf. Die Goldschakale haben sich in den letzten Jahrzehnten stark ausgebreitet, denn im Delta sind reichlich Nahrung und Deckung vorhanden.

Wir können die insgesamt fünf Tiere über eine Stunde lang beobachten. Sie waren auf der offenen Wiese extrem scheu und blickten sich immer wieder in alle Richtungen um, sogar nach oben in die Luft. Wohl nicht ohne Grund. Zwei von den Schakalen haben deutlich erkennbare, alte Verletzungen, die entweder aus Kämpfen oder von Fallen herrühren: ein teils abgetrennter Schwanz, eine teils fehlende Vorderpfote, ein verletztes Auge und ein umgeknicktes Ohr zeugen von einer enormen Widerstandsfähigkeit und Kraft dieser Wildtiere.

Aus dem Versteck können wir noch weitere Tiere beobachten, darunter Mäusebussarde, eine Rohrweihe, Graureiher, Nebelkrähen, Elstern, einen Grauspecht und zwei Fasane.


Bootstour im Regen und Nebel

Unser zweiter Tag beginnt wieder vor Sonnenaufgang mit starkem Kaffee und einem reich gedeckten Frühstückstisch. Draußen regnet es und auch nach Sonnenaufgang scheint es, als würde es heute gar nicht mehr hell werden. Wir ziehen die Plane über das Boot und wickeln uns in Decken ein. Je weiter wir fahren, desto breiter wird der Fluss, dann teilt er sich in Arme, die sich wieder verzweigen, bis die Orientierung unmöglich erscheint und nur noch Schilfwände links und rechts vorbeiziehen. Während das Boot langsam durch das graue Wasser tuckert halten wir Ausschau nach Vögeln. Zuerst entdecken wir einen Zwergtaucher, dann Zwergscharben, Graureiher, Blässhühner und Haubentaucher. Später am Nachmittag hört der Regen auf und es zieht sich ein Nebelschleier über das Wasser.

Unsere Rückfahrt zur Unterkunft ist ein wahrer Blindflug im Nebel. Manchmal sehen wir kaum fünfzig Meter weit und wir kommen nur langsam voran. Silberreiher tauchen wie weiße Geister aus der grauen Suppe auf, Graureiher stehen fast unbemerkt reglos am Ufer und Haubentaucher verschwinden mit einem Plopp unter der Wasseroberfläche. Obwohl alles klamm und das Licht schummrig ist, entstehen genau jetzt sehr stimmungsvolle Bilder mit Landschaften, die eher Gemälden als Fotografien gleichen.


Pelikane im Prachtkleid

Unser letzter Tag ist voll und ganz den Krauskopfpelikanen gewidmet. Gleich am Anfang der Fahrt sehen wir bereits mehrere Jungtiere. Nach einem kurzen Stopp fahren wir weiter, denn wir suchen die adulten Tiere, deren zottelige Kopffedern und knallig orangefarbenen Kehlsäcke im Brutkleid fast exotisch wirken. Auf einem größeren See entdecken wir schließlich die Silhouetten mehrerer Pelikane, riesige Vögel mit bis zu drei Metern Spannweite.

Das Donaudelta beherbergt mit mehreren tausend Brutpaaren eine der bedeutendsten Kolonien Europas, was einen erheblichen Anteil des Weltbestands ausmacht. Sie bleiben das ganze Jahr über vor Ort. Im Frühling bekommen die Krauskopfpelikane dann Gesellschaft von den Rosa Pelikanen, die im Donaudelta in großen Kolonien brüten.

Wir haben den Pelikanen ein paar Fische mitgebracht und haben so die Gelegenheit, die Tiere beim Fressen zu beobachten. Der Kehlsack dient den Tieren als Kescher, um Fische samt Wasser aufzunehmen. Das Wasser wird anschließend abgelassen, bevor der Fisch geschluckt wird. Der Kehlsack ist extrem dehnbar und kann zehn bis zwölf Liter Wasser aufnehmen.

Die Fischmöwe oder auch Pallas’ Gull auf Englisch trägt ihren Namen zu Ehren des deutschen Naturforschers Peter Simon Pallas (1741–1811), der die Art 1773 erstmals beschrieb. Es ist die größte Möwe mit schwarzem Kopf (im Brutkleid) und die drittgrößte Möwenart weltweit. Die Art ist hauptsächlich in den Steppenseen Zentralasiens und den Küstenregionen des Kaspischen Meeres verbreitet. Die Population im Donaudelta ist das westlichste Vorkommen.


Nachts im Donaudelta

Wildkatzen

Jeden Abend sind wir mehrere Stunden auf der Suche nach dämmerungs- und nachtaktiven Tieren. In dem weitläufigen Donaudelta mit dem dichten Auwald und zahlreichen Rückzugsräumen lebt die Europäische Wildkatze. Die Tiere bleiben für Besucher meist unsichtbar, weil sie nicht nur nachtaktiv, sondern darüber hinaus auch äußerst scheu sind. Wildkatzen meiden offene Bereiche, halten sich vorzugsweise in dichten Auwäldern und Schilfrändern auf und nutzen dort Verstecke wie umgestürzte Baumstämme oder hohle Stämme, um sich tagsüber vor Störungen zu schützen. Erst nach Einbruch der Dämmerung gehen sie auf die Jagd.

Dreimal kann unser Guide mit dem Nachtsichtgerät eine Wildkatze am Ufer entdecken. Doch im Schein der Taschenlampe ist sie schnell verschwunden, ich sehe das Tier nur einen kurzen Moment auf einem Ast balancieren und kann mit meiner Kamera nur noch ihr Hinterteil ablichten.

Marderhunde

Ich hab oft von Marderhunden gehört, aber noch nie einen gesehen. Umso größer ist die Freude, als wir während einer abendlichen Bootstour gleich zwei Tiere beobachten können. Der Marderhund stammt ursprünglich aus Ostasien. Zwischen 1928 und den 1950er Jahren wurden Tausende Tiere in Russland, Belarus und der Ukraine ausgesetzt. Ziel war die Etablierung einer neuen Pelztierart für die Jagd- und Pelzwirtschaft. Die Tiere erwiesen sich als anpassungsfähig, fruchtbar und ausbreitungsstark. Von diesen Populationen aus wanderte der Marderhund selbstständig weiter nach Westen und Süden. Flusssysteme, Auenlandschaften und Feuchtgebiete boten ideale Wanderkorridore. Im Donaudelta tauchten die ersten Nachweise vermutlich in den 1970er oder 1980er Jahren auf. Die ausgedehnten Schilfgürtel, Sümpfe und milden Winter im Donaudelta bieten ihm ideale Lebensräume. Der Marderhund kommt inzwischen auch in flächendeckend Deutschland vor, mit regionalen Schwerpunkten. Seit den 1990er-Jahren breitet sich die Art stark aus. Trotz wachsender Bestände bleibt er wegen seiner nachtaktiven Lebensweise meist unsichtbar.

Marderhund im Donaudelta

Abschied vom Donaudelta

Auch unsere Rückfahrt von Mila23 nach Tulcea ist wieder eine Nachtfahrt. Nach einem üppigen Abendessen aus drei Gängen machen wir es uns im Boot wieder gemütlich und halten unsere Kameras in gespannter Bereitschaft. Wir sehen mehrere Nutrias im Wasser, Waldkäuze und Mäuse, die im Wasser schwimmen. Im Verlauf der Fahrt zieht wieder Nebel auf und wir können nur noch langsam durch die Kanäle tuckern. Ein wohl typischer Winter im Donaudelta. Ich lehne mich zurück in meinen Bohnensack, höre nur das Wasser am Rumpf plätschern und denke daran, wie selten solche Orte in Europa geworden sind.

Rohrweihe

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